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WSW und AWG ziehen Unwetter-Bilanz
"Kein Kanalsystem dafür ausgelegt"

WSW und AWG ziehen Unwetter-Bilanz: "Kein Kanalsystem dafür ausgelegt"
Das Gerüst, das gesichert werden musste. FOTO: WSW
Wuppertal. Am Dienstag (29. Mai 2018) erlebte Wuppertal ein 90-minütiges Unwetter, wie es in der Geschichte der meteorologischen Aufzeichnungen der Stadt noch nicht vorgekommen ist. Die Wuppertaler Stadtwerke haben am Freitag eine erste Bilanz gezogen

Das Epizentrum des Starkregens lag auf der Hardt. Hier gingen am Dienstagnachmittag zwischen 14.30 und 16 Uhr rund 100 Liter Regen pro Quadratmeter nieder. Insgesamt fielen im Wuppertaler Stadtgebiet nach überschlägigen Berechnungen in den anderthalb Stunden mindestens fünf Milliarden Liter Regenwasser, davon mehr als die Hälfte in den Bezirken Barmen und Elberfeld. Das entspricht der Trinkwassermenge, die alle Wuppertaler Bürger, Gewerbe und Industrie in knapp drei Monaten verbrauchen.

"Das Außergewöhnliche und Beispiellose ist das Zusammenspiel von Zeitdauer und Intensität der Niederschläge", ordnet Andreas Feicht, Vorstandsvorsitzender der WSW Wuppertaler Stadtwerke GmbH, das Unwetterereignis ein. "Kein Kanalsystem in Deutschland ist für ein solches Starkregenereignis ausgelegt."

Die Wassermassen fluteten in Minuten die Kanalisation und flossen dann über die Straßen Richtung Tal. Hier bildeten sich Sturzbäche und Seen. Rund 20 Trafostationen standen unter Wasser, dabei kam es vielfach zu Kurzschlüssen. Der Verkehr kam zum Erliegen, Keller liefen voll und in zahlreichen Trafostationen gab es Kurzschlüsse, so dass die Stromversorgung unterbrochen wurde.

Die WSW standen an diesem Tag vor gewaltigen Herausforderungen. Regenwassereinläufe waren hundertfach durch Laub und Geäst verstopft, die das Gewitter von den Bäumen gerissen hatte. Der Kanalbetrieb der WSW mobilisierte alle verfügbaren Mitarbeiter und war bis Mittwoch früh mit Reinigungs- und Absicherungsarbeiten beschäftigt. Die Wassermassen hatten zahlreiche Kanalabdeckungen nach oben gedrückt. An anderen Stellen sprengten Hagel und Starkregen den Asphalt um die Kanalabdeckungen förmlich weg. Der Busverkehr kam gegen 15.30 Uhr in Barmen und Elberfeld zum Erliegen.

Auch die Schwebebahn musste kapitulieren.  Das in den Aufzeichnungen des Wupperverbandes und der Geschichte der Schwebebahn einmalige Hochwasser der Wupper und Treibgut sorgten für Gefahr im Verzug. Der Flusspegel stieg innerhalb kürzester Zeit um zwei Meter. In der Nacht zu Mittwoch wurden alle Fundamentstützen kontrolliert. Am Mittwochmorgen konnte der Betrieb der Schwebebahn wieder aufgenommen werden.

Gravierend waren die Auswirkungen auch in der Stromversorgung. Von zeitweiligen Stromausfällen und Abschaltungen aufgrund von Feuerwehreinsätzen waren mehrere tausend Bürger, aber auch Unternehmen und das Rathaus Barmen betroffen. Die durch das Hochwasser zerstörten Trafos werden in den kommenden zehn Tagen ersetzt, um eine redundante Stromversorgung wieder sicherzustellen. Störungen gab es vor allem in den Stationen im Tal, so auch am Haspel, am Wall und in der Auer Schulstraße.

Während sich die Dauer der technisch bedingten Stromausfälle meist in Grenzen hielt, kam es bei Feuerwehreinsätzen mehrfach zu stundenlangen Abschaltungen. Dies war in einzelnen Straßenzügen unumgänglich. "Bevor die Feuerwehr abpumpen kann, müssen wir die Räume spannungsfrei schalten, sonst droht den Rettungskräften Stromschlaggefahr", erläutert Dr. Dirk Aschenbrenner von der WSW Netz GmbH. Erst wenn die Räume trocken und die elektrischen Anlagen überprüft worden sind, wird der Strom wieder eingeschaltet. Mit dem Auspumpen von Kellerräumen war die Feuerwehr auch einen Tag nach dem großen Regen noch beschäftigt. "Auch wir erhielten noch am Mittwoch und Donnerstag zahlreiche Anrufe", berichtet der Netzingenieur.

Über die möglichen Gefahren durch Stromschläge in überfluteten Kellerräumen haben die WSW die Bevölkerung am Dienstag umgehend über die Internetangebote der Lokalmedien, die Sozialen Medien und den Hörfunk informiert. Andreas Feicht bedankt sich im Namen der Stadtwerke persönlich bei den Medienvertretern und den Bürgern: "Wir gehen davon aus, dass durch die Arbeit der Journalisten und die Umsicht der Wuppertalerinnen und Wuppertal am Dienstag größere Unfälle verhindert werden konnten - für Ihre Unterstützung an dieser Stelle ein großer Dank."

Mit den Folgen der heftigen Regenfälle werden die Stadtwerke noch eine Weile beschäftigt sein. "Alle ursprünglich geplanten Arbeiten für die nächsten Wochen im Stromnetz haben wir aktuell ausgesetzt, um die zunächst dringendsten Reparaturen zu erledigen", sagt Feicht.

Um schnellstmöglich die Stadt wieder aufzuräumen, haben AWG, WSW und die lokalen Medien Radio Wuppertal, Westdeutsche Zeitung und Wuppertaler Rundschau die Aktion "Wuppertal räumt auf" ins Leben gerufen. AWG-Geschäftsführer Martin Bickenbach: "Noch Dienstagabend erreichten mich Anrufe aus ganz NRW mit Hilfsangeboten. Durch Wasser überflutete Keller müssen in vielen Fällen leergeräumt werden, um Gestank und Fäulnis zu verhindern."

Die AWG geht nach ersten Schätzungen von einigen Tausend betroffenen Haushalten aus, so Bickenbach: "Gemeinsam mit Kollegen aus Münster, Herne, Bochum und Remscheid werden wir ab morgen, Samstag den Sperrmüll abfahren. Die Sperrmüllfahrzeuge werden auch am Sonntag unterwegs sein." In acht bis zehn Tagen sollte der zusätzliche Sperrmüll vollständig abgefahren sein.

Die Rundschau-Radrunde