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Degas- und Rodin-Ausstellung im Von der Heydt-Museum
Frauen waren ihre Leidenschaft

Degas- und Rodin-Ausstellung im Von der Heydt-Museum: Frauen waren ihre Leidenschaft
Ab Dienstag (25. Oktober 2016) ist die Ausstellung „Degas & Rodin“, die Museumsdirektor Gerhard Finckh konzipiert hat, zu sehen. FOTO: Raina Seinsche
Wuppertal. Das Von der Heydt-Museum präsentiert weltweit erstmalig die beiden französischen Ausnahmekünstler Edgar Degas und Auguste Rodin in einer Gemeinschaftsausstellung. Von Sabina Bartholomä

Im kommenden Jahr wird es anlässlich des 100. Todestages von Degas und Rodin rund um den Globus große Einzelausstellungen der beiden Künstler geben, die es schon jetzt in Elberfeld in einer spektakulären Präsentation zu entdecken gilt.

Warum in Wuppertal – und warum beide zugleich? Museumsdirektor Gerhard Finckh, der das Konzept der Ausstellung entwickelte, erklärt: "Die Stadt hat zu beiden eine besondere Beziehung. Baron Eduard von der Heydt liebte die Werke von Degas, daher befinden sich zehn bedeutende Arbeiten von ihm im Bestand des Museums. Das Wuppertaler Ehepaar Wichelhaus hatte eine Leidenschaft für Rodin. Um 1900 setzten sie sich mit dem damaligen Sekretär Rodins, dem deutschen Dichter Rainer Maria Rilke, in Verbindung, vereinbarten einen Besuch in Rodins Atelier und erstanden die Skulptur 'Steigender Mann‘, die sie dem soeben gegründeten Von der Heydt-Museum schenkten."

Und auch die Frage, warum Wuppertal sich für eine Gemeinschaftsausstellung entschieden hat, beantwortet Finckh: "Sie haben sich gekannt, es gibt einen Brief, in dem sich Degas bei Rodin für die Vermittlung eine Kundin bedankt. Außerdem haben beide 77 Jahre in Paris gelebt, sich bei Monet getroffen, bei Vernissagen, auf der Rennbahn oder im Opernhaus. Wie eng die Beziehung wirklich war, wissen wir jedoch nicht. Wir wollen sie hier auch nicht zu Brüdern machen, sondern zeigen, wie sie auf die Herausforderungen ihrer Zeit künstlerisch reagiert haben."

Insgesamt 270 Werke werden ab Dienstag am Turmhof unter dem Titel "Edgar Degas und Auguste Rodin – Wettlauf der Giganten zur Moderne" bis zum 26. Februar 2017 zu sehen sein. Jeweils 100 Bilder, Skulpturen und Zeichnungen der beiden Künstler, dazu Arbeiten ihrer Zeitgenossen wie etwa Monet oder Cezanne.

Unterteilt ist die stimmige Präsentation, die auch gewaltigen Gips-Skulpturen Rodins Raum bietet, in zwölf Kapitel, die mit dem Frühwerk beginnen. Ein zu diesem Anlass produzierter Film gibt Einblick in das Leben und die unterschiedlichen Entwicklungen der Künstler.

Außerdem kann man in der Wuppertaler Ausstellung die eher unbekannte Seite von Degas und Rodin entdecken: Denn neben seinen wunderbaren Pastellen, meist von Tänzerinnen der Oper, wird hier auch Degas als ein grandioser Bildhauer präsentiert, während im Gegenzug Rodin auch mit seinen nicht minder spektakulären Zeichnungen und Ölgemälden zu sehen ist.
Frauen sind bei beiden Künstlern ein Lieblingsthema, sowohl in der Kunst als auch privat, wobei Rodin in seinen Darstellungen sehr direkt ist. Degas ist lebenslang von den Tänzerinnen der Pariser Oper fasziniert, wo er auch Zugang hinter die Kulissen erhält. Bei beiden bleibt die Nacktheit der Figuren erotisch, wirkt aber niemals trivial oder pornografisch.