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Wuppertal ab Samstag abgekoppelt
Bahnsperrung: Alternativen für Geduldige

Wuppertal ab Samstag abgekoppelt: Bahnsperrung: Alternativen für Geduldige
Rundschau-Autor Klaus-Günther Conrads auf Testfahrt in der bequemen S-Bahn 7 durch das Städtedreieck. FOTO: Conrads
Wuppertal. Von Samstag an ist Wuppertal zwei Wochen lang vom Schienennetz der Deutschen Bahn abgekoppelt. Den von der Bahn eingerichteten Bus-Ersatzverkehr Richtung Düsseldorf sehen viele Wuppertaler skeptisch. Rundschau-Mitarbeiter Klaus-Günther Conrads – seinerzeit Autor der beliebten Ausflugs-Serie "Raus mit Klaus" – hat zwei Alternativ-Routen auf Schienen getestet.

Es ist eine lange Zeit vergangen, als ich mich wandernd, laufend, radelnd und mit dem Auto auf unterschiedliche Wege gemacht habe. Doch die bevorstehende Abkoppelung Wuppertals westwärts bis Düsseldorf-Gerresheim vom Bahnverkehr in den Oster- und Sommerferien brachte mich auf die Idee, zum Schienenersatzverkehr einen alternativen Weg für rund 80.000 Kunden westwärts Richtung Düsseldorf und Köln (Solingen-Hauptbahnhof) zu suchen.

Es gibt zwei Routen, die bedenkenswert sind, sich aber an der normalen Fahrzeit mit der S 8 von Oberbarmen nach Düsseldorf von 41 Minuten messen lassen müssen. Aber zeitweise gibt es diesen schnellen Weg eben nicht. Stattdessen rollt der Schienenersatzverkehr zwischen Oberbarmen (Haltestelle Rauental in der Waldeckstraße) und Gerresheim, sowie nach Velbert-Langenberg im 20 bzw. 30-Minuten-Takt, sollen Schnellbusse ab Oberbarmen und Elberfeld stündlich Düsseldorf in 40 Minuten erreichen – auch im Berufsverkehr und wenn Kunden aufs eigene Auto umsteigen. Pro Stunde verkehrt der vom Busverkehr Rheinland (BVR) betriebene Schienenersatzverkehr viermal zwischen Wuppertal und Solingen.

Tour Nr. 1: Oberbarmen-Solingen-Düsseldorf
Meine Alternativ-Tour beginnt in Oberbarmen, Wuppertals vorübergehendem Tor zur Schienenwelt und vorübergehendem Hauptbahnhof. Ich setze mich in den Abellio-Triebwagen der S 7, die einst als "Müngstener" bekannt war. 45 Minuten braucht der moderne, werktags im 20-Minuten-Takt verkehrende Wagen bis Solingen-Ohligs. Wenn das Wetter nicht trübe wäre und viele Menschen morgens und abends nicht ihre Arbeit im Kopf haben müssten, könnte man von einer Tourismus-Linie sprechen.

Man lernt das Bergische Land als bergige, reizvolle Landschaft kennen: Wohnen in allen Variationen, einschließlich eines "Townships", aber auch weniger schöne "Rückseiten" von Remscheid und Solingen. Wuppertals unschöne Fronten entlang der Wupper lassen grüßen! Schließlich hat der Rückzug von Handwerk und Gewerbe überall Spuren hinterlassen.
Dazwischen fahre ich über die berühmte Müngstener Brücke, Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke, die nach dem Willen der Menschen in unserer Region Weltkulturerbe werden soll. Ich blicke auf Haus Müngsten und den Diederichstempel.

Pünktlich komme ich im Solinger Hauptbahnhof an. Auf dem Gleis gegenüber wartet schon die S 1, die mich in 22 Minuten zum Hauptbahnhof Düsseldorf bringt. Nach 73 Minuten bin ich am Ziel. Ob die Busse aus Oberbarmen im Berufsverkehr diese Fahrzeit toppen?

Wer sich von den Südhöhen auf den Weg macht, kann natürlich auch in Ronsdorf starten. Außerhalb des Berufsverkehrs gibt es in der S 7 viele freie Plätze, die bequemes, entspanntes Reisen ermöglichen.

Tour Nr. 2: Oberbarmen-Vohwinkel-Mettmann-Düsseldorf
Auch die zweite Route beginnt in Wuppertal-Oberbarmen. Die Fahrt von einem Ende der Schwebebahn zum anderen Ende in Vohwinkel dauert 35 Minuten. Als Kind wollte ich immer direkt hinter dem Fahrer sitzen – heute setze ich mich ans Panoramafenster und lasse den Fluss hinter mir.

Ein Bus der Linie 745 bringt mich in 23 Minuten durch das nicht minder schöne Niederbergische Land nach Mettmann-Stadtwald. Dort steige ich in die S 28, die nahe beim Neanderthalmuseum Station macht. Diese moderne Regiobahn, die in wenigen Jahren nach Wuppertal verlängert wird, braucht bis zum Düsseldorfer Hauptbahnhof 21 Minuten. Überall gab es kurze Übergänge. Fahrzeit rund 90 Minuten.

Bitte überlegen Sie, ob eine der beiden Routen für Sie eine Alternative zum Busverkehr mit all seinen Unwägbarkeiten sein kann. Ich bin jedenfalls sehr bequem und pünktlich unterwegs gewesen.