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Wuppertaler Fußballprofi
Kolja Pusch: "Uns hatte keiner auf dem Zettel"

Wuppertaler Fußballprofi: Kolja Pusch: "Uns hatte keiner auf dem Zettel"
Kolja Pusch. FOTO: SSV Jahn Regensburg
Wuppertal. Der Ronsdorfer Kolja Pusch hat Jahn Regensburg gegen 1860 München zum Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga geschossen. Ein glatter Durchmarsch, nachdem der 24-Jährige die Bayern schon 2016 in die 3. Liga führte. Jetzt wechselt er nach Heidenheim.        Von Thomas Schulz

Die Überraschung war groß. Kurz bevor Kolja Pusch mit seiner Freundin für eine Woche in den Urlaub nach Mallorca abheben wollte, klingelte am Flughafen das Handy des offensiven Mittelfeldspielers von Jahn Regensburg. "Oh, von einer Wuppertaler Zeitung bin ich aber schon recht lange nicht mehr angerufen worden", sagte Pusch und nahm sich gerne noch ein wenig Zeit. Schließlich liegen zwei erfolgreiche Jahre hinter dem 24-jährigen Ronsdorfer.

Vor gut zwei Wochen erzielte Pusch dabei sogar bundesweite Aufmerksamkeit. In dem von der ARD live übertragenen Relegations-Rückspiel beim TSV 1860 München hatte er einen Pass von Mitspieler Erik Thommy mit einer technisch gekonnten Direktabnahme zum 1:0 in den Winkel gesetzt. Am Ende hieß es 2:0, was nach dem 1:1 im Hinspiel den Zweitliga-Aufstieg des SSV Jahn perfekt machte.

"Wahnsinn, was danach in Regensburg los war. Viele Fans haben auf uns gewartet und selbst die Bürgermeisterin feierte mit. Uns hatte doch keiner auf dem Zettel", sagte Pusch.

Schließlich war das Team von Trainer Heiko Herrlich erst ein Jahr zuvor aus der Regionalliga Bayern in die Dritte Liga aufgestiegen. Damals hatten die "Donaustädter" in den Play-offs gegen Nord-Meister VfL Wolfsburg II die Oberhand behalten. Nach einem 0:1 im Hinspiel gewann der SSV Jahn das Rückspiel mit 2:0. Vor dem Strafstoß zur Führung war Kolja Pusch gefoult worden, den entscheidenden zweiten Treffer erzielte er dann später selber.

Nun also gleich der direkte Durchmarsch. Wieder mit Pusch als offensichtlichem Relegations-Spezialisten in einer Hauptrolle. "Mein Tor in München war sicher so eine Art Dosenöffner. Wir mussten ja treffen und haben einfach alles rausgehauen", sagte Pusch. Für einige Fans der Münchner "Löwen" zu viel, in der 81. Minute gab es wüste Randale.

Hässliche Bilder, die ARD-Kommentator Tom Bartels in pure Ironie verfallen ließen. "Super, der Torwart von Regensburg. Erst sechs Sitzschalen abgewehrt und jetzt auch noch einen Ball gehalten", sagte Bartels.

Kolja Pusch aber war voll mit Adrenalin. Ihn trieben andere Gedanken um als die um seine Sicherheit. "Ich habe das gar nicht als so schlimm empfunden und daher nur auf die Reaktion des Schiedsrichters geachtet. Uns war wichtig, dass zu Ende gespielt wird", sagte Pusch. Wurde es - und so konnten nicht nur die aus Ronsdorf angereisten Eltern feiern, auch in Cronenberg wurde gejubelt. "CSC-Torwart Marcel Langendorf ist einer meiner besten Kumpels. Er hält mich auch stets über den Fußball im Tal auf dem Laufenden. Super, dass er den Klassenerhalt geschafft hat", sagte Pusch.

Der hofft, dass Jahn Regensburg gleiches in der zweiten Liga gelingt – allerdings wird er dabei nicht mehr helfen. Pusch hat sich für einen Wechsel zum Liga-Rivalen 1. FC Heidenheim entschieden. "Ich habe beim Jahn eine tolle Zeit gehabt und mich unter Heiko Herrlich weiter entwickelt. Nun möchte ich in Heidenheim den nächsten Schritt gehen und mich in einem anderen Kampf um die Stammplätze neu beweisen", sagte Pusch.

Am besten im Mai 2018 auch wieder in einer Aufstiegs-Relegation. Gegen Spezialist Kolja Pusch könnte es dann sogar für den Bundesliga-16. eng werden.