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Interview mit Enno Schaarwächter über den Landeszuschuss
Bühnen "Das ist überlebenswichtig!"

Interview mit Enno Schaarwächter über den Landeszuschuss: Bühnen "Das ist überlebenswichtig!"
Enno Schaarwächter wird seinem Nachfolger bzw. seiner Nachfolgerin ein Haus übergeben, das zumindest bis 2022 finanziell gesichert ist. FOTO: Wuppertaler Rundschau / Max Höllwarth
Wuppertal / Düsseldorf. Das Land NRW erhöht die Mittel für die kommunalen Theater und Orchester bis zum Jahr 2022 um 30 Millionen Euro. Für die Wuppertaler Bühnen und das Orchester gibt es aus diesem Topf eine jährlich ansteigende Basisförderung – bis zu 854.000 Euro im Jahr 2022. Redakteurin Nicole Bolz sprach mit Enno Schaarwächter, Geschäftsführer der Bühnen, darüber, was das für das unterfinanzierte Haus bedeutet.

Rundschau: Herr Schaarwächter, die Bühnen erhalten also endlich mehr Geld. Wie groß sind Ihre Luftsprünge?

Schaarwächter: Nun ja, es ist schon eine große Erleichterung, aber Riesensprünge können wir damit trotzdem nicht machen.

Rundschau: Das müssen Sie erklären.

Schaarwächter: Wir erhalten in diesem laufenden Jahr 256.000 Euro mehr Zuschuss vom Land. Der steigt bis 2022 um 854.000 Euro auf dann insgesamt 1,8 Millionen Euro an. Das ist eine Steigerung um fast 100 Prozent. Das ist ein deutliches und sehr erfreuliches Zeichen.

Rundschau: Aber es genügt nicht?

Schaarwächter: Man muss wissen, dass 85 Prozent unserer Kosten Personalkosten sind. Die letzte Tariferhöhung ist eine erhebliche Belastung für unser Budget. Der Zuschuss, den wir vom Land für 2018 erhalten, ist genauso groß wie das, was wir dann für mehr Lohn durch die Tariferhöhung ausgeben. Dass hier kein Missverständnis entsteht: Wir brauchen eine angemessene Bezahlung für unsere Beschäftigten. Wir können gut ausgebildeten Leuten nicht nur einen Hungerlohn bezahlen. Und schließlich wollen wir ja auch gute Leute ans Haus binden. Diese Debatte wird man noch führen müssen. Im Orchester gibt es ja eine angemessene Bezahlung. 

Rundschau: Das heißt, ein Plus für den künstlerischen Etat wird es nicht geben?

Schaarwächter: Ein bisschen schon. Das haben wir den Intendanten in ihren neuen Verträgen zugesichert, und die Tarifsteigerungen werden deren Budget nicht schmälern. Der Landeszuschuss bedingt, dass sich die Kommune an den Kostensteigerungen im Theater ebenfalls beteiligt. Da muss es noch Klärungen geben. Dass die Stadt im Stärkungspakt nicht einfach mehr Geld in die Bühnen stecken darf, ist ja bekannt. Immerhin steigt aber der städtische Zuschuss um 100.000 Euro pro Jahr. Mehr Spielraum ist bis zum Ende des Stärkungspakts 2021 wohl nicht drin.

Rundschau: Das Land hat die Höhe der Zuschüsse nach der Personalstärke der Betriebe bemessen. Kritiker sagen, das sei ungerecht, weil ein Theaterbetrieb, der wegen der prekären finanziellen Lage beim Personal so einsparen musste wie Wuppertal, nun benachteiligt ist. Wie empfinden Sie das?

Schaarwächter: Da muss man abwägen. Will man eine schnelle, transparente und praktikable Lösung oder länger in der Luft hängen? Man kann diese Diskussion führen, aber sie hilft nicht! Uns hilft der Zuschuss jetzt, die Tariferhöhung aufzufangen. Das ist überlebenswichtig.

Rundschau: Neben der Basisförderung soll es auch eine Profilbildung geben. Wie funktioniert die?

Schaarwächter: Mit dem Geld sollen ungewöhnliche und mitunter kostspielige Projekte unterstützt werden. Es gibt die Überlegung, den Schwerpunkt Inklusion an den Bühnen zu verankern. Etwa durch eine engere Verzahnung mit der Glanzstoff-Akademie. Da könnte beispielsweise ein Austausch stattfinden, dass einzelne Schauspieler das jeweils andere Ensemble in bestimmten Stücken verstärken. Thomas Braus ist bei dem Thema sehr engagiert und führt dazu gerade Gespräche. Das wird sich im Laufe der kommenden Spielzeit zeigen.

Rundschau: Ist die Zukunft der Bühnen mit der Finanzspritze des Landes nun erst einmal gerettet?

Schaarwächter: Ja, bis 2022 wird uns das sichern. Was danach passiert, schauen wir mal.

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