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Keine Almosensysteme

Betr.: Rundschau-Kommentar zum Thema (Kinder-)Armut

Man muss kein promovierter Akademiker sein, um begreifen zu können, dass Tafeln langfristig nichts an den Ursachen von Armut mitten im Reichtum ändern. Und damit sichern sie sich ihre eigene Existenz – dies gilt es zu überdenken. Die Tafeln trifft dafür aber keine Schuld.

Wie alle die wachsende Schere zwischen arm und reich konstatieren, so beobachte ich ein Auseinanderdriften zweier Parallelwelten: Der des wirklichen Lebens und der von Politik und Journalismus, in der sich beide selbst genügen und das wirkliche Leben kaum noch Beachtung findet.

Erstmals wurde im 13. Deutschen Bundestag (1994 bis 1998) im Kontext einer Enquete-Kommission formuliert: Darin heißt es, dass soziale Gerechtigkeit als verfassungsrechtlich gestütztes Gut (Bürgerrecht) zu gelten habe und es "Aufgabe des Staates" sei, für "menschenwürdige Lebensbedingungen" sowie "Schutzräume sozialer Sicherung" zu sorgen – und dass diese Fürsorgepflicht nicht an freiwillige oder barmherzige Almosensysteme delegiert werden dürfe.

Aber genau dies passiert, von vielen, vielen unbemerkt, seit über 25 Jahren.

Klaus Zajac

(Rundschau Verlagsgesellschaft)
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