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42. Tag im Springmann-Prozess
Ein Hin und Her auf dem Gerichtsflur

42. Tag im Springmann-Prozess: Ein Hin und Her auf dem Gerichtsflur
Symbolfoto. FOTO: Redaktion
Wuppertal. Die letzten beiden Verhandlungstage im Springmann-Prozess? Ein Marathon. Wäre das alles ein "Tatort", würde man diese "Längen" beklagen, die kein Mensch braucht. Weil es das aber nicht ist, sind auch solche Verhandlungstage gelassen hinzunehmen. Von Sabine Maguire und Mikko Schümmelfeder

Stift und Papier für üblicherweise recht umfangreiche Notizen wären dennoch verzichtbar gewesen. Stattdessen hätten Feldbett und Schlafsack gute Dienste geleistet. Nicht nur, weil man dann gleich im Gerichtsflur hätte übernachten können. Sondern auch, weil es am mittlerweile 42. Prozesstag des Mammutprozesses genügt hätte, wenn man zwischendurch geweckt worden wäre, um kurz die Wasserstandsmeldungen in Empfang zu nehmen.

Die lauteten nach einem erneuten Befangenheitsantrag gegen die Kammer anfangs in etwa so: "In einer halben Stunde verkünden wir, ob es gleich weitergeht." Da war es beinahe schon 5 vor 12. Also fix in die Kantine, einen Kaffee schlürfen und wieder runter auf den Flur. Hinter verschlossenen Türen wurde was auch immer besprochen, man hörte davon jedenfalls nichts. Also wieder hoch in die Kantine – denn die macht irgendwann zu und wer will schon gerne bis in die Nacht mit knurrendem Magen den Plädoyers zuhören, auf deren Beginn da immer noch alle hofften.

"Wir könnten damit um 13 Uhr beginnen", war zuvor vom Vorsitzenden Richter Robert Bertling zu hören. Das hätte er wohl besser nicht sagen sollen, weil – wie später zu hören war – ihm das auch noch einen Befangenheitsantrag gegen ihn selbst einbrachte. Und dann gab es noch einen dritten gegen diejenige Kammer, der aufgetragen worden war, über die anderen beiden Anträge entscheiden zu müssen.

Warum? Weil der Ergänzungsrichter, der schon von Beginn an den Springmann-Prozess verfolgt – genau dieser Kammer angehört. Also wurde eine dritte Kammer damit beauftragt, die Dinge zu klären. Wer die Abläufe bei Gericht kennt, der weiß: Das wäre eigentlich der Moment gewesen, an dem man sich hätte wieder die Decke über den Kopf ziehen können. Drei Befangenheitsanträge, über die man nachzudenken hatte und die dazu noch im Falle ihrer Ablehnung ausführlich begründet werden müssen? Das kann dauern!

Es hätte genügt, sich den Wecker auf 15 Uhr zu stellen. Bis dahin sollte die Sache entschieden sein. An Schlaf wäre dennoch nicht zu denken gewesen. Richter, Verteidiger und Zuschauer: Es war ein Hin und Her auf dem Gerichtsflur. Aus 15 wurde 16 Uhr – und dann, beinahe halb 5, bat der Vorsitzende Richter in den Verhandlungssaal. Nein, nicht in der Sache. Sondern nur, um zu sagen, dass es zur Sache an diesem Tag nichts mehr zu sagen gebe. Über die Befangenheitsanträge sei zwar entschieden worden – allerdings habe die Verteidigung eine Rechtsbeschwerde eingelegt. Und die Kammer, die darüber hätte entscheiden müssen, hatte sich schon in den wohlverdienten Feierabend verabschiedet.

Soviel war dann aber doch noch zu hören: Am Montag soll es endlich mit den Plädoyers weitergehen. Wenn da nicht doch noch Befangenheitsantrag... Nein, da soll angeblich nichts mehr kommen. Aber diese letzten Anträge waren aus Sicht der Verteidigung nötig. Warum? Dazu folgt ein Rundschau-Interview mit dem Verteidiger von Benjamin S., Prof. Dr. Klaus Bernsmann.

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