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Jankel-Adler-Ausstellung in Wuppertal
Erinnern an einen Vergessenen

Jankel-Adler-Ausstellung in Wuppertal: Erinnern an einen Vergessenen
Als „Artist“ zeigt sich Jankel Adler in diesem Selbstporträt. Mit melancholischem Blick, verwegen und verletzlich. FOTO: VG Bild-Kunst Bonn 2018
Wuppertal. In den 20er Jahren war Jankel Adler auf Augenhöhe mit Künstlern wie Marc Chagall, Otto Dix, Paul Klee und Pablo Picasso. Dass er im Gegensatz zu ihnen heute weitgehend unbekannt ist, liegt daran, dass er polnischer Jude war und 1933 vor den Nazis aus Deutschland fliehen musste. Von Nicole Bolz

Seine Bilder verschwanden erst aus den Museen, dann aus dem Gedächtnis. Das Von der Heydt-Museum zeigt mit "Jankel Adler und die Avantgarde" ab Dienstag (17. April 2018) die erste Retrospektive seit 30 Jahren.

Er verkörperte so ziemlich alles, was den Nazis ein Dorn im Auge war. Jankel Adler war polnischer Jude, thematisierte in seinen Bildern jüdische Menschen und ihre Lebenswelt – und tat dies in einer konsequent modernen Formensprache, die Elemente des Expressionismus, Kubismus und Konstruktivismus verband. Ein bürgerliches Leben lehnte er rundum ab, heiratete seine langjährige Freundin Betty aus Protest nie und zeigte eine konsequent antifaschistische Haltung. "Er war die ideale Projektionsfläche für die Nazis, für ihren Hass auf alles, was anders war", sagt Gerhard Finckh, Leiter des Von der Heydt-Museums.

"Leider ist Jankel Adler zunehmend in Vergessenheit geraten. Wir stellen in unserer Ausstellung sein Werk in Verbindung mit dem anderer Künstler, um zu zeigen, wie wichtig und besonders Adlers Schaffen ist, wie sehr er vernetzt war und den Dialog mit anderen Künstlern seiner Zeit suchte", sagt Antje Birthälmer, stellvertretende Direktorin des Von der Heydt-Museums, die die Schau kuratiert hat. Adler sei oft als Maler der Ostjuden interpretiert worden. Die Ausstellung versuche dagegen, "ihn im Kontext der westlichen Künstler zu zeigen und seine Beziehungen zu ihnen zu beleuchten", so Birthälmer.

Jankel Adlers Bildnis von Else Lasker Schüler (1924) ist geprägt von freundschaftlicher und zugleich distanzierter Bewunderung. FOTO: VG Bild-Kunst Bonn 2018

Die Schau verfolgt seine Entwicklung von seinen Anfängen mit den Künstlern der Barmer "Wupper"-Gruppe über sein Wirken in der "Jung Jiddisch"-Gruppe in Lodz, im "Jungen Rheinland" und bei den "Kölner Progressiven". Sie untersucht seine Verbindung mit Klee an der Düsseldorfer Kunstakademie, mit dem Graphiker Hayter und Picasso in Paris. Mit Adlers Zeit in London endet die Schau und beleuchtet auch seine Rolle in der britischen Kunstszene. "Er war einer der wichtigsten -Künstler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der sehr viel in die Welt der Kunst eingebracht hat", stellt Finckh die Bedeutung Adlers heraus.

Rund 110 Werke von Jankel Adler sind zu sehen, daneben rund 110 Werke anderer Künstler – darunter zahlreiche Weggefährten und Freunde wie Otto Dix, Marc Chagall, Paul Klee, Marek Szwarc, Pablo Picasso und Lasar Segall. Das Von der Heydt-Museum selbst besitzt fünf Werke des Künstlers, darunter das "Bildnis Else Lasker-Schülers" von 1924, mit der er befreundet war und die ihn einmal einen "hebräischen Rembrandt" nannte. Obwohl Adlers Weg 1916 bei Gustav Wiethüchter an der Barmer Kunstgewerbeschule begann, begegnete er der Wuppertaler Dichterin erst Jahre später in Berlin. Sie wurden Freunde. Er malte sie, sie schrieb ein Gedicht über ihn.

Durch Adlers Flucht ist sein Werk immer in ein Oeuvre "vor 1933" und ein Oeuvre "nach 1933" zu unterteilen, denn sein Frühwerk unterscheidet sich stark von seinen späteren Werken, was die Ausstellung eindrucksvoll zeigt. Nach seiner Flucht 1933 über Paris nach Großbritannien entwickelte Adler seinen Stil weiter und kreierte ab 1941 herausragende Werke, mit dem er jüngere Künstler nach dem Krieg beeinflusste. Deutschen Boden betrat Adler nie wieder. Nach seinem frühen Tod 1949 gab es 1955 eine Ausstellung n Wuppertal. 1985 erinnerte zuletzt eine Schau in Düsseldorf an den Künstler, die auch in Lodz und Tel Aviv gezeigt wurde. Jetzt kehrt Jankel Adler nach Wuppertal zurück.

"Jankel Adler und die Avantgarde. Chagall/Dix/Klee/Picasso" im Von der Heydt-Museum (Turmhof 8). Zu sehen vom 17. April bis 12. August 2018, dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags von 11 bis 20 Uhr. Infos: www.jankel-adler-ausstellung.de

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