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13 Kilometer Nordbahntrasse
Von Oberbarmen bis Vohwinkel

13 Kilometer Nordbahntrasse: Von Oberbarmen bis Vohwinkel
Die Nordbahntrasse von Oberbarmen bis Vohwinkel ist eigentlich vertrautes Terrain für Volontärin Hannah Florian. Trotzdem schafft sie es auf ihren Trassenfahrten immer wieder etwas Neues zu entdecken. Wuppertal ist schließlich im ständigen Wandel. FOTO: Max Höllwarth
Wuppertal. Die Nordbahntrasse – einmal Wuppertal im Schnelldurchlauf. Am alten Bahnhof Wichlinghausen startet unsere Radrunde. Ich setzte mich auf den Sattel und trete in die Pedale. Der asphaltierte Fahrradweg zwischen Oberbarmen und Vohwinkel ist vertrautes Terrain für mich.

++NEU++

Mr. Cleanchen säubert die Trasse

Mr. Cleanchen nennen ihn die Kinder, wenn Stefan Neuhoff mit seinem Lastenrad über die Nordbahntrasse fährt. Knapp 7.000 Kilometer hat das Reinigungs-Rad mittlerweile auf dem Buckel. Seit anderthalb Jahren ist es im Einsatz. Es säubert die Trasse von Vohwinkel bis zum Tunnel Schee, und das täglich, selbst im Winter. "Wir sind ja keine Schönwetterfahrer", kommentiert Lothar Bangert, Projektleiter der Trassenmeisterei und gute Seele die Nachfrage nach der wettertauglichkeit des Gefährts. Bis auf vier Tage im letzten Jahr, an denen der Schnee einfach zu hoch lag, war das Cleanchen auf der Trasse unterwegs. Drei Säcke voller Müll hat das Lastenrad am Ende des Tages geladen. Das sind 200 Kilogramm Abfall, die Stefan Neuhoff täglich sammelt.

Mr. Cleanchen alias Stefan Neuhoff auf seinem Lastenrad auf der Nordbahntrasse. FOTO: Simone Bahrmann

Mit Unterstützung der Fußtruppen, die mit ihren Handkarren die Grünstreifen entlang der Nordbahntrasse aufräumen, sammelt die Trassenmeisterei wöchentlich insgesamt einen Container voll Müll ein. Das ist schon eine ziemliche Menge. "Dafür haben wir aber auch die sauberste Trasse Deutschlands", sagt Lothar Bangert nicht ohne Stolz.

Jeden Tag hören die Mitarbeiter der Meisterei ein "Danke" für ihre tolle Arbeit, und das tut gut. Schließlich gibt sich nicht nur Stefan Neuhoff auf seinem Cleanchen größte Mühe, sondern auch die Mitarbeiter mit ihren Handwagen.  

Die Idee für das Reinigungs-Lastenfahrrad Cleanchen hatte die Wuppertalbewegung. Die Mirker Schrauba tüftelten an dem Rad herum, gesponsert wurde es von der AWG in Zusammenarbeit mit der ESW. Rund 5700 Euro hat das Cleanchen im Endeffekt gekostet. Im Einsatz ist es bei der Trassenmeisterei, die in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Langzeitarbeitslose beschäftigt. Es ist offensichtlich: Ziemlich viele Akteure wirken am Cleanchen mit und sorgen dafür, dass Wuppertal etwas hat, das es vermutlich in ganz Deutschland sonst nirgendwo gibt. "Ich glaube, in Holland fährt auch so ein Ding rum", erinnert sich Lothar Bangert. Von einem weiteren Cleanchen in Deutschland weiß er allerdings nichts. "Wir sind da Vorreiter."

Stefan Neuhoff genießt es, in seinem Job täglich mit dem Lastenrad über die Nordbahntrasse zu fahren. Ansonsten verliert er nicht viele Worte über seine Arbeit. Einen Lieblings-Streckenabschnitt hat er nicht. Die Nordbahntrasse gefällt ihm an allen Stellen gleich gut, und er achtet sowieso hauptsächlich auf den Müll am Wegesrand der Trasse. Und Abfall, das kann er mit Sicherheit sagen, liegt am Bahnhof Loh, am Mirker Bahnhof und in der Nähe des Skaterparks Richtung Vohwinkel am meisten. Da ist schließlich auch immer etwas los.

