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Letzte Finckh-Ausstellung
Was macht eigentlich ein Museum?

Letzte Finckh-Ausstellung: Was macht eigentlich ein Museum?
Gerhard Finckhs letzte Schau wird in elf besonders gestalteten und ausgestatteten Räumen gezeigt. FOTO: Von der Heydt-Museum
Wuppertal. Elf Räume, elf Situationen: Unter dem Motto "Blockbuster Museum" zeigt Direktor Gerhard Finckh in seiner letzten Von der Heydt-Schau 130 Gemälde und Skulpturen aus der Sammlung des Hauses. Sichtbar werden soll, wie eine Ausstellung entsteht, was hinter den Kulissen passiert – und wie viel (oft jahrelange) Vorarbeit nötig ist. Von Stefan Seitz

Als die große Ausstellung übers 18. Jahrhundert an letztlich fehlenden 200.000 Euro gescheitert war, stellte sich im Von der Heydt-Museum die Frage: Was nun?

Direktor Gerhard Finckh fand eine Lösung – indem er sich auf das eigene Haus konzentrierte. Zur Sammlung des Museums am Turmhof gehören etwa 3.000 hochkarätige Gemälde, 500 Skulpturen und 30.000 grafische Blätter. Eine Reihe besonderer Werke wurde nun ausgewählt um beispielhaft zu zeigen, wie überhaupt eine Ausstellung entsteht, was ein Museum beziehungsweise ein Kurator macht, welche Maschinerien im Hintergrund laufen.

Wer auf die Reise geht, erlebt zahlreiche herausragende Stücke der museumseigenen Sammlung - wie diesen Picasso. FOTO: Von der Heydt-Museum

Entstanden ist im obersten Stockwerk des Museums eine Präsentation, die sich über elf Räume erstreckt – und sozusagen ein künstlerisches "Making-of" zeigt. Stets kombiniert mit Kunstwerken aus der Zeit von vor Christi Geburt über Mittelalter, Impressionismus und Expressionismus bis hin zu Picasso oder Neo Rauch geht es um die Ideenfindung am (gar nicht) imaginären Rotwein-Tisch, um das Thema Geld, um Transport, Sicherheit und Versicherung, um (Klima-)Technik, Restaurierung, alte und neue Bilderrahmen und deren erstaunliche Wirkung, um Beleuchtung, Wandfarbenfragen und Beschriftung – und darum, dass das insgesamt bis zu 200 Menschen umfassende Von der Heydt-Museums-Team in vielen – auch winzig kleinen – Facetten beschäftigt ist.

Doch auch brennenden Fragen der Gegenwart stellt sich die Ausstellung: Wie geht ein Museum mit der Frage der Rückgabe von durch die Nazis gestohlenen Bildern um, wie stellt ein Museum sich zur Religionsdebatte, wie zu den Fragen von Rüstung und Krieg? Einer der elf Räume bietet hierzu den Spannungsbogen eines durch einen Granatsplitter zerstörten Hitler-Kopfes von Arno Breker, der im wahrsten Wortsinn gegenüber einer nazi-kritischen Skulptur von Walter Röhrig steht.

Das Thema Religion greift die Ausstellung mit durchaus satirischem Ansatz auf: Ein auf einer Krawatte gekreuzigter Frosch von Martin Kippenberger hängt im "Herrgottswinkel" unter der Decke – wenige Meter davon entfernt gibt es zwei Bilder mit Schlachtschiffen und Kampfhubschraubern.

Wenn ein Museum einen Blockbuster landen will, also ein erfolgreiches Ereignis mit hohen Einspielquoten, muss eine Ausstellung lange durchdacht, geplant, gebaut und betreut werden. FOTO: Antje Zeis-Loi / Medienzentrum

Die Liste der großen Künstler, die "Blockbuster Museum" zeigt, ist lang – und alle sind sie aus dem eigenen Wuppertaler Bestand: Monet, Braque, Munch, Dufy, Beckmann, Dix, Kokoschka, Hodler, Picasso und, und, und – eine echte Entdeckungsreise. Immer wieder ergänzt durch simulierte Schreibtische voller Ausstellungsentstehungspapiere, Verpackungsmaterialien, ein Arbeitsgerüst – ja sogar Staub, Holzreste, Spanplatten, Bilderreisekisten.

Beeindruckend außerdem im letzten "Blockbuster"-Raum, in dem es um Mäzene, Sponsoren, Marketing, Werbung & Co. geht, die wie ein Wandfries installierte, schier endlose Reihe aller Von der Heydt-Ausstellungsplakate aus der Zeit von Gerhard Finckh.

Ganz bestimmt eine ganz andere Ausstellung, als man es vielleicht gewöhnt sein mag. Gerade deswegen – hingehen! Gilt vor allem für junge Leute, denn hier gibt's viel mehr als das Übliche. Ein cooler Finckh-Coup!

Die Rundschau-Radrunde