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Gestrichener Flug
Im Taxi aus Krakau ...

Gestrichener Flug: Im Taxi aus Krakau ...
Die sechs Damen aus der Eschen-Apotheke bei einer früheren Reise nach Budapest. Der aktuelle Kurz-Flugtrip nach Krakau endete mit weniger entspannten Momenten. FOTO: privat
Wuppertal. Durch massenhafte Verspätungen und Flugausfälle ist der Luftverkehr in Europa zuletzt in die Schlagzeilen geraten. Besonders krasses Beispiel: Der Kurztrip von Mitarbeiterinnen der Eschen-Apotheke auf dem Rott. Er endete nach der Stornierung des Rückflugs mit einer zwölfstündigen Fahrt im Taxi von Süd-Polen zurück in die Heimat. Von Joachim Macheroux

Gemeinsames Reisen stärkt das Betriebsklima. Unter diesem Motto gehen sechs Mitarbeiterinnen der Eschen-Apotheke regelmäßig auf Städtetour. Nach Berlin, Prag und Budapest fiel die Wahl 2018 auf Krakau, das "Paris an der Weichsel". Apothekerin Halina Kepa, gebürtige Polin, und Kollegin Andrea Fehlenberg kümmerten sich schon sechs Monate vorher um die Planung – und buchten den Rückflug nach Dortmund beim Billigflieger Ryanair für nicht unbedingt günstige 220 Euro je Ticket. "Uns blieb nichts anderes übrig", erinnert sich Andrea Fehlenberg an die komplizierte Suche nach der passenden Verbindung.

Immerhin: Krakau mit seinen Sehenswürdigkeiten wird der kleinen Wuppertaler Gruppe in bester Erinnerung bleiben, die Rückreise dagegen eher in unangenehmer. Ihre Maschine sollte um 18.50 Uhr von Krakau aus starten. Die zunächst angezeigten 30 Minuten Verspätung nahmen die Damen gelassen hin, das Flugzeug stand ja augenscheinlich bereit.

Aber: Ein Teil der Fluggäste war bereits auf dem Rückweg vom Check-in. Sätze wie "Das Flugzeug hat einen Motorschaden" und "Der Co-Pilot ist nicht erschienen" machten die Runde. Tatsächlich verteilte eine Mitarbeiterin der Fluggesellschaft am Einstieg Handzettel mit dem Hinweis, dass es weitere Auskünfte am Info-Schalter gebe. Ohne nähere Erläuterung erwies sich der Flug dort als gecancelt ...

"Ein Glück, dass meine Kollegin Halina perfekt Polnisch spricht", blickt Andrea Fehlenberg auf das zurück, was dann folgte. Immerhin war es Sonntagabend – und am Montag wurde die pharmazeutische Rotter Crew in der Eschen-Apotheke gebraucht. Erste Recherchen ergaben: Kein weiterer Flug von Krakau nach Deutschland am gleichen Abend, die nächste Flugverbindung nach Dortmund erst in drei Tagen und der Zug auch keine geeignete Alternative.

Und Mietwagen schieden auch aus: Keine der Mitreisenden hatte ihren Führerschein mitgenommen. Unerwartete Hilfe kam dann von einem Taxistand. Ein polnischer Fahrer hatte die Notsituation der Frauen offenbar erkannt und bot sein Großraumtaxi für die Heimreise an.

In bestem Polnisch handelte Halina Kepa den Preis von 900 Euro für die Fahrt von Krakau nach Dortmund aus – billiger als die Flugtickets. Die Kolleginnen zeigten sich deshalb zunächst ungläubig: "Der will uns veräppeln."

Das Auto wurde gleich mehrfach rund herum begutachtet. Ergebnis: Reifen und Lack in Ordnung, keine verdächtigen Motorengeräusche. Einstimmig fassten die Wuppertalerinnen daher den Beschluss, die längste Taxifahrt ihres Lebens anzutreten. Wenn auch mit sehr gemischten Gefühlen. Denn die vermeintlich beruhigende Antwort auf die Frage, wie lange der Fahrer vorher schon am Steuer gesessen habe, ließ sich natürlich nicht überprüfen ...

Daher beschloss man: "Halina muss vorne sitzen und den Fahrer kontrollieren." Während also fünf Damen auf der fast zwölf Stunden langen Fahrt über mehr als 1.000 Kilometer schlummern konnten, schaffte es die Apothekerin, den Taxifahrer so zu unterhalten, dass er es mit einigen Pausen sicher bis nach Dortmund schaffte.

Die Fluggesellschaft erstatte nachträglich den vollen Flugpreis. Quintessenz der Reise: Eine Taxifahrt von Krakau nach Deutschland kann billiger sein als ein Flug. Es empfehlen sich aber gute polnische Sprachkenntnisse ...