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Sperrung
Harte Zeiten für Pendler

Sperrung: Harte Zeiten für Pendler
Während der Oster- und Sommerferien geht am Wuppertaler Hauptbahnhof nichts mehr. Den Nahverkehr übernehmen Busse, der Fernverkehr wird über die Ruhrschiene umgeleitet. Oberbarmen ist während dieser Zeit der neue „Hauptbahnhof“. FOTO: Louisa Rohde
Wuppertal. Täglich rund 80.000 Fahrgäste sind betroffen, wenn die Bahn in den Oster- und Sommerferien Wuppertal komplett vom Schienennetz abkoppelt. Der Ersatzverkehr über die A46 ist eng gestrickt.

Die Bahn spricht von einer "Herkulesaufgabe", Oberbürgermeister Andreas Mucke nennt es vorsichtig eine "unkomfortable Situation" und Martin Husmann, Vorstandssprecher des Verkehrsverbundes Rhein Ruhr (VRR) streckt gleich die Waffen: "Dass es haken wird, davon bin ich überzeugt, alles andere wäre überraschend." Keine Frage, den Bahnfahrern aus und rund um Wuppertal verlangen die Oster- und die Sommerferien einiges ab. Dann nämlich koppelt die Bahn Wuppertal vollständig vom Bahnnetz ab, um ein neues elektronisches Stellwerk in Betrieb zu nehmen. Wie das Szenario genau aussehen wird und welche Alternativen es für Pendler gibt, das erklärten die Deutsche Bahn und der VRR in einer gemeinsamen Pressekonferenz im Barmer Rathaus.
Wann wird gesperrt? In den Osterferien von Freitag, 7. April, 22 Uhr, bis Montag, 24. April um 4 Uhr. In den Sommerferien von Sonntag, 16. Juli, 22 Uhr, bis Mittwoch, 30. August, 4 Uhr. 
Von Nicole Bolz

Was passiert: Eine 14 Kilometer lange Strecke zwischen Gruiten und Unterbarmen muss für das neue elektronische Stellwerk (ESTW) und weitere Arbeiten gesperrt werden. Der östlichste Bahnhof in Betrieb ist dann Wuppertal-Oberbarmen. Das neue ESTW soll die mechanischen Stellwerke Gruiten, Wuppertal Hauptbahnhof und Wuppertal Vohwinkel ersetzen. Außerdem werden in der Bauphase Gleise erneuert und die Modernisierungsarbeiten am Wuppertaler Hauptbahnhof fortgesetzt. Er wird unter anderem mit Aufzügen zu den Gleisen barrierefrei gemacht. 
Wie viele Fahrgäste sind betroffen? Die Bahn schätzt die Zahl der Fahrgäste, die die Strecke werktags befahren, auf rund 80.000. In den Ferien sei das Fahrgastaufkommen allerdings etwas geringer, heißt es.

Warum muss es überhaupt ein neues Stellwerk geben? Die Modernisierung sei unumgänglich, daran ließen die Verantwortlichen keinen Zweifel. Rund 50 Prozent aller Störungen bei der Bahn seien auf die veralterte Technik zurückzuführen. Das 32 Millionen Euro teure Stellwerk soll ab Ende August für einen reibungsloseren Zugverkehr sorgen. 

Wie sieht der Schienenersatzverkehr aus? Fernzüge werden über den gesamten Zeitraum über die Ruhrschiene umgeleitet. Ansonsten sollen Busse die Züge im Regional- und S-Bahn-Verkehr ersetzen. Zwischen Oberbarmen und Vohwinkel sollen Busse im Neun-Minuten-Takt fahren. In der Hauptverkehrszeit sollen für die Regionalbahnen pro Stunde vier Flotten von jeweils fünf Gelenkbussen zwischen Wuppertal und Düsseldorf – über die A 46 – verkehren. Allerdings verdoppelt sich die Fahrtzeit offiziell auf 40 Minuten. 

Ist das realistisch? Andreas Mucke hat da vor allem während der Hauptverkehrszeiten seine Zweifel. "Wir sind bereits auf die Arbeitgeber zugegangen und haben für die Zeit um Nachsicht mit den Mitarbeitern gebeten." Er empfiehlt in dem Zeitraum flexiblere Anfangszeiten oder ganze Homeoffice-Tage anzubieten. Selbst die Bahn findet diese Berechnung nicht haltbar. Man habe sich dabei auf die Durchschnittsfahrzeiten gestützt, nicht auf alle denkbaren Staus, so Christian Sasse von der DB Regio. Die Stadt will genau beobachten, wie es in den Osterferien läuft, um für den Sommer nachzubessern.

Mehr Zahlen? 387 Signale müssen während der Sperrzeiten aufgestellt, 98 Weichen an die neue Technik angeschlossen und 374.000 Meter Kabel verlegt werden. Der VRR gibt allein für Maßnahmen während der Sperrung an Ostern zwischen 1,45 und 1,5 Millionen Euro zusätzlich aus.