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Handball-Bundesliga
BHC-Fanclub: "Provinzialität der bergischen Stadtväter"

BHC-Fanclub übt Kritik
Szene aus der Partie gegen Kiel im November 2018 im Düsseldorfer ISS-Dome. FOTO: Dirk Freund
Wuppertal. Der Fanclub "Bergische Handball-Löwen" hat eine offenen Brief veröffentlicht. Anlass sind die "jüngsten Entwicklungen um den BHC sowie die in Fankreisen entstandene Unruhe". Der Wortlaut.

"Sehr geehrte Verantwortliche des Bergischen HC 06,
sehr geehrte Stadtvertreter der Städte Wuppertal und Solingen,
liebe Löwenfans, liebe Mitglieder des Fanclubs Bergische Handball-Löwen,

seit 2006, also von Beginn an begleiten wir den Weg des Bergischen HC und setzen uns seitdem maßgeblich dafür ein, zwei zum damaligen Zeitpunkt rivalisierende Teams und sich nicht wohlgesonnene Fangruppen im Bereich des Sports zu vereinen. Getrieben von der Vision das Bergische Land dauerhaft und als Einheit auf der großen Handballbühne zu präsentieren, haben wir viele – anfangs skeptische – Stimmen überzeugen können und eine Identifikation für eine Region mitgeschaffen, die im Bergischen Land, aber auch in der deutschen Sportlandschaft, ihresgleichen sucht.

Wo andere ihr eigenes Süppchen gekocht haben, haben wir mitgeholfen zu vereinen!

Das Engagement und die Hingabe der Fans zu ,ihren' Bergischen Löwen gipfelte darin, dass die Hallen selbst in aussichtslosen Tabellensituationen nahezu ausverkauft waren und die Fans durch die Bergische Krankenkasse mit einem Fairnesspreis bedacht wurden.

Umso mehr sind wir verärgert über die Entwicklung rund um den BHC in den letzten Tagen:

Aufgrund der seit einigen Jahren bereits völlig unzureichenden Sportinfrastruktur im bergischen Städtedreieck und der auf der anderen Seite einsetzenden Professionalisierung des Handballs hat auch die Fanszene der Bergischen Löwen die Notwendigkeit erkannt, zunächst eines, zuletzt auch zwei Spiele pro Saison in Köln auszutragen, um neue Zuschauer- und Werbepotenziale zu erschließen.

Rund 13.400 Zuschauer gegen Kiel am 27. Dezember 2015 belegten eindrucksvoll, dass die Bergischen Zuschauer dazu bereit sind, diesen Weg mitzugehen und zugunsten eines Highlights auf ein Heimspiel ,zu verzichten'.

Drei Jahre später werden innerhalb eines Monats zwei Spiele im Düsseldorfer ISS-Dome ausgetragen, ein weiteres beschlossen. Von ,Highlights' kann angesichts dessen, dass nicht einmal mit beiden Spielen zusammen die oben genannte Zuschauerzahl erreicht wurde, keine Rede mehr sein.

Wohl aber reichen diese Spiele offensichtlich als Grundlage dafür, der Sportstadt Düsseldorf weitreichende Mitspracherechte, Einflussnahme und jährlich vier bis sechs Spiele im ISS-Dome bis 2022 einzuräumen. Jener Stadt, die bislang noch mit jedem Handballprojekt krachend gescheitert ist und hierbei immer genau das Gegenteil dessen verkörperte, was den Bergischen HC seit seiner Gründung ausmacht. Hier sukzessive, beständige Entwicklung unter Einbeziehung des Ehrenamtes, dort großspurige Ankündigungen und umfangreiche finanzielle Investitionen ohne jedwede Basis!

Im Klartext bedeutet dieser Schritt, dass quasi jeder Top-Termin und jeder Top-Gegner an die Metropole Düsseldorf verkauft wird. Den Fans im Bergischen, die den Verein seit seiner Gründung und auch schon zuvor mitgeprägt haben und die sich mit den Widrigkeiten der Infrastruktur abgefunden haben, wird hingegen der Bodensatz zur Resteverwertung überlassen. 

Dies als ,Fortbestand der Präsenz des Spitzenhandballs für das Bergische Land' zu bezeichnen, empfinden wir als frech und heuchlerisch denjenigen gegenüber, die bereits seit Jahren einen vergleichsweise hohen Aufwand bei niedrigem Komfort betreiben müssen, um ihre Löwen zu unterstützen. Auch fehlt uns eine sorgfältige Abwägung zwischen wichtigen wirtschaftlichen Interessen auf der einen sowie Fanbelangen auf der anderen Seite. Letztere sollten in einem derart auf das Ehrenamt ausgerichteten Verein wie dem BHC immer von hoher Bedeutung sein, will man nicht einen massiven Identitätsverlust riskieren.

In diesem Zusammenhang betonen wir ausdrücklich, dass – entgegen der Aussagen in der lokalen Presse - ein Gespräch über diese konkrete Entwicklung nicht geführt wurde!

Die Entwicklung ist jedoch aus unserer Sicht auch ein Armutszeugnis für die Kommunen, die über Jahre hinweg die Bedeutung und Strahlkraft eines sportlichen Aushängeschildes ignoriert haben und es sich mit dem Verweis auf leere Kassen sehr einfach machen. Es zeigt unserer Meinung nach auch das ganze Ausmaß der Provinzialität der bergischen Stadtväter, zumal alle drei Städte derzeit unter der gleichen politischen Führung stehen!

Für die Zukunft erhoffen wir uns deutliche Impulse und Initiative der beteiligten Kommunen, um die Halleninfrastruktur zu verbessern. Wenn es möglich ist, für 60 Millionen Euro ein Tanztheater zu realisieren, sollte eine Arena für 15 Millionen Euro das kleinere Problem sein. Wenn man denn möchte…

In Bezug auf die Kooperation mit der Sportstadt Düsseldorf erwarten wir von der Vereinsführung eine Terminierung der Spiele im ISS-Dome mit Augenmaß. Mit zwei Spielen innerhalb eines Monats ist niemandem gedient – weder der Sportstadt Düsseldorf, noch den wirtschaftlichen Interessen des BHC und schon gar nicht den Fans. Einen drohenden Identifikationsverlust und die sorgfältige Abwägung von Wirtschafts- und Faninteressen sollten die Verantwortlichen ernst nehmen, will man in fremden Gefilden nicht eine ähnliche Bauchlandung erleiden, wie der VfL Gummersbach in Köln.

Der Vorstand der Bergischen Handball-Löwen "

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