| 11.00 Uhr

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire
Schmeit wie die Weltmeister

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Schmeit wie die Weltmeister
Rundschau-Redakteur Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. "Unzureichend" ist auch so ein schönes deutsches Wort, das heute kaum noch benutzt wird. Dabei kann man es immer noch sehr gut gebrauchen. Gerade am Donnerstag kam es mir wieder gleich mehrfach in den Sinn. Da war ich nämlich in Düsseldorf bei der Tischtennis-Weltmeisterschaft.

Nicht als Aktiver, weil dafür meine Vorhand unzureichend ist, aber doch als fachkundiger Zuschauer, weil ich seit 40 Jahren selbst vor das kleine Bällchen haue. Da muss man natürlich die Gelegenheit nutzen, wenn schon eine WM in unserem westlichen Vorort stattfindet.

Nun muss man wissen, dass die Tischtennis-WM kein ganz kleines Event ist, sondern genau genommen die größte Hallensportveranstaltung der Welt mit knapp 700 Spielern und rund 4.000 akkreditierten Teilnehmern. Dafür haben die Düsseldorfer eigens eine Arena für 8.000 Zuschauer in eine riesige Messehalle gebaut. Die waren am Donnerstag auch fast alle mit mir und meinen Begleitern zusammen schon morgens da und bekamen dann irgendwann Hunger und Durst. Wir auch.

Stark unterhopft und voller Vorfreude auf ein ortsübliches Alt vom Fass sowie eine Currywurst durchmaßen wir die rund 50.000 Quadratmeter Fläche, die die Messe Düsseldorf insgesamt für die WM-Zwecke ausgestattet hatte. Was wir dabei vorfanden, waren diverse Stände einschlägiger Tischtennisfirmen, Baumaschinen des Hauptsponsors und einen Ordner, der unsere Frage "Wo kann man denn hier mal ein leckeres Bierchen trinken" mit einem mäßig verheißungsvollen "Das wüsste ich auch gerne" beantwortete.

Weitere Recherchen brachten uns die traurige Gewissheit, dass die längste Theke der Welt leider unmittelbar vor dem Messegelände endete. Auch von der Tatsache, dass Tausende Zuschauer zwischen zehn Uhr morgens und zehn Uhr abends gelegentlich was essen müssen, wurden die Organisatoren offensichtlich komplett überrumpelt. Im wesentlichen gab es einen mobilen Hot-Dog-Stand, der belagert war wie Troja vor 3.000 Jahren, und eine kleine Grill-Ecke, die erst spät am Mittag öffnete und rechtzeitig um 18 Uhr vor den Tageshöhepunkten wieder schloss.

Die Grill-Ecke war auch nur in soweit in Betrieb, dass sie die bekannten internationalen Grillspezialitäten Snickers und Mars servierte, wobei die Snickers alle waren. In der anderen Hallenecke befand sich zudem eine kleine Asia-Theke, vor der Menschen von ebenda dauerhaft eine Menschenschlange in Länge der chinesischen Mauer bildeten.

Wer gut zu Fuß war, konnte sich auch noch in einer Nebenhalle eine Bockwurst kaufen. Die dort fest eingebaute Gastro-Naturkatastrophe namens "Pick-Up" wurde von zwei resoluten Damen und einer männlichen Hilfskraft betrieben, die keiner der im Großraum Deutschland gebräuchlichen Sprachen mächtig war, was die interne Kommunikation eher unzureichend machte. Dafür hatte der Kollege aber in England eine Fortbildung im Bereich sehr langsames Biereinschenken ohne Schaumerzeugung gemacht. Ein insgesamt unzureichender Zustand, wenn man vor seinen beiden Kassen ungefähr die Hälfte der 8.000 Zuschauer stehen hat.

Als wir am späten WM-Nachmittag endgültig Schmeit wie die Weltmeister hatten, waberten Gerüchte durch die Arena, dass irgendwo ganz weit draußen im Messegelände auf einer der riesigen leeren Freiflächen ein Schnellimbiss stehe. Sogar mit richtigen Pommes. Mit einer Sprinteinlage, die eines chinesischen Weltranglistenersten würdig gewesen wäre, rannten wir durch endlose Gänge und unbeschilderte Tore – und dann stand er da im gleißenden Sonnenlicht: Rolands Grillhähnchenwagen, unser guter alter Bekannter, der jahrelang am Ausgang des Wuppertaler Hauptbahnhofs auswärtige Gäste als Wahrzeichen der Stadt begrüßt hatte.

Dort war er meistens ziemlich allein. Hier aber bildeten vor ihm Menschen aus Thailand, Trinidad und Tobago, Tschechien, Taipeh und vielen anderen der 130 Teilnehmernationen eine internationale 50-Meter-Reihe aus Fans, die beim Brathähnchen-Hoffnungslauf schneller waren als wir. Unser Sprintvermögen war wohl doch unzureichend ...

Bis die Tage!