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9. Tag im Springmann-Prozess
Strom, Gas und viele offene Fragen

9. Tag im Springmann-Prozess: Strom, Gas und viele offene Fragen
Der mitangeklagte Geschäftspartner und seine Verteidiger am ersten Verhandlungstag. FOTO: Holger Battefeld
Wuppertal. Dass es in diesem Prozess zwei Angeklagte gibt, war in den vergangenen Verhandlungstagen schon beinahe zur Nebensache geraten. Bislang im Fokus: der Enkel von Christa und Enno Springmann, dem die Anklage den Mord an den Großeltern vorwirft. Nun allerdings gelangte mit Details zu dessen Firma auch der mitangeklagte Geschäftspartner in den Mittelpunkt diverser Zeugenaussagen. Von Sabine Maguire und Mikko Schümmelfeder

Und es wurde gleich schon ziemlich deftig. Als Vertriebsleiter soll der 45-Jährige mit monatlich 8.000 Euro auf der Gehaltsliste gestanden haben. Dazu noch ein BMW, der mit einer Leasingrate von mehr als 1.000 Euro ordentlich zu Buche schlug. Wofür? Das konnte der als Zeuge geladene Diplomkaufmann, der eigentlich frischen Wind in die augenscheinlich vor sich hin dümpelnde Strom- und Gasfirma bringen sollte, auch nicht so genau sagen. Bei der polizeilichen Vernehmung hatte er sich noch dahingehend geäußert, dass man den Angeklagten habe "durchfüttern" müssen. Eine etwas freundlichere Version der Geschichte las sich damals so: "Er hat sein Angestelltenverhältnis missbräuchlich ausgenutzt."

Der Zeuge selbst war vom Enkel der Springmanns auf Honorarbasis engagiert worden, um einen Businessplan zu erstellen. Üblicherweise braucht man für so etwas einen Überblick über Kosten und Umsätze eines Unternehmens. Den allerdings gewährte man dem Zeugen offenbar nicht. Auf welcher Basis er den Plan den nun erstellt habe, wollte das Gericht wissen. Eine Frage, die im Diffusen versandete. Kopfschütteln auf der Richterbank und bei den Zuhörern – das allerdings kam an diesem Verhandlungstag noch häufiger vor.

Symbolbild. FOTO: Redaktion

Was genau machte diese Strom- und Gasfirma überhaupt, deren Geschäftsführung der Enkelsohn von Christa und Enno Springmann inne hatte? Bis zum Herbst 2016 offenbar nicht viel –  bis man besagten Diplomkaufmann damit beauftragt hatte, Schwung in die Sache zu bringen. Der kam dann auch mit einem lukrativen Kooperationspartner: der "Rheinenergie", einem regionalen Energieversorgungsunternehmen mit Firmensitz in Köln. Vermutlich hatte man auch dort einen Businessplan vorlegen müssen – und das mit Zahlen, die einen seriösen Geschäftspartner nicht gleich verschrecken.

Los ging's mit Schulungen der Mitarbeiter, die fortan quasi als "Haustürgeschäft" ihre potenziellen Kunden dazu bewegen sollten, neue Strom- und Gasverträge abzuschließen. Dafür gab's für jeden im "Team" für 100 Stunden im Monat 880 Euro brutto und für jeden abgeschlossenen Vertrag noch mal 70 Euro obendrauf. "Wir lagen nach zwei Monaten gut im Rennen", ließ der Zeuge das Gericht wissen. Das galt allerdings nur für den Süden Deutschlands, während im Norden alles vor sich hin dümpelte und man die abgeschlossenen Verträge an einer Hand habe abzählen können.

Dort als Vertriebsleiter zuständig: der "durchgefütterte" Geschäftspartner von Benjamin S., den man eigentlich habe kündigen wollen. Das allerdings habe der Enkel der Springmanns nicht machen wollen und nach dem Mord an den Großeltern sei der ohnehin nicht mehr belastbar gewesen. Mit dessen Stiefbruder als neuem Geschäftsführer und bei gemeinsamen Cafebesuchen schossen die Legenden dann offenbar ins Kraut. "Er soll Kontakte ins Milieu und zu einem Türken haben, der mit der organisierten Kriminalität verbandelt ist", ließ der Zeuge das Gericht wissen, was damals über den mitangeklagten Geschäftspartner von Benjamin S. so erzählt wurde.

Und damit nicht genug: Der Türke soll den Sohn der Eheleute Springmann und auch dessen türkische Lebensgefährtin gekannt haben. Mehr war von diesem Zeugen nicht zu erfahren – vermutlich auch, weil die Firma nach dem Mord an Christa und Enno Springmann quasi über Nacht in finanzielle Schieflage geraten war.

Die "Rheinenergie" hatte fristlos alle Verträge gekündigt, weil dort angeblich eine systematische Vertragsfälschung aufgefallen sein soll. Ein neuer Kooperationspartner war nicht lukrativ und irgendwann standen die Außendienstler an der Zapfsäule und mussten den Sprit aus eigener Tasche bezahlen, weil die Tankkarten der Firma gesperrt worden waren.