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Theater in Cronenberg
Amüsanter Zusammenprall der Kulturen

Theater in Cronenberg: Amüsanter Zusammenprall der Kulturen
Zwei Stunden leichte Unterhaltung bietet „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ im TiC. FOTO: Martin Mazur
Wuppertal. Die Sommerkomödie "Maria, ihm schmeckt's nicht!" ist seit ihrer Verfilmung 2009 einem breiten Publikum bekannt. Das Theater in Cronenberg (TiC) zeigt nun die weniger bekannte Bühnenfassung des Romans von Jan Weiler. Von Jeanette Nicole Wölling

Mit "Maria, ihm schmeckt's nicht!" gibt Julia Meier ihren Einstand als Regisseurin. Ihr gelingt eine unterhaltsame Inszenierung, für die keinerlei Vorkenntnisse von Buch oder Film nötig sind. Das am Niederrhein und in Italien spielende Stück (Bühnenbild: Jan Bauerdick) zieht seinen Humor aus dem Aufeinanderprallen von Kulturen. Dabei gibt es aber auch kritische Momente.

Sebastian Freund spielt sympathisch den überforderten Bräutigam Jan, der zur Hochzeit mit Sara (Saskia Deer) ins Heimatdorf ihres redseligen Vaters Antonio (überzeugend als Italo-Deutscher: Michael Baute) reisen muss. Italienische Gassenhauer, die meisten vom Band, untermalen das Geschehen. Man erlebt mit, wie Jan mit der Großfamilie seiner Verlobten stundenlang beim Abendessen sitzen muss, wo sich alle auf Italienisch unterhalten und er zum Verzehr von noch mehr Pasta genötigt wird. Auch der gemeinsame Strandbesuch mit den Verwandten samt einem Heer an Schwimmtieren, Luftmatratzen und – natürlich – massenhaft Essen ist für Nichtschwimmer Jan eine Tortur.

Das Publikum leidet doppelt mit ihm. Denn wer die italienische Sprache nicht versteht, verliert an einigen Stellen trotz Übersetzung den Anschluss. Dass Musik verbindet, zeigt sich beim Lied "Lasciatemi cantare", an dem sich sogar die Zuschauer beteiligen.

Schade ist, dass manch witzige Idee, wie ein unter Jan zusammenbrechendes Bett, in den hinteren Reihen des Theaters trotz erhöhter Bühne nur noch zu erahnen ist. Und es gibt einen moralischen Zeigefinger im Stück, der etwas unvermittelt erhoben wird. Gespielte Rückblicke auf Antonios Anfänge als Gastarbeiter in Westdeutschland zeigen, wie dem jungen Mann (Benedict Schäffer) Fremdenhass entgegenschlägt. Dass er mit Ursula (jung: Saskia Deer, später: Christina de Bruyckere-Monti) ein Kind bekommt, entrüstet die Nachbarschaft.

Aber nicht nur die Deutschen werden als Stereotype dargestellt, sondern auch die Italiener: der dement-faschistische Opa (Philip Zangerl), die ständig ums Essen besorgte Oma (Monika Owart), der Mafioso, die verfeindeten Nachbarn und so weiter. Das ist witzig, aber manchmal zu viel Parodie. Beachtlich: Das achtköpfige Ensemble spielt ein ganzes Dorf nebst deutschen Gästen.

"Maria, ihm schmeckt's nicht!" bietet zwei Stunden (mit Pause) leichte Unterhaltung. Das Premierenpublikum klatschte langanhaltend und begeistert.

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