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Interview mit Alvaro Bernal Martinez, Austauschschüler aus Mexiko
"Bei uns fahren die Bahnen unter der Erde"

Interview mit Alvaro Bernal Martinez, Austauschschüler aus Mexiko: "Bei uns fahren die Bahnen unter der Erde"
Das „Milia’s Coffee“ gefällt dem Austauschschüler aus Mexiko besonders gut. Hier trifft sich Alvaro gerne mit seiner Betreuerin Svenja Otto. FOTO: Wuppertaler Rundschau
Wuppertal. Im September kam der 17-jährige Schüler Alvaro Bernal Martinez mit der Austauschorganisation "Youth for Understanding" (YFU) aus seiner Heimat Mexiko nach Deutschland. Seit Dezember lebt er nun in Wuppertal und ist absolut begeistert von der regnerischen Stadt mit der Schwebebahn. Zum Interview kam er gemeinsam mit seiner YFU-Betreuerin Svenja Otto. Von Hannah Florian

Rundschau: Was begeistert Dich so an Wuppertal, dass Du unbedingt hier bleiben möchtest?

Alvaro: Ich mag das Wetter in Wuppertal und ich mag die Kälte. Bei mir zu Hause sind es jetzt 40 Grad und im Winter ist es so wie bei euch im Sommer. Ich habe hier meinen ersten Schnee erlebt und mit meiner Gastfamilie einen Schneemann gebaut. Auch die Menschen hier in Wuppertal sind sehr nett, in der Schule habe ich sofort Freunde gefunden. In Bielefeld hatte ich nur zwei Freunde.

Otto: Als mir Alvaro erzählt hat, dass er das Wetter in Wuppertal toll findet, musste ich schon lachen. Aber er hat hier auch direkt Anschluss gefunden und wurde von der Gesamtschule Barmen, die er hier besucht, freundlich aufgenommen.

Rundschau: Alvaro, die ersten Monate in Deutschland hast Du nicht in Wuppertal, sondern in Bielefeld gelebt. Warum bist Du dann nach Wuppertal gekommen?

Alvaro: In Bielefeld habe ich mich in meiner Gastfamilie nicht als Teil der Familie gefühlt, deshalb bin ich in eine Übergangsfamilie nach Wuppertal gezogen.

Otto: Die Familie hatte nicht sehr viel Zeit für Alvaro, er hat sich nicht wohl gefühlt. In solchen Fällen kommen die Schüler in Übergangsfamilien, bis wir eine neue Gastfamilie finden. Dass Alvaro nach Wuppertal gekommen ist, war Zufall, aber er hat sofort alles daran gesetzt, um hier bleiben zu können und hat sogar in der Schule und unter seinen Freunden Flyer verteilt, um eine neue Gastfamilie zu finden.

Rundschau: Seit ein paar Tagen steht fest, dass Du eine neue Gastfamilie in Unterbarmen gefunden hast und bis zum Ende deines Auslandsjahres in Wuppertal bleiben kannst. Bist Du erleichtert?

Alvaro: Ja, ich freue mich sehr. Ich wollte nicht schon wieder wechseln, und ich spiele hier in einer Basketballmannschaft, mit der ich drei Mal die Woche trainiere und bald auch in Spielen eingesetzt werde. Und ich finde es gut, immer mit der Schwebebahn zur Schule zu fahren. Bei uns fahren die Bahnen unter der Erde, nicht in der Luft. Mit der Schwebebahn ist es einfach, ich kann nicht in den falschen Zug einsteigen.

Rundschau: Was möchtest Du in Deinem Jahr in Deutschland noch unbedingt erleben?

Alvaro: Ich möchte noch in große Städte reisen wie Berlin, Münster und Köln. Im Februar fahre ich schon nach Hamburg. Und ich liebe Freizeitparks, ich war schon im "Phantasialand" und möchte noch den "Europapark" besuchen.

Rundschau: Frau Otto, was sind Ihre Aufgaben als Alvaros Betreuerin bei YFU?

Otto: Ich besuche die Familie zu Beginn des Aufenthalts, in der Mitte und gegebenenfalls am Ende. Alvaro und ich treffen uns auch mal so auf einen Kaffee, das ist aber nicht verpflichtend. Generell bin ich als Ansprechpartner bei Problemen erreichbar, sowohl für Alvaro als auch für die Gastfamilie. Zurzeit haben wir vier Austauschschüler von YFU in Wuppertal, 539 in ganz Deutschland. Ende Januar und Anfang Februar kommen zwei weitere Schüler aus Brasilien, für die wir noch Gastfamilien suchen.