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41. Tag im Springmann-Prozess
Anträge abgewiesen: Dienstag folgen die Plädoyers

41. Tag im Springmann-Prozess: Anträge abgewiesen: Dienstag folgen die Plädoyers
Symbolfoto. FOTO: Redaktion
Wuppertal. Mit Spannung erwartet, mit Skepsis betrachtet, mit Verwunderung reagiert – die Antragsfrist beim Springmann-Prozess, die am Montag (29. Oktober 2018) um 13 Uhr endete, wurde bis fast zur letzten Sekunde ausgenutzt. Einige Anträge gingen noch einmal tief in die Materie. Von Sabine Maguire und Mikko Schümmelfeder

Von diesen gab es ja mittlerweile eine stattliche Anzahl, und es mag für den unbelasteten Prozessbeobachter ermüdend sein, wenn die sich nur in Nuancen unterscheiden. Aber je nach Formulierung werden dann doch von den Anwälten ganz unterschiedliche Forderungen gestellt mit differenten Zielsetzungen.

Hatte man doch schon oft über die verschiedenen Methoden der Todeszeitbestimmung diskutiert, aber abgeschlossen ist dieser für den weiteren Verlauf wichtige Aspekt aus Sicht der Verteidigung eben immer noch nicht. Nicht nur die Werthaltigkeit der Alibis ist davon betroffen, sondern besonders die Erbfolgen. Und so macht es finanziell schon einen großen Unterschied für die möglichen Erben, ob nun Enno Springmann zuerst ermordet wurde oder Christa Springmann.

Am Montag nun der Antrag der Verteidiger des Enkels, einen neuen Gutachter von der Uni Erlangen-Nürnberg hinzuzuziehen, der anhand von Hautverfärbungen feststellen solle, wie viel Zeit nach dem ersten heftigen Angriff verging, der Christa Springmann bewusstlos zurückließ - bis zum zweiten, letztlich tödlichen durch Erdrosseln.

Außerdem wurde ein Gutachter aus Münster vorgeschlagen, der zur Wirkung eines Heizkörpers in der Nähe ihrer Leiche eine andere Meinung hat als die bisherigen Gutachter. Sollte dieser Heizkörper auf die sinkende Körpertemperatur tatsächlich keinen Einfluss gehabt haben, wären die bisherigen Annahmen zum Todeszeitpunkt nicht ausreichend sicher und vielleicht deshalb unbrauchbar.

Auch die offene Verandatür im Schlafzimmer der Ermordeten wurde noch einmal zum Thema. Nach Meinung der Verteidiger wurde dem Verdacht, dass Fremde durch diese Tür ins Haus gelangt sein und die Springmanns ermordet haben könnten, nie ernsthaft nachgegangen. Unwahrscheinlich - so wies die Kammer den Antrag zurück. Wären es Fremde gewesen, so die Überlegung von Staatsanwalt und Nebenklageanwalt, wäre Christa Springmann nie ruhig  - mit dem Stift noch in der Hand - an ihrem Schreibtisch sitzen geblieben. Sie hätte geschrien, den Notrufknopf an ihrem Arm gedrückt und sich gewehrt. Und wenn jemand aus der Familie durch die Terrassentür gekommen wäre, hätte sie das akzeptiert? Darüber wurde nicht nachgedacht.

Aber, so der Verteidiger, man solle doch bitte überlegen, dass bei diesem Ablauf der Enkel dem Mitangeklagten nicht einmal die Haustür hätte öffnen müssen und, so der Anwalt, also an der Tat überhaupt nicht beteiligt gewesen wäre. Begeisterung rief dieser Nadelstich auf der Seite des Mitangeklagten nicht hervor.

Auch die Akustik im Hause der Springmanns solle noch einmal geprüft werden. Hätte die schwerhörige Großmutter im Obergeschoss einen lauten Streit oder einen Kampf zwischen dem Enkel und ihrem Mann im Untergeschoss hören können? Spätestens ab einer bestimmten Lautstärke hätte sie sicher den Notruf betätigt. Alles unter der Annahme, dass sie zu diesem Zeitpunkt noch gelebt hätte.

Diese Anträge wurden vom Staatsanwalt nüchtern zurückgewiesen. Da der tatsächliche Ablauf der Taten bis heute nicht bekannt sei, könne eine Untersuchung dieser Randbedingungen keine neuen Beweise für irgendwas herbeizaubern. Und jetzt noch Gutachter herbeiziehen, die die bislang unbestrittenen Gutachten erschüttern könnten? Nicht notwendig, alles sei bereits anderweitig ausreichend geklärt, so die Meinung der Staatsanwaltschaft und auch des Nebenklägers.

Die Anwälte des Geschäftspartners schlossen sich diesen Anträgen für die neuen gutachterlichen Untersuchungen an, verlangten dann aber für eine weitere Stellungnahme den Ausschluss der Öffentlichkeit wegen "Gefährdung der öffentlichen Ordnung". Das steigerte die Neugier der Zuschauer blitzartig, der Ausschluss wurde aber nach kurzer Prüfung nicht gewährt.

Die Anwälte reichten also ihre bislang unbekannte Stellungnahme schriftlich ein und kommentierten noch einmal die oft zitierte DNA-Spur, die vom Geschäftspartner des Enkels stammen soll. Die wäre, so ihre Überzeugung, provoziert gelegt worden. Sie sei nicht natürlich entstanden und deshalb als Beweis nicht verwendbar. Das alles unterliegt letztlich der Würdigung des Gerichts.

Die Anträge wurden allesamt nach langer Beratung am frühen Abend zurückgewiesen. Damit wurde die Beweisaufnahme offiziell geschlossen Ab Dienstagmittag (29. Oktober 2018) wird die Kammer jetzt die Plädoyer des Staatsanwalts und der Anwälte hören und danach ihr Urteil vorbereiten.

Die Rundschau-Radrunde