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Platz der Republik
"Hartz V" soll nicht spielen

Wuppertal. Ungläubiges Staunen in der Elberfelder Nordstadt: Beim Fest der vom Jobcenter bezahlten Stadtteilservices am kommenden Freitag auf dem Platz der Republik darf die örtliche Band "Hartz V" nicht auftreten. Begründung: Der Name eckt an.  Von Dirk Lotze

Gefeiert wird an diesem Tag das zehnjährige Bestehen der sechs Stadtteilservices. Seit 2007 unterstützen die Teams Privatleute in den jeweiligen Vierteln und informieren die Stadtreinigung ESW, wenn sich irgendwo Schmutz sammelt. Dem geplanten Auftritt von "Hartz V" wurde anscheinend das Zusammenspiel aus freien Trägern (AWO, Nachbarschaftsheim, Diakonie, Internationaler Bund IB, SKJ und Wichernhaus) und Geldgebern zum Verhängnis. "Unpassend" soll die Öffentlichkeitsarbeit des Jobcenters den Bandnamen genannt haben, berichten zwei Quellen unserer Zeitung. Man habe dann lieber auf die Musiker verzichtet, auch wenn deren Verstärkeranlage eigentlich für die Reden bei der Feier hätte genutzt werden können.

Der Vorstandsvorsitzende des Jobcenters, Thomas Lenz, erläuterte auf Anfrage: "Ich würde den Auftritt einer Band mit dem Namen 'Hartz V' für die betroffenen Langzeitarbeitslosen im Rahmen dieser Veranstaltung als nicht wertschätzend empfinden. Polemik ist hier aus meiner Sicht fehl am Platze." Denn um die Wertschätzung für die aktuellen und ehemaligen Mitarbeiter der Stadtteilservices gehe es eben bei der Feier. Sozialreferent Harald Thomé, engagiert im Vorstand des Erwerbslosenvereins Tacheles, kommentierte auf Anfrage: "'Nicht wertschätzend' ist in meinen Augen, wie das Jobcenter in vielen Fällen mit Leistungsberechtigten umgeht."

 "Hartz V" gibt es in wechselnden Besetzungen seit vielen Jahren. Gegründet wurde die Gruppe von zwei Wuppertalern, die zu der Zeit arbeitslos waren. " Die Band berichtet: "Der Name sollte zeigen, dass man noch sinnvoll existieren kann, auch wenn man ganz unten ist, also Hartz IV bekommt." Und: "Wir sind keine politische Band."