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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire
Steinekloppen in Sibirien

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Steinekloppen in Sibirien
Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Gestern kam ein Leserbrief, der nur aus einem einzigen Satz bestand: "Schickt Löw und die Nationalelf nach Sibirien zum Steinekloppen, da kann man solche Versager eventuell noch gebrauchen." Wer zwischen den Zeilen lesen kann und feine Antennen hat, spürt hier eine leichte Verstimmung des Verfassers ob der Leistung des DFB-Teams im ersten Gruppenspiel bei der WM. Das finde ich übertrieben.

Die deutsche Altherren-Traditionself hat die Partie gegen Mexikos A-Nationalmannschaft immerhin bis zur letzten Sekunde offen gehalten. Und das Gegentor ist letztlich nur gefallen, weil sich Toni Kroos für die Rückwärtsbewegung beim entscheidenden Konter der Mexikaner erst ein Taxi bestellen musste. Bis der Wagen kam, war der Ball schon drin. Bei kritischen Nachfragen zur Niederlage war das Rückzugsverhalten der gesamten Delegation am Tag danach umso konsequenter.

Was ist also zu tun, damit es heute gegen Schweden besser wird? Die erste Idee des DFB soll gewesen sein, einen Logopäden zur Verbesserung der Körpersprache zu engagieren. Dessen Honorarforderung war aber wohl mit Blick auf die Schwere des Falls Özils so hoch, dass man lieber alternativ auf das erfolgreiche mexikanische Modell der Spielvorbereitung zurückgreifen wollte. Die fidelen Kicker aus Mittelamerika hatten bekanntlich vor dem Spiel gegen Deutschland eine Party mit 30 Escort-Girls gefeiert.

DFB-Mannschaftsarzt Hans-Wilnnetou Müller-Wohlfahrt legte dagegen aber sein Veto ein. Er soll Angst gehabt haben, dass die vielen gebrechlichen älteren Herren im Kader den körperlichen Anforderungen dieser speziellen Form des Zweikampftrainings nicht gewachsen sein könnten. Und wenn die Mannschaft ähnlich viele Hänger wie im Spiel gehabt hätte, dann wäre das sowieso alles ruutgeschmieten Geld gewesen.

Wenigstens geht es anderen Nationen auch nicht besser: Von Neymars Auftritt im ersten Brasilien-Spiel ist uns im wesentlich in Erinnerung geblieben, dass er vorne am Kopf die blonde Dauerwelle von Heidi Kabel aufträgt. Und Argentinien ist mit seinem nur noch als Bonsai-Rübezahl über den Platz stolpernden einstigen Fußball-Riesen Lionel Messi sogar noch schlimmer dran. An der Hand Gottes fehlen seit der Klatsche gegen Kroatien sämtliche Fingernägel.

Die hat Diego Maradona auf der Tribüne alle abgekaut, was maßgeblich an seinem besonders große Ruhe ausstrahlenden Nach-Nach-Nach-Nach-Nachfolger als Nationaltrainer gelegen hat: Bei Jorge Sampaoli handelt es sich mutmaßlich um die im Körper des späten Andre Agassi gefangene Reinkarnation von Louis de Funés. Wenn diesem unter schwerem Übungsleiter-Hospitalismus leidenden Pampas-Popeye nicht noch was Dolles einfällt, dann könnte es in Sibirien demnächst ziemlich voll werden ...

Bis die Tage!

Die Rundschau-Radrunde