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Wuppertaler Jobcenter
Langzeitarbeitslose: "Müssen intensiver fördern"

Wuppertaler Jobcenter: Langzeitarbeitslose: "Müssen intensiver fördern"
Jobcenter-Vorstandsmitglied Andreas Kletzander setzt auf (bundes-)politischen Rückenwind, wenn es um Menschen geht, die schon jahrelang arbeitslos sind. FOTO: Bube
Wuppertal. Trotz guter Vermittlungsquoten des Wuppertaler Jobcenters geht die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt (noch) an denen vorbei, die bereits länger als vier Jahre arbeitslos sind. Von Manfred Bube

Vor Wochen kritisierte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Wuppertal, dass im zurückliegenden Jahr 3,4 Prozent weniger Langzeitarbeitslose auf den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden konnten – und forderte ein "beherztes Aktionsprogramm des Bundes", um bessere Perspektiven zu schaffen.

Andreas Kletzander vom Vorstand des Jobcenters betrachtet die Angelegenheit differenzierter: "Der DGB beruft sich auf die Arbeitslosenstatistik. Die bildet nur einen Teil der Realität von Arbeitslosen ab. Entsprechend operieren wir mit der Zahl der erwerbsfähigen Leistungsbezieher nach Sozialgesetzbuch 2."

Zur Verdeutlichung: Ende 2017 waren offiziell 11.654 Wuppertaler arbeitslos gemeldet, während das Jobcenter für 34.492 erwerbslose Leistungsbezieher aktiv wurde. Kletzander: "Und das mit Erfolg. Insgesamt konnten wir im vergangenen Jahr aufgrund boomender Wirtschaft und wirksamer Fördermaßnahmen 6.472 Personen in einen sozialversicherungspflichtigen Job bringen, darunter 3.293 Langzeitarbeitslose."

Was nicht im Widerspruch zur Äußerung des DGB steht. Andreas Kletzander zur Rundschau: "Arbeitssuchende, die sich in einem Qualifizierungsprojekt befinden, fallen aus der Arbeitslosenstatistik heraus. Unser Job ist es, erwerbsfähige Leistungsbezieher unter Berücksichtigung ihrer Lebenssituation fit zu machen für den ersten Arbeitsmarkt. Das lässt sich aber nicht immer in den zwölf Monaten realisieren, die in der Arbeitslosenstatistik als Maß für Langzeitarbeitslosigkeit gelten."

Das Jobcenter-Vorstandsmitglied rechnet vor: "Wenn wir also im fraglichen Zeitraum und durch neue Mitbürger bedingt, bei zunehmender Zahl an Leistungsempfängern gegenüber dem Vorjahr rund 35 Personen weniger weder vermitteln, noch in einer Maßnahme unterbringen konnten, sind wir bei besagten 3,4 Prozent."

Fürs Jobcenter fällt das nicht wirklich ins Gewicht – Kletzander findet aber, dass die Anregung des DGB trotzdem durchaus Sinn macht: Bei denen, die länger als vier Jahre arbeitslos sind. Das sind seit 2012 etwa durchgehend 15.500 Männer und Frauen.

Andreas Kletzander: "Diese Menschen brauchen eine tiefgreifendere Vorbereitung auf dem Weg zurück zum Arbeitsmarkt. Hier müssen wir künftig noch intensiver und effektiver fördern. Dazu brauchen wir, wie vom DGB gefordert, den entsprechenden finanziellen und politischen Rückenwind vom Bund."

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