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GEW schlägt Alarm
Inklusion in Gefahr

GEW schlägt Alarm: Inklusion in Gefahr
Helga Krüger von der Lehrer-Gewerkschaft GEW. FOTO: Turek
Wuppertal. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) veröffentlicht eine Pressemitteilung, in der auf die massiven Stundenkürzungen von Sozialpädagogen an Wuppertaler Schulen verweist. Das führe dazu, dass die Schulen weniger Kinder aufnehmen können, die zusätzliche Betreuung benötigen.  

 

In ihrer Pressemitteilung fordert die GEW dringend Sofortmaßnahmen: "Die Situation vor allem an weiterführenden Schulen ist dramatisch. Scheibchenweise sickert durch, dass die Schulaufsicht eine massive Kürzung der Stundenkontingente der Sonderpädagogen verfügen wird. Eine Kurzumfrage der GEW in den Wuppertaler Schulen bestätigt das.

So soll z. B. für die Gesamtschule Langerfeld die Besetzung mit Sonderpädagogen auf 37,8% der erforderlichen Lehrerwochenstunden gekürzt werden, d.h. von den einmal zugesagten 125 Lehrerstunden bleiben nur noch 47 Stunden übrig. Schulkonferenz und Schulpflegschaft haben deshalb bereits schriftlich gegenüber dem Schulträger erklärt, dass sie sich unter diesen Bedingungen außerstande sehen, die Aufgaben einer Inklusion verantwortungsvoll wahrzunehmen. Die Schule könne deshalb zum neuen Schuljahr keine weiteren 12 Schüler aufnehmen.

Gleiches berichtet die Gesamtschule Uellendahl-Katernberg, auch dort eine Kürzung um fast 50% der jetzt schon viel zu knappen Ressourcen. Hat die Schule aktuell für 57 Schüler 109 Stunden zur Verfügung (auch das war nur 80% dessen, was der Schule zugesagt wurde), soll sie im kommenden Schuljahr 72 Kinder mit nur 69 Stunden sonderpädagogisch betreuen. Gleiches gilt für die Hauptschule Wichlinghausen (Kürzung um mehr als 50%) und für weitere Haupt- und Realschulen.

"Das ist eine bildungspolitischen Katastrophe", bringt es Richard Voß vom Leitungsteam der GEW Wuppertal auf den Punkt. "Der Mangel an Sonderpädagogen ist seit Jahren bekannt. Doch neben langfristigen wirkungsvollen Maßnahmen müssen jetzt unmittelbar Notmaßnahmen erfolgen, sonst droht das Chaos!"

Bisher wurde dieses Defizit gleichmäßig auf Förderschulen und Regelschulen der Sekundarschule I verteilt. Das soll jetzt offenbar zu Lasten der Regelschulen aufgegeben werden. "So kann man mit den Schulen und den betroffenen Kindern nicht umgehen, hier muss nachgesteuert werden!" fordert Richard Voß. "Keiner kann für das nächste Schuljahr Sonderpädagogen herzaubern, aber die inklusiv arbeitenden Schulen mit einer 40% Besetzung allein zu lassen, kann keine Lösung sein."

Neben einer gleichmäßigeren Verteilung des Mangels sind kurzfristige Notmaßnahmen unverzichtbar. In erster Linie ist das Land gefragt. Es spart zurzeit Millionen ein, weil tausende Lehrerstellen landesweit nicht besetzt sind. Dieses Geld muss jetzt in die Hand genommen werden, um Fachkräfte mit anderer pädagogischer oder sozialpädagogischer Ausbildung zusätzlich in den Schulen einzusetzen. "Hier kann die neue Regierung mal zeigen, dass sie unbürokratisch in der Lage ist, dieser Notsituation in den nächsten Wochen zu begegnen. Bewerber*innen stehen für solch eine Aktion nach unserer Kenntnis ausreichend zur Verfügung. Mit Ankündigungen in Eckpunkten, in den nächsten Jahren alles besser zu machen, kann es nicht getan sein!" ergänzt Helga Krüger, Leitungsteam der GEW.

Mit solchen Maßnahmen kann man auch die Grundschulen unterstützen, die ebenfalls mit dem Mangel kämpfen. 13 Stellen für Sonderpädagogen wurden für das neue Schuljahr in Wuppertal ausgeschrieben, keine wurde besetzt! Hinzu kommen mindestens 40 fehlende Grundschullehrkräfte. 23 neue Stellen für sozialpädagogische Kräfte in der Schuleingangsphase sind gerade neu eingerichtet worden, das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Dieses Kontingent kann leicht verdoppelt oder verdreifacht werden. Das hilft, die Unterrichtssituation zu verbessern.

Auch die Stadt Wuppertal muss etwas tun. Sie hat die Stellen der Integrationshelfer Jahr für Jahr prozentual zurück gefahren. Diese Stellen müssen schnellstens massiv ausgeweitet werden. Die Stadt muss dafür kämpfen, dass das Land sich an den Kosten beteiligt."

Die Rundschau-Radrunde