| 10.15 Uhr

Schauspielpremiere
Wortreicher Egomanenkampf

Schauspielpremiere: Wortreicher Egomanenkampf
Stefan Walz (links)und Miko Greza. FOTO: Wuppertaler Bühnen / Uwe Schinkel
Wuppertal. Theater soll zum Nachdenken und Diskutieren anregen. Das ist neben Unterhaltung seine Kernaufgabe. Mit dem Doppelabend "Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm / Nach der Ruhe vor dem Sturm" gelingt dies im Theater am Engelsgarten. Denn die Inszenierung von Kristin Trosits und Nina Sievers (Bühne und Kostüme) lässt Raum für Interpretationen. Von Jeanette-Nicole Wölling

Eigentlich sind die beiden Stücke von Theresia Walser selbsterklärend. Beide nehmen Schauspieler als solche aufs Korn. "Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm" handelt von drei Filmgrößen, die vor einer Talkshow aufeinander treffen. Sie bewegen sich im Bühnenraum der Show und überlegen, wie sie sich und ihre Erfahrungen später am besten ins Rampenlicht rücken können. Es ist ein wortreicher Egomanenkampf, der starker Darsteller bedarf. Und die stehen mit Miko Greza, Stefan Walz und Martin Petschan souverän auf der Bühne. Sie tragen das Stück.

Die Frage, wie man Hitler im Theater spielen kann und darf, ist zwar der rote Faden im verbalen Schlagabtausch, aber inhaltlich kaum relevant. Der Autorin geht es darum, einen satirischen Blick hinter die Kulissen zu gewähren. Das macht Spaß. "Die Kollegen brauchen Regisseure, damit sie ihre Rollen nicht überschätzen", sagt beispielsweise Franz Prächtel (Greza), der unangefochtene Star unter den Hitler-Darstellern. Er komme gänzlich ohne Regie zurecht – meint er. Kollege Peter Söst (Walz) lobt ihn vorne herum in den höchsten Tönen, während er hinter seinem Rücken mit dem jungen Ulli Lerch (Petschan) über ihn lästert. Prächtel und Söst gemeinsam versuchen Lerch fertig zu machen ("Er hat bisher nur den Goebbels gespielt"). Arrogante Wichtigtuer unter sich.

Soweit ist alles klar. Verwirrung stiftet das Bühnenbild. Große rote Stufen, eingerahmt von weißen Luftballons. Einen Sinn ergeben sie nicht und der Verständlichkeit der Handlung sind sie eher abträglich. Auch nicht im zweiten, deutlich kürzeren Teil des Abends. "Nach der Ruhe vor dem Sturm", das erst im Juni Uraufführung in Mannheim hatte, ist eine Fortführung von "Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm". Es geht um zwei ältere Schauspielerinnen, die sich ebenfalls auf eine Talkshow und ihr Karriereende vorbereiten.

Regisseurin Kristin Trosits verzichtet aber auf weibliche Darsteller. Sie lässt Miko Greza und Stefan Walz durch das Ablegen ihrer nachempfundenen Ausgeh-Uniformen zu Irm König und Liz Hansen werden. Lediglich das Hochkrempeln der Hosenbeine, das rote Kniestrümpfe freilegt, und das Umlegen eines Schals als Stola zeugen von der Verwandlung Miko Grezas zur Frau. Bei Stefan Walz wird gänzlich auf weibliche Attribute verzichtet. Konfus wird es, als die Schauspieler sich mit ihren echten Namen ansprechen und "Miki und Steffi" darstellen, wie sie sich ihre Rollen erarbeiten. Martin Petschan als "Lerch" ist auch mit von der Partie. Zunächst aber nicht als Schauspieler, sondern er putzt mit einem Stofffetzen seiner Uniformjacke aus Teil 1 die Bühne und die Luftballons.

Am Schluss herrscht ein ziemliches Durcheinander von Figuren und Ebenen. Wer skurrile und teils bösartige Dialoge mag, der erlebt einen unterhaltsamen Theaterabend.

"Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm / Nach der Ruhe vor dem Sturm": weitere Aufführungen am 26., 28., 29. September sowie im Oktober, November und Dezember im Theater am Engelsgarten.
Karten gibt's bei der Kulturkarte unter Telefon 563-76 66.

 

Die Rundschau-Radrunde