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Nach Toreschluss – die Wochenendsatire
Roter Zwerg

Nach Toreschluss – die Wochenendsatire: Roter Zwerg
Rundschau-Redakteur Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Da kann ich ja wirklich nicht meckern: Forscher haben ein Sonnensystem mit gleich mehreren erdähnlichen Planeten entdeckt, auf denen es außerirdisches Leben geben könnte – und deren zuständigen zentralen Stern nach mir benannt: TRAPPIST-1!

Das ist eine sehr großzügige Geste und endlich der gerechte Lohn dafür, dass ich mir als Junge mit einem Kinder-Teleskop am offenen Fenster nächtelang den Hintern abgefroren habe. Durch das Ding sah der Mond übrigens nur unwesentlich kleiner aus als mit bloßem Auge.

Bei TRAPPIST-1 handelt es sich streng wissenschaftlich betrachtet um einen "Roten Zwerg". Der einzige mir bisher bekannte Rote Zwerg heißt Gregor Gysi, TRAPPIST-1 erweitert also mein Weltbild ganz erheblich. Natürlich würde man jetzt gerne mal nachgucken, wie es da aussieht und wer da so wohnt. Aber TRAPPIST-1 ist unglücklicherweise ziemlich weit entfernt. Der Flug da hin würde mehrere hunderttausend Jahre dauern.

Menschen, die schon einmal in der Schlange vor dem Einwohnermeldeamt am Steinweg gestanden haben, werden das für durchaus vertretbar halten. Wer vor den Schulferien einen Reisepass beantragen will, um nach TRAPPIST-1 oder Mallorca zu fliegen, wartet ja oft länger. Aber wenn man das schon auf sich nimmt, wüsste man doch wenigstens gerne, was einen da so erwartet. Zumal man es gar nicht mehr selbst erleben wird.

Falls Sie übrigens irgendwo lesen, dass TRAPPIST der Name des Observatoriums in Chile ist, von dem aus der Rote Zwerg entdeckt wurde, dann ist das natürlich Quatsch. Als ob man ernsthaft eine Sternwarte und einen Himmelskörper nach einer von Mönchen überwiegend in Belgien gebrauten Bier-Spezialität benennen würde. Das wird auch unmittelbar deutlich, wenn man den Spieß mal umdreht und sich vorstellt, oben auf TRAPPIST-1 würden die Bewohner genauso vorgehen und deren Teleskop hätte irgendwann in 40 Lichtjahren Entfernung einen blauen Gesteinsplaneten mit viel Wasser entdeckt. Dann wohnen wir nicht mehr auf der Erde, sondern auf VELTINS-1c.

Der Rote Zwerg heißt übrigens Roter Zwerg, weil er kleiner als unsere Sonne und längst nicht so heiß ist, dafür aber viel länger glüht. Es handelt sich also um einen sparsamen Niedrigtemperatur-Stern, der bestimmt auch von der EU gefördert wird, falls er entsprechende Anträge stellt. Immerhin kann er noch zehn Billionen Jahre weiter leuchten, wenn bei unserer Sonne schon Feierabend ist. Allerdings haben es die TRAPPISTen deshalb auch ein bisschen funzelig: Mittags ist es auf den erdähnlichsten Planeten TRAPPIST-1e, f und g (sie tragen keine eigenen Namen, damit nicht von mir abgelenkt wird – danke auch dafür!) 200 Mal dunkler als bei uns. Das müssen Sie sich ungefähr vorstellen wie im Urlaub beim Sonnenuntergang. Weil die TRAPPIST-1-Planeten außerdem ungefähr so schnell wie Nico Rosberg um ihre Sonne kreisen, ist da alle zwei Tage Neujahr.

Fassen wir also mal zusammen: Den ganzen Tag Sonnenuntergang, bei dem es ja erfahrungsgemäß überall Happy-Hour an der Bar gibt. Dazu immer abwechselnd Silvesterparty und Neujahrs-Chillen. Und garantiert weder Trump noch Putin an der Macht? Ich bin dann mal weg – so ungefähr 40 Lichtjahre ...

Bis die Tage!