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Bogomir Ecker: Doppelausstellung
„Am Ende kommt es zum Big Bang“

Bogomir Ecker: Doppelausstellung: „Am Ende kommt es zum Big Bang“
„Ich jage Bilder. Täglich schaue ich mir gut 3.000 Bilder an“ – das sagt Bogomir Ecker über sich. Die Ergebnisse gibt es jetzt in der Barmer Kunsthalle am Geschwister Scholl-Platz zu sehen. FOTO: Michael Richter

Von Jörg Degenkolb-Degerli

Als "Idylle und Desaster" beschreibt der Düsseldorfer Künstler Bogomir Ecker die Dramaturgie seiner Ausstellung "Was das Foto verschweigt", die am vergangenen Sonntag in der Barmer Von der Heydt-Kunsthalle eröffnet worden ist. Im letzten Raum, so Ecker, "am Ende des Parcours, kommt es schließlich zum Big Bang!"

Der Verlauf spielt sich auf 16 großformatigen sogenannten Foto-Tableaus ab, in denen er jeweils zwischen 20 und 28 Fotos kombiniert hat. Das Besondere hieran: Es handelt sich um gesammelte Fotos. Anonyme Pressefotos – viele davon aus den USA –, die der Künstler "auf dem größten Flohmarkt der Welt", also im Internet, entdeckt und kauft. "Ich jage Bilder. Täglich schaue ich mir gut 3.000 Bilder an." Er sei süchtig, sagt er. Zwar mache es Spaß, es quäle ihn aber auch. Kunst eben.

Doch mit dem Sammeln natürlich nicht genug. So bringt er einzelne Exemplare aus seinem etwa 15.000 bis 20.000 Pressefotos umfassenden Fundus in neue Beziehungen in ebenjenen Tableaus – ähnlich den Ergebnissen einer Algorithmen folgenden Online-Suche. Betitelt sind die Tableaus lediglich mit Nummern, während einige von ihm bearbeitete Fotos auch Titel haben – nämlich ihre ursprünglichen wie "Gloria Holden" oder "Raquel de Carlay", beide von 1935.

Bearbeiten heißt bei Ecker: Übermalen. Sowohl bei diesen erwähnten Bildern wie auch bei Tageszeitungsseiten, die er mit Hammerschlaglack übermalt. Auf die Frage, was dabei seine Intention sei, antwortete der Künstler in einem Interview: "Reine Verzweiflung."

Brückenschlag zur ebenfalls gerade eröffneten Ausstellung im Skulpturenpark sind einzelne in der Kunsthalle ausgestellte Skulpturen, denn Bogomir Ecker ist ja vor allem Bildhauer. "Einer, der mit seinen Fotoarbeiten von der Dreidimensionalität zur Zweidimensionalität gefunden hat und dem es gelingt, dies miteinander zu verbinden", wie Von der Heydt-Direktor Gerhard Finckh betont. Damit überwände er gar den alten Künstlerwettbewerb zwischen Malern und Bildhauern.

Tony Cragg, der Ecker seit Jahrzehnten kennt, schätzt besonders das Verborgene, das Organische an seinen Skulpturen. "Er erschafft eine eigenständige neue Realität", verkündete er beim Presserundgang. In der oberen Halle des Skulpturenparks deutet Ecker dann auf den umgekehrten Fall, die Dimensionen betreffend: "Ich habe Flächen zu Körpern transformiert."

In der Mitte der Halle ragt ein monumentales Gehäuse in den Raum, vollständig mit Akustik-Schaumstoffmatten (kleines Foto) überzogen – einem Material, das sich auch in einer ebenfalls ausgestellten Werkgruppe wiederfindet, hier in Bronze und Aluminium gegossen. Beides Werkstoffe, aus denen die weiteren Skulpturen in der Halle gefertigt sind: Technoid anmutende Objekte, jedoch auch "Wesen, die dementsprechend gut in diesen Park passen", wie der Künstler meint.

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