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Angst vor Veränderungen?!

Betr.: Autofreie Luisenstraße, Rundschau vom 10. Januar

Das ist die Angst vor Veränderungen. Aus Ignoranz, aus unzureichender Information, aus Bequemlichkeit: "Oh Gott, nie mehr in die Luisenstraße fahren dürfen oder können. So kann ich nicht leben!" Vermutlich soll gar nicht die gesamte Luisenstraße autofrei werden, sondern nur zwischen Untergrünewalder Straße und Laurentiusstraße. Der Verkehr von der Ottenbrucher Straße und vom Grünewalder Berg muss ja abfließen können.

Die Kritiker sind vermutlich noch nie in der Luisenstraße gewesen. Oder sie schämen sich nicht, sich mit ihren Autos in 50 Zentimetern Abstand von den auf der Straße stehenden Tischen und den flanierenden Gästen vorbeizuschlängeln. Natürlich würde der Lieferverkehr zu bestimmten Zeiten nicht verbannt, Behinderte dürften weiterhin bis vor ihre Haustür gebracht, Garagen angefahren werden. Autofrei ist eben nicht "nie mehr ein Auto". Wie jetzt schon in jeder Fußgängerzone.

Diese Diskussion erinnert mich an die über den verkaufsoffenen Sonntag. Schon heute dürfen Geschäfte montags bis freitags bis 24 Uhr öffnen, am Samstag bis 22 Uhr. Also fast sechs Tage nonstop. Niemand wettert dagegen, weil das der Markt regelt. Aber wenn Händler und Kunden an einem beliebigen Tag ohne formellen Anlass zusammenkommen wollen, dann darf es in einem freien Land kein Gesetz geben, das das verbietet. Siehe die Bäckerei am Sonntagmorgen – darüber motzt niemand.

Es muss nur darauf geachtet werden, und da kann sich ver.di gerne engagieren, dass niemand am Sonntag oder an einem Feiertag zur Arbeit gezwungen werden kann – und nie Nachteile haben darf, wenn er ablehnt. Anstatt, so wie es ver.di gemacht hat, die Kommunen aufzufordern, an Heiligabend 2017, der auf einen Sonntag fiel, Mitarbeiter abzustellen, um zu kontrollieren, ob die Supermärkte bloß kein Shampoo, keine Windeln und keine Streichhölzer (zum Anzünden der Weihnachtskerzen) verkaufen.

Solche albernen Gesetze braucht niemand.

Reiner Keuterling, Liegnitzer Straße

(Rundschau Verlagsgesellschaft)
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