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Nach Toreschluss – die Wochenendsatire
Protest mit Pussy Hat

Nach Toreschluss – die Wochenendsatire: Protest mit Pussy Hat
Yazgülü Zeybek. FOTO: Rundschau
Wuppertal. Mist, ich habe ihn schon wieder verpasst: Am 28. Februar war Weltkrokettentag und ich bin nicht hingegangen. Es ist aber auch wirklich nicht einfach, bei der Inflation von Gedenktagen noch die Übersicht zu behalten.

Um manche ist es nicht unbedingt schade. Ich denke da zum Beispiel an den "Hast du gepupst?"-Tag (5. Februar) oder den nur für einen Bruchteil der Menschheit relevanten Tag der Schwertschlucker am 23. Februar. Zum Glück nur in den USA wird außerdem am 14. Januar der nationale "Zieh dein Haustier an"-Tag begangen. Donald Trump will ihn jetzt aber auf nicht-muslimische Haustiere begrenzen.

Ich persönlich hatte auch intellektuelle Probleme mit dem internationalen Tag der seltenen Erkrankungen am 28. Februar. Grund war die Pressemitteilung mit dem einleitenden Satz: "Seltene Erkrankungen kommen häufiger vor als man denkt ..."

Deutlich erfolgreicher war am Mittwoch der Weltfrauentag. Bei dem geht es nicht um die Frau von Welt, sondern um die Gleichberechtigung von Frauen in aller Welt. Und da ist ja noch viel Luft nach oben. Frauen tauchen in den Führungsetagen großer deutscher Unternehmen meistens nur dann auf, wenn das Management bei einer Sitzung Kaffeedurst bekommt.

Weil sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass das gar nicht an den Fähigkeiten der Frauen, sondern an der Ignoranz der Männer liegt, hat die Bundesregierung den großen Firmen eine Frauenquote verordnet. Die dürfen sie allerdings selbst festlegen. Das ist ungefähr so, als würde man einen Bankräuber selbst wählen lassen, ob er drei Jahre ins Gefängnis gehen oder lieber freiwillig drei Jahre lieb sein will. Passend dazu hat das mit der Quote bei den im MDax notierten Unternehmen besonders gut geklappt: Drei