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Tanztheater weicht vor Demo der "Rechten"
"Ein Klima, dem wir Kinder nicht aussetzen wollen"

Tanztheater weicht vor Demo der "Rechten": "Ein Klima, dem wir Kinder nicht aussetzen wollen"
Adolphe Binder, Intendantin des Tanztheaters, sieht eine Fürsorgepflicht degenüber den Kindern und Jugendlichen des Projekts. Ein Verschieben der Präsentation war für sie daher unumgänglich. FOTO: Claudia Kempf
Wuppertal. Aus Fürsorge für Kinder und jugendliche Teilnehmer verschiebt das Tanztheater Pina Bausch den Abschluss für sein Jugendprojekt "tanz tanz ... wir". Auslöser ist, wie bereits berichtet, ein Umzug der Partei "Die Rechte" am kommenden Samstag (15. Juni 2018): Sie hätte den Veranstaltungsort am Haus der Jugend und auf dem Geschwister-Scholl-Platz in Barmen in weniger als 50 Metern Entfernung passiert. Den Entschluss der Veranstalter erläuterte die Intendantin des Tanztheaters, Adolphe Binder, gegenüber der Rundschau. Von Dirk Lotze

Binder sagte: "Wenn es sich um ein Projekt mit einer Gruppe Erwachsener handeln würde, hätte ich gesagt: Jetzt erst recht." So aber gehe es um um eine interkulturelle Gruppe von 350 Kindern und Jugendlichen unterschiedlichen Hintergrunds. Für die seien die Veranstalter in der Fürsorge- und Sorgfaltspflicht. Dazu gehöre auch, sie nicht politisch zu vereinnahmen. Binder: "Eine solche Demonstration umfasst Machtgesten und Parolen seitens der Beteiligten. Es wird ein großes, bewaffnetes Polizeiaufgebot geben, Abgrenzungen; es könnte eskalieren. Das ist ein Klima, dem wir Kinder und Jugendliche nicht aussetzen wollten. Wir wollen ja freie, kreative Räume gestalten." Es gehe um mehr als einen begrenzten, räumlichen Schutz. "An unserem Projekt sind Flüchtlinge beteiligt, deren Traumata getriggert werden könnten", fügte die Binder hinzu.

Das große Jugendprojekt "tanz tanz ... wir" ist Teil der Reihe Feuer & Flamme des Tanztheaters. Es macht Tanz, Musik und Kunst für Kinder und Jugendliche erlebbar, die unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft sind und aus allen Stadtteilen stammen. Künstler sensibilisieren die Teilnehmer für künstlerische Ausdrucks-, Bewegungs- und weitere Kunstformen.

Dem gegenüber kündigt die Partei "Die Rechte" ihren Umzug für Samstag zwischen Berliner Platz und Barmer Bahnhof unter dem Titel "Gemeinsam gegen Überfremdung und Sozialaufbau" an. Die Gruppe will mit schwarz-weiß-roten Fahnen antreten, entsprechend den Farben des Deutschen Reichs und Nazi-Deutschlands. Die Polizei hatte verfügt, dass sich der Umzug am Haus der Jugend auf die entfernteste Fahrspur der Bundesstraße beschränken muss und zu schweigen hat - zum Schutz des Tanzprojekts.

Dessen Abschluss ist auf Freitag, 15. Juni, 11 bis 19 Uhr, und Sonntag, 17. Juni, 11 bis 14 Uhr, verschoben. Ort ist - wie geplant - das Haus der Jugend und der Geschwister-Scholl-Platz. Für Besucher und Teilnehmer gibt es Installationen und Interaktionen, Workshops, Shows und Filmvorführungen.

 

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