Die Nordbahntrasse im Schnelldurchlauf:

Bergisches Plateau

Trassenimker Dirk Günther präsentiert seine Trassenhonig-Auswahl. FOTO: Max Höllwarth

Am alten Bahnhof Wichlinghausen, auf dem sogenannten Bergischen Plateau, steht die größte Parkouranlage Deutschlands. Unter freiem Himmel springen und klettern die Parkour-Sportler von Hindernis zu Hindernis.

Loher Bahnhof und der Steingarten

Von Wichlinghausen aus fahre ich über das Wupperfelder Viadukt und das Kuhler Viadukt. Unser Drohenflug macht's möglich, das ganze Panorama aus der Vogelperspektive zu betrachten. Hinter dem Tunnel Rott stehen noch die alten Bahnschienen. Wäre ich nicht mit dem Fahrrad unterwegs, könnte ich ein Stück der ehemaligen Bahnstrecke mit der Draisine zurückzulegen. Am Bahnhof Loh hole ich mir ein Eis am Stiel und werfe einen Blick in den Steingarten von Martin Michels, in dem sich neben Blumen allerhand Kuriositäten stapeln. "Frauenparkplatz" steht auf einem verrosteten Schild, davor ein altes Kettcar zwischen Tonfiguren und einem alten Kinderwagen, aus dem Pflanzen wuchern.

Trassenhonig

Nur ein paar Meter weiter erwartet mich ein echtes Highlight der Nordbahntrasse: der Trassenhonig-Verkauf von Imker Dirk Günther. Immer sonntags bei gutem Wetter verkauft er kurz hinter dem Loher Bahnhof das einzig echte Trassen-Souvenir. Die Bienenstöcke stehen verborgen direkt hinter dem Holzlattenzaun an der Trasse. Im Video-Interview erzählt er die Geschichte seines Trassenhonigs. 

Klaus-Georg Becher ist regelmäßig im Radverleih der Utopisten am Mirker Bahnhof zu finden und verleiht Räder an "Hinz und Kunz", wie er sagt. Das Radverleih sucht ständig ehrenamtliche Helfer. FOTO: Max Höllwarth

Mirker Bahnhof und der Utopiastadt Radverleih

Ich radele weiter Richtung Elberfeld, bis mich der Engelnberg-Tunnel freigibt und ich im Epizentrum der Wuppertaler Aufbruchsbewegung lande: dem Mirker Bahnhof, betrieben vom Verein Utopiastadt. Das Café Hutmacher im alten Bahnhofsgebäude hat täglich geöffnet, regelmäßig finden Ausstellungen und Konzerte statt. Kostenlos kann ich mir beim Utopiastadt Radverleih ein Fahrrad ausleihen. Der Verleih wird ehrenamtlich betrieben und ist bei gutem Wetter fast immer besetzt. (https://www.clownfisch.eu/utopia-stadt)

Bahnhof Blo

Etwa Zweihundert Meter weiter kraxeln im alten Fabrikgebäude Bahnhof Blo Kletterer die etwa drei Meter hohen Wände der Boulderhalle hoch. Auf 600 Quadratmeter Kletterfläche kann täglich gebouldert werden, danach gibt's im Café eine Limo und ein Sandwich. (http://bouldercafe-wuppertal.de)

Hall of Fame

Weiter fahre ich durch den Tanztunnel und vorbei an der bunten Hall of Fame, an der gerade ein neues Graffitis gesprüht wird. Urbane Kunst im ständigen Wandel.

Ottenbrucher Bahnhof

Der Ottenbrucher Bahnhof, 26 Jahre lang betrieben von Gastronomin Jette Müller, wird zurzeit renoviert. Im Sommer 2019 soll das Restaurant mit Biergarten und einem neuen Betreiber wieder eröffnen. Kurz vor dem Tunnel Dorp, einem der längsten Tunnel auf der Strecke, halte ich an. An einem blauen Kästchen am Rand des Weges kann ich dem Kreischen der Fledermäuse lauschen, die im Tunnel leben.

Von Dorp bis Vohwinkel

Nach 488 Meter Tunnel wird die Trasse schmaler. Ich radele vorbei an zwei renaturierten Mülldeponien. Schleichend werden sie von der Natur zurückerobert. Kurz vor dem Bahnhof Varresbeck entsteht eine Calisthenics-Anlage, sportliche Trimm-Dich-Stationen unter freiem Himmel. Am Ende der Nordbahntrasse wartet schon Roderich Trapp auf seinem Fahrrad und mit genug Energie für die nächste Etappe.

Die Rundschau-Radrunde