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Auf und Ab – und Hin und Her

Auf und Ab – und Hin und Her
„Paternoster – Vom Auf und Ab des Lebens“, herausgegeben von Christian Oelemann, kommt aus dem Verlag 3.0 und kostet im Buchhandel 18 Euro. FOTO: Verlag 3.0
Kurz vor Weihnachten noch zwei sehr unterschiedliche Buchgeschenk-Tipps. Von Stefan Seitz

Wie bekommt man viele Autoren und viele Facetten unter einen Hut? In einer Anthologie. Der Wuppertaler Buchhändler und Schriftsteller Christian Oelemann hat mit "Paternoster – Vom Auf und Ab des Lebens" (Verlag 3.0, 18 Euro) diesen Weg gewählt und auf über 300, von dem Wuppertaler Grafiker Malte Roß sehr eigenwillig illustrierten Seiten 20 Männer und Frauen versammelt, die insgesamt 42 Texte beisteuerten. Ob "Paternoster" der passende Begriff ist, um das Auf und Ab des Lebens zu veranschaulichen, darüber kann man streiten. Egal. Oelemann ist es gelungen, ein Mosaik der Wuppertaler (und darüber hinaus) Literaturszene zusammenzustellen.

Mal sind es vier Texte pro Autor, mal nur einer, meistens zwei oder drei, aus denen das "Paternoster"-Gerüst besteht. Unterschiedlich sind die Texte alle – in ihren Themen, ihrer Emotionalität, ihrer "Melodie" und ihrer Qualität. Wie das Leben eben.

Was klar herausragt: "Wegmarken" von Hermann Schulz, ein Stück, das aus vielen Texten besteht und den Leser durch eine Reihe (bisher noch nicht aufgeschriebener) Stationen von Schulz' Leben führt. Aber auch Elisabeth Wintermantels Beitrag über ihre krebskranke Schwester berührt sehr – ganz ohne Gefühlsduselei. Oder Barbara Hofer-Kröners "Sommer enden" – und die drei Texte von Bettina Rosky. Immer geht es in "Paternoster" um Begegnungen, Liebe, Abschied, Tod, Schräges, Komisches, Erinnerungen und Gegenwart. Dieses weit gefächerte Spektrum hat viele Leser verdient. Nicht zuletzt auch, weil der Buchverkaufserlös an das Kinderhospiz im Burgholz gespendet werden wird.

Ein ganz anderes Thema, sozusagen ein Hin und Her, hat der Wuppertaler Journalist und Historiker Matthias Dohmen gewählt: "Geraubte Träume, verlorene Illusionen. Westliche und östliche Historiker im deutschen Geschichtskrieg" (Nordpark-Verlag, 18,50 Euro) heißt sein über 450 Seiten dicker "Wälzer", der aber über weite Distanz trotz des scheinbar sperrigen Gegenstandes doch leichtfüßig zu lesen ist.

Worum geht's? Um den "Kalten Krieg der Geschichtswissenschaftler", den sich westliche und DDR-Historiker in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg lieferten. Die Bewertung der Zeit der Weimarer Republik, und was sie für Deutschland bedeutet hat, steht im Mittelpunkt. Außerdem Fragen nach politischen Dimensionen und Interpretationslufthoheiten in Sachen Kommunismus, Sozialismus und Arbeiterbewegung. Einen Blick in die (Nachkriegs-)Geschichte Finnlands liefert Dohmen außerdem: Darüber weiß kaum jemand Bescheid, das darf definitiv als "in Vergessenheit geraten" bezeichnet werden.

Im Buch stecken viel Arbeit, viel Quellenstudium, viele "Ausgrabungen" kaum beachteter Zeugnisse – und über 300 Biographien von Historikern, die mit dem Thema zu tun hatten und haben. Natürlich: Das Ganze ist sehr "special interest". Aber wer sagt, dass man sich nicht auch auf etwas einlassen kann, das man bisher gar nicht auf der Rechnung hatte?