| 23.59 Uhr

Interview mit Wupperpate Elmar Weber
Justin Bi(e)ber lebt in Beyenburg

Interview mit Wupperpate Elmar Weber: Justin Bi(e)ber lebt in Beyenburg
Biber Justin ist, anders als sein Namenspate, eher publikumsscheu und zeigt sich nur im Dunkeln und in der Dämmerung: Hier das einzige Bild von ihm, das es momentan gibt! FOTO: Steinberg
Wuppertal. "Du bist aber fett, Mann", sagte Elmar Weber zu Biber Justin, als er ihn das erste Mal traf. Daraufhin knallte Justin seinen großen Biberschwanz empört auf die Wasseroberfläche. Die Geschichte einer ungewöhnlichen Entdeckung. Von Hannah Florian

Rundschau: Herr Weber, sie sind der Entdecker des Wupper-Bibers Justin. Wie kam es dazu?

Weber: Als ich im März letzten Jahres das erste Mal in Beyenburg angeln war, sah ich aus den Augenwinkeln etwas angeschwommen kommen. Ich dachte erst, es wäre ein Bisam, die kommen in der Wupper ja häufig vor. Aber das Tier hatte einen riesigen Kopf und als ich ihm sagte "Du bist aber fett, Mann", hat es sich erschrocken und schlug mit seinem Schwanz knallend auf die Wasseroberfläche. Da dachte ich, dass kann nur ein Biber sein.

Rundschau: Sie haben sich dann an Experten gewandt, doch niemand hat Ihnen geglaubt. Was haben Sie getan, um von Ihrer Entdeckung zu überzeugen?

Weber: Alle haben sich über mich lustig gemacht und es für einen Aprilscherz gehalten. Mein Bruder ist Biologe und hat mir vorgeschlagen, Beweise zu sammeln. Das habe ich dann auch getan und viele angenagte Bäume gefunden. Ein Tierfilmer hat es dann sogar geschafft, mit einer Infrarot-Kamera eine Aufnahme von Justin zu machen.

Rundschau: Daraufhin haben Sie dem Wupper-Biber Justin einen recht populären Namen gegeben. Sind sie ein Fan des Popstars Justin Bieber?

Weber: Nein ich bin kein Fan, aber ich höre regelmäßig Radio und kenne seine Musik – und ich fand die Namensähnlichkeit lustig. Außerdem wurde erst vermutet, dass Justin vielleicht ausgesetzt oder aus dem Zoo entflohen ist. Die Biber im Zoo sind oft kanadische Biber – und Justin Bieber ist auch Kanadier. Um seine Herkunft zu prüfen, soll ich Justin jetzt übrigens eine Haarprobe entnehmen.

Elmar Weber, der für den Verein „Neue Ufer Wuppertal“ auch Führungen durchführt, hat den Biber beim Angeln entdeckt. FOTO: Weber

Rundschau: Wie wollen Sie denn an Justins Haare kommen?

Weber: Da er sie mir sicher nicht freiwillig gibt, habe ich Stacheldraht einige Zentimeter über dem Boden gespannt, daran kann Justin sich reiben und ein paar Härchen zurücklassen. Die sammle ich regelmäßig ein.

Rundschau: Wieso hat sich Biber Justin eigentlich ausgerechnet Beyenburg als neues Domizil ausgesucht?

Weber: In Leverkusen wurden bereits vor drei Jahren erste Biberspuren gesichtet. Die Biberjungen werden allerdings nach spätestens drei Jahren von ihren Familien verstoßen und müssen sich ein neues Zuhause suchen. Justin und seine Freundin entschieden sich anscheinend für Wuppertal, schließlich eignen sich die Naturschutzgebiete rund um Beyenburg hervorragend für Biber.

Rundschau: Justin Biber hat also eine Freundin?

Weber: Zumindest gibt es noch einen zweiten Biber in Beyenburg. Beim Wupperputz im letzten Jahr haben Jugendliche Biberspuren gemeldet, acht Kilometer entfernt von denen, die ich gefunden habe.

Rundschau: Verraten Sie uns auch den Namen von Justins Freundin? Heißt sie zufällig Selena?

Weber: Das wäre eine gute Idee. Aber bisher hat sie noch keinen Namen, wir wissen ja auch noch nicht, ob die Biber weiblich oder männlich sind. Mit Glück können sie sich paaren und wir bekommen Biber-Nachwuchs in Wuppertal.

Rundschau: Aber Justin ist nach Ihrer Aussage ja fett, vielleicht hat Selena gar kein Interesse an ihm.

Weber: Ich würde vermuten, Justin ist sicher über 20 Kilogramm schwer, also schon ein recht ordentlicher Kerl. Er wird ja nur maximal einen Meter groß. Aber für einen Biber ist das normal, die können bis zu 30 Kilogramm schwer werden.

Rundschau: Ist es eine gute Nachricht, dass Justin und Selena jetzt in Beyenburg leben, oder ist der Biber schädlich für die Wupper?

Weber: Nein, er ist eher eine Bereicherung für die Natur. Vor rund 150 Jahren hat man den Biber ausgerottet, weil man dachte, dass er Fische essen würde und mit seinen Löchern die Ufer zum Einstürzen bringt, dabei isst Justin am liebsten Weiden und baut nur Biberburgen, wenn das Wasser nicht tief genug ist zum Tauchen. Die Stauseen eignen sich aber hervorragend für Biber.

Rundschau: Tritt Justin oft vor Publikum auf oder muss man Glück haben, ihn zu sehen?

Weber: Biber sind nachtaktiv. Mit Glück kann man Justin also in der Morgendämmerung oder abends sehen. Tagsüber schläft er oder versteckt sich.

Rundschau: Also ist Justin eher scheu?

Weber: Das schon, aber mich wundert, dass Justin und seine Freundin offensichtlich auf ihrem Weg nach Beyenburg einmal quer durchs Stadtgebiet die Wupper hoch gewandert sein müssen. Das ist schon lustig, wenn man sich vorstellt, dass gerade in Elberfeld und Barmen die ganze Zeit die Schwebebahn über sie hinweg gefahren sein muss.

Rundschau: Waren Sie schon immer ein Biber-Experte?

Weber: Nein, ich muss zugeben, dass erst Justin mein Biber-Interesse geweckt hat.