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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire
Schwebebahnrennen

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Schwebebahnrennen
Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Manche Dinge sind einfach paradox. So muss ein bombiger Geschäftstag nicht zwangsläufig zu einer vollen Kasse führen. Diese Erkenntnis haben am Donnerstag viele Händler und Gastronomen in der Elberfeld City gewonnen. Oder nehmen Sie die Sache mit dem Ruhrgebiet: Wuppertal wird ja immer völlig zu Unrecht ins Ruhrgebiet eingemeindet. Von Roderich Trapp

Das habe ich neulich noch im ICE erlebt, der ja selbst ein Paradoxon ist: Deutschlands schnellster Zug kommt immer zu spät. In diesen ICEs flimmern jedenfalls regelmäßig Hinweise auf die Landschaft, die man gerade durchfährt, über die Bildschirme. Als ich vorige Woche in Elberfeld einrollte, zeigte der Bildschirm das Foto eines Förderturms mit dem stolzen Untertitel "Ruhrgebiet".

Unbedarfte Fahrgäste werden also vermuten, dass die Schwebebahn im vorigen Jahrhundert im wesentlichen Zubringer für die vielen Zechen auf Wuppertaler Stadtgebiet war. Und die Hügel auf beiden Seiten des Flusses müssen dann wohl die Abraumhalden der kilometerlangen Elberfelder und Barmer Kohleflöze sein. Erinnerungen an diese Zeit werden mutmaßlich im Bergbaumuseum des Zechenfürsten von der Heydt wach gehalten ...

Paradox ist nun aber, dass wir zwar bei jeder passenden Gelegenheit dem Ruhrgebiet zugeschlagen werden, bloß bei Olympia nicht. Bekanntlich will sich ein Gebilde, dass sich Rhein-Ruhr-City nennt, um die Olympischen Spiele 2032 bewerben. Da sind insgesamt 14 Städte zwischen Aachen und Recklinghausen mit im Boot, nur Wuppertal ist irgendwie über Bord gegangen. Woanders läuft Usain Bolt und bei uns nur die Nase? Dat darf doch nicht wahr sein!

Ist es auch nicht, weil Usain Bolt ja Schluss gemacht hat und unabhängig davon 2032 auch schon 46 Jahre alt würde. Die Stars der Olympischen Spiele 2032 sind dagegen paradoxerweise eventuell noch gar nicht geboren. Denn wenn die Chinesen bei der Talentförderung so weiter machen, werden sie 2032 sicher 13-jährige Schwimmerinnen an den Start bringen, die trotz bremsender Vollbärte die 100 Meter Freistil unter 30 Sekunden schwimmen. Das sollen sie dann laut Orga-Konzept übrigens in der zum Schwimmstadion umgebauten Veltins-Arena tun. Eine nahe liegende Idee, weil Schalke 04 in dieser Location auch schon oft Baden gegangen ist.

Möglicherweise kann sich Wuppertal aber sozusagen noch durch die Hintertür ins Olympische Programm mogeln. Denn es werden ja immer neue Sportarten olympisch, die dann auch noch eine Austragungsstätte brauchen. 2020 kommen zum Beispiel Sportklettern und Skateboard dazu. In beidem ist Wuppertal doch eine Hochburg - dank der dollen Kletterhalle im Rauental und Wicked Wutz, wo jetzt schon geskatet wird wie die wilde Sau. Und wenn's damit auch keinen gippt, dann könnten wir noch Schwebebahnrennen ins Gespräch bringen. Das kann nämlich auf der ganzen Welt keine andere Stadt austragen. Es darf beim IOC nur niemandem auffallen, dass man dabei paradoxerweise nicht überholen kann ...

Bis die Tage!

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