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Oper
„Singen, das ist einfach mein Ding“

Oper: „Singen, das ist einfach mein Ding“
Am Sonntag, 23. April, wird die Sopranistin Ralitsa Ralinova ihr Debüt in der Verdi-Oper „Rigoletto“ im Opernhaus geben. FOTO: Wil van Iersel
Wuppertal. Sonntag (23. April 2017) wird für die junge Sopranistin Ralitsa Ralinova ein großer Tag, denn dann will sie in der Verdi-Oper "Rigoletto" als Gilda das Wuppertaler Publikum in ihren Bann ziehen. Von Sabina Bartholomä

Geboren wurde Ralitsa Ralinova in Libyen. "Doch da war ich nur 14 Tage, dann ging es mit meinen Eltern zurück nach Bulgarien, wo ich auch aufwuchs. Musik hatte schon sehr früh eine große Bedeutung für mich, mit drei Jahren ging ich zum ersten Mal zum Klavierunterricht, mit zehn kam das Singen hinzu. Auch wenn meine Eltern mit der Musik nicht viel zu tun hatten, unterstützten und förderten sie mich. Später stellte sich heraus, dass ich nur der Vorläufer in Sachen künstlerischer Beruf war, denn mein jüngerer Bruder wurde Schauspieler", erinnert sich die Sängerin.

Schnell erkannte Ralitsa, dass das Klavierspiel ihr zwar Spaß machte, doch die Stimme immer wichtiger wurde: "Singen, das ist einfach mein Ding. Ich liebe es, auch wenn die Anfänge nicht einfach waren. Wenn ich auf der Bühne stand, hatte ich furchtbares Lampenfieber, ich dachte oft, ich muss sterben. Nach einigen Jahren wurde es besser, aber der Adrenalinspiegel ist immer noch sehr hoch", lacht Ralitsa – und erzählt im gleichen Moment von ihrer Begegnung mit der Pop-Musik. Das war in einem Sommer in Bulgarien, wo sie abends in einer Animations-Show in einem Touristenhotel am Meer auf der Bühne stand und die Gäste mit Pop-Songs unterhielt. "Klar, kann ich auch solche Sachen singen, aber heute lasse ich das Switchen zwischen Pop und Oper, habe mich gänzlich für die Oper entschieden".

Im Sommer 2013, mittlerweile hatte Ralitsa ihr Meisterstudium an der Musikakademie in Sofia abgeschlossen und bereits zahlreiche Gesangswettbewerbe für sich entschieden, wagte sie den Sprung nach Deutschland und gab ihr Debüt bei den Bamberger Sommerfestspielen – in der Rolle der Zerlina in der Mozart-Oper "Don Giovanni". Die Kritiken waren hervorragend.

Nächste Station in Deutschland war Wuppertal: Toshiyuki Kamioka, damals Opernintendant und Generalmusikdirektor in Personalunion, holte Ralitsa Ralinova in sein Opernstudio. In drei Produktionen wirkte sie mit – als wunderbare Alice in der Produktion für Kinder "Alice im Wunderland" dürfte sie sicher noch vielen Wuppertalern in bester Erinnerung sein.

"Dann kam der neue Opernintendant Berthold Schneider und ich nahm an seiner Audition teil. Ich war wirklich glücklich, als er mich ins Ensemble aufnahm. Sehr vieles hat sich unter ihm so positiv verändert, wir kennen uns untereinander, sind zu einem Ensemble zusammen gewachsen, die Menschen im Haus sind so freundlich, es ist ein gutes Gefühl hier zu sein", ist die Bulgarin von der neuen Atmosphäre im Opernhaus sichtlich angetan.

Doch jetzt steht "Rigoletto" vor der Tür, und auf diese Produktion freut sich Ralitsa ganz besonders: "Es ist mein vierter 'Rigoletto', aber mein bester. Die Arbeit mit Regisseur Timofew Kuljabin war aufregend und spannend. Er hat eine ganz andere Sicht auf die Gilda, sie ist bei ihm nicht nur das naive Mädchen. Und ich muss viel spielen. Zwei Monate vor der Premiere kam er mit seiner Kostümbildnerin Galya Solodovnikova, beide waren fantastisch vorbereitet. Alles war so klar und sie haben so gut erklärt, was sie wollten. Es ging den beiden nie um Effekte oder darum zu schockieren, sondern sie wollten eine Geschichte erzählen, die auch heute noch logisch ist und die alle verstehen können".

Auch wenn die kommende Spielzeit für Ralitsa Ralinova spannend wird, mehr darf sie darüber noch nicht verraten, hat sie Traumrollen, die sie gerne einmal singen möchte, wie etwa die Violetta in "La Traviata" (Verdi), die Mimi aus "La Bohème" (Puccini), "Adina" (Rossini) oder "Lucia di Lammermoor" (Donizetti).

Ihre Wahlheimat Wuppertal hat die junge Sängerin mittlerweile auch erobert: "Den Botanischen Garten liebe ich sehr, überhaupt das Grün und die vielen Wälder, die ruhigen Orte in Barmen, die Schwebebahn und die Stille am Abend, wenn ich sehr spät von der Arbeit nach Hause gehe. Angst habe ich da nicht".