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Springmann-Prozess
"Er hat herzzerreißend geweint"

Springmann-Prozess: "Er hat herzzerreißend geweint"
Symbolbild. FOTO: Redaktion
Wuppertal. Der beste Kumpel ihres Freundes soll ein Mörder sein? Das konnte sich eine junge Zeugin, die gestern im Springmann-Prozess aussagte, so gar nicht vorstellen. "Ich weiß nicht, warum er dort sitzt", sagte die Frau, den Blick auf den des Mordes angeklagten Enkel von Christa und Enno Springmann gerichtet. Von Sabine Maguire und Mikko Schümmelfeder

Der wiederum sei ein guter Freund ihres Lebensgefährten, die beiden Männer hätten zusammen einen Autohandel aufmachen wollen. Ein 400-Quadratmeter-Grundstück mit Container in Vohwinkel habe man damals schon angemietet gehabt - und dann sei da diese Sache mit dem Mord der Großeltern gewesen. "Wir wollten ihn ablenken, aber er wirkte danach nur noch abwesend", erinnerte sich die Zeugin an die Zeit nach der Tat.

Erst Wochen später war der Verdacht auf den Enkel der Springmanns gefallen. Bis dahin hatte man sich mehrmals in der Woche getroffen und eigentlich sei alles ganz normal gewesen. Dass der nun angeklagte Kumpel ihres Freundes seine eigenen Großeltern umgebracht haben könnte? Der Gedanke sei ihr nach der Tat niemals gekommen. Im Gegenteil, der Angeklagte habe danach selbst Angst gehabt. Vor allem, nachdem man erfahren habe, das dessen nun mitangeklagter Geschäftspartner einige Wochen nach dem Doppelmord von einem Sondereinsatzkommando auf der Autobahn überwältigt worden war und man eine Waffe mit Schallschutz in dessen Auto gefunden hatte. Sollte nach den Großeltern jetzt etwa auch noch der Enkel der Springmanns "aus dem Weg geräumt" werden? Hörte man den Aussagen der Zeugin zu, so dürften die Verschwörungstheorien damals ins sprichwörtliche Kraut geschossen sein.

Auch der Sohn der Opfer, der als Nebenkläger und vertreten durch seinen Anwalt an dem Verfahren teilnimmt, war zwischenzeitlich ins Blickfeld vager Mutmaßungen geraten. "Die hatten kein gutes Verhältnis", ließ die Zeugin bei ihrer Aussage all das anklingen, was der Enkel der Springmanns zuvor über seinen eigenen Vater erzählt hatte. Der habe seinen Sohn angeblich von Detektiven im schwarzen VAN mit Wuppertaler Kennzeichen bis nach Griechenland verfolgen lassen, um zu wissen, was er mit seinem Geld anstelle und ob er überhaupt noch studiere. Das Maschinenbaustudium sei im Freundeskreis ohnehin kein Thema gewesen, darüber sei trotz nahezu täglicher Begegnungen nie gesprochen worden. Und irgendwie sei auch klar gewesen: Das vor Jahren begonnen Studium habe eigentlich gar nicht mehr stattgefunden.

Enno und Christa Springmann hätten davon jedoch nichts gewusst. Deren Enkelsohn habe davon nichts erzählen wollen – vor allem auch, weil er seinen Großeltern, die er sehr geliebt habe, die Enttäuschung habe ersparen wollen. Dass er deren Streitgespräche um Kleinigkeiten mit dem Handy gefilmt hatte, um sie per Whats App an seine Freunde zu verschicken? Und dass diese Aufnahmen nun auch noch öffentlich vor Gericht gezeigt wurden? Nun ja, dass dürfte dem Angeklagten nicht zur Ehre gereicht und dessen Verteidigern auch nicht gefallen haben.   

Die Frage des Richters danach, womit der Angeklagte aus Sicht seiner Freunde seinen aufwändigen Lebenswandel finanziert habe, beantwortete die Zeugin so: "Er hat Tischtennis im Verein gespielt und die Großeltern haben ihm Geld gegeben." Dass es nicht wenig gewesen sei, wusste man im Freundeskreis offenbar auch. Teure Autos, noble Schuhe, edle Klamotten: Das sei schon aufgefallen. Dazu habe der Enkel von Christa und Enno Springmann oft auch noch  die Rechnung für gemeinsame Restaurantbesuche bezahlt.

Er habe außerdem immer cool wirken wollen und nie Schwäche gezeigt – bis zum Tag nach der Tat, an dem er seinen Freund und dessen Lebensgefährtin darum  gebeten habe, ihn zur Vernehmung aufs Polizeipräsidium zu begleiten. Was sich dort abgespielt haben soll, passte nach Ansicht der Zeugin so gar nicht zum Bild eines vermeintlichen Mörders. "Er hat herzzerreißend geweint und ist in meinen Armen zusammengesackt. So habe ich ihn noch nie erlebt", sagte die Frau unter Tränen. Das bestätigte im Zeugenstand  auch deren Lebensgefährte, der dazu noch erzählte, dass man den Abend im März 2017, an dem das Ehepaar Springmann einem Gewaltverbrechen zu Opfer fiel, gemeinsam verbracht hatte. Nachdem der Enkel der Springmanns wie immer sonntags seine Großeltern besucht hatte, traf man irgendwann am späten Abend in dessen Wohnung ein, um gemeinsam einen Film zu gucken und Wasserpfeife zu rauchen. Alles sei wie immer gewesen.            

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