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Großbaumaßnahme
L419-Ausbau: Eine Bestandsaufnahme

Großbaumaßnahme: L419-Ausbau: Eine Bestandsaufnahme
Der Ausbau der L 419 beginnt am Ende des Überfliegers. Das stauträchtige „Nadelöhr“ Lichtscheider Kreuz ist dagegen nicht Bestandteil der Landesplanung. Es könnte aber durch zweispurige Verkehrsführung „ertüchtigt“ werden, weil der Haltepunkt Lichtscheid-Wasserturm entfällt. FOTO: Conrads
Wuppertal. Seit den 1960er Jahren wird über die Südtangente des Autobahnrings um Wuppertal diskutiert. 50 Jahre später geht das Projekt in die entscheidende Phase. Seit Donnerstag (9. November 2017) liegen die Pläne für den ersten Ausbau-Abschnitt der L419 zwischen Lichtscheid und Blombach offen. Rundschau-Autor Klaus-Günther Conrads erklärt den aktuellen Stand. Von Klaus-Günther Conrads

Bis 7. Dezember läuft die Offenlegung zum Planfeststellungsverfahren für den ersten, 2,4 Kilometer langen Bauabschnittes vom Lichtscheider Kreisel/Oberbergische Straße (Überfliegerende) bis 650 Meter östlich Erbschlö. Kosten: 53 Millionen Euro. Damit wird die Gesamtmaßnahme dokumentiert und werden Befürchtungen zerstreut, der zweite Bauabschnitt (Kosten 56,5 Millionen Euro), dann in Verantwortung des Bundes, könnte nicht realisiert werden. Es geht bei dem Lückenschluss insgesamt also um fast 110 Millionen Euro.

Begründet wird die Notwendigkeit der Maßnahme damit, dass die Kapazitätsgrenze der zweispurigen Parkstraße überschritten sei. 2013 wurden auf dem Teilstück Lichtscheid-Staubenthal 39.600 Autos in 24 Stunden gezählt, im Abschnitt Staubenthal-Erbschlö 22.600 Fahrzeuge. Das Aufkommen soll sich bis nach 2025 Verdoppeln. Von einem "unbefriedigenden Verkehrsablauf" ist heute die Rede.

Die Planer wollen mit dem in Lichtscheid beginnenden vierstreifigen Ausbau leistungsfähige Knotenpunkte schaffen und den Verkehrsfluss verbessern: attraktive Anbindung von vorhandenen und geplanten Gewerbegebieten, städtebaulich verträgliche Einbindung in das Umfeld und Entlastung der innerstädtischen Verkehre sind die Ziele. Heute fahren viele Berufspendler von Lichtscheid Richtung Ennepe-Ruhr-Kreis durch Heckinghausen und Oberbarmen.

Die neue, zwischen 24 und 26 Meter breite Parkstraße wird rund zwei Meter tiefer gelegt und um bis zu zwölf Meter von der Bebauung am Knoten Staubenthaler Straße (L 417) abgerückt. Im Bereich der Wohngebiete gibt es sieben Meter hohe Lärmschutzwände. Staubenthaler und Erbschlöer Straße werden kreuzungsfrei unter der L 419 hergeführt. Eine Parkbrücke verbindet die Ronsdorfer Anlagen und das Erholungsgebiet Scharpenacken. Nach dem zweiten Bauabschnitt wird die Blombachtalbrücke herabgestuft, die Durchfahrt Jägerhaus/Linde (L 58) entlastet.

Der Bauleitplan bestätigt, dass das hohe Verkehrsaufkommen entlang der L 419 zu Zerschneidungseffekten sowie Schadstoff- und Lärmimmissionen mit negativen Auswirkungen auf Menschen und Tiere führt. Vor diesem Hintergrund fordert die Bürgerinitiative "Keine Autobahn durch Ronsdorf", die gegenwärtig Einwände und Klagen prüft, einen umweltfreundlichen, zeitgemäßen Tunnel für den Fernverkehr und oberirdischen Nah- und Erschließungsverkehr. Diese Lösung wurde bekanntlich von den Trägern aus finanziellen Gründen verworfen. Selbst Vertiefungen von drei und sechs Metern hätten bis zu acht Millionen Euro Mehrkosten verursacht und beim Bau Anwohner höher belastet.

Die durch das Projekt neu versiegelte Fläche ist rund zehn Hektar groß. Es gehen Waldflächen und Einzelbäume mit landschaftsprägender Wirkung verloren. Die fast zwölf Hektar großen Ersatz- und Ausgleichsflächen befinden sich fast ausschließlich im Wuppertaler Stadtgebiet.

Busse sollen künftig ab Erbschlö über Am Schmalenhof zum Generaloberst-Hoepner-Ring auf einer eigenen Erschließungsstraße fahren, die nicht für den Individualverkehr geöffnet ist. Die Staubenthaler Straße erhält nördlich der Unterführung der L 419, an der Heinz-Fangman-Straße, einen ÖPNV-Knoten, mit Weiterführung Richtung Gewerbe- und Wohngebiet. Entlang der Parkstraße gibt es einen durchgehenden Geh- und Radweg.

Als Ersatz für den Wegfall von Stellplätzen vor dem Sportplatz des TSV Ronsdorf werden im Bereich der Bus-Trasse 15 neue PKW-Parkplätze geschaffen. Das wurde bereits vor Monaten im Sportausschuss als nicht ausreichend kritisiert.

Der Ausbau erfolgt "im laufenden Verkehr", der über eine Fahrspur je Fahrtrichtung geführt werden soll. Der Forderung der Kritiker und Gegner der Ausbauplanung, den Bereich des Lichtscheider Kreuzes einzuschließen, vor allem beim Lärmschutz, folgt der Landesbetrieb Straßen.NRW nicht, weil damit "eine neue Baustelle eröffnet würde", für die es keinen politischen Auftrag gibt.

Dass der für 2019 geplante Ausbaubeginn der L 419, mit Dringlichkeitsstufe 1 im Landesstraßenbedarfsplan ausgewiesen, in die Zeit der Grundsanierung der A 46 mit Brückenneubauten und Ausbau des Kreuzes Wuppertal-Nord fällt, ist eine planerische Katastrophe, wie sie Wuppertal aus den vergangenen Jahren bekannt ist. Üblicherweise baut man zunächst die Ausweichmöglichkeit, bevor zwei Staustrecken erzeugt werden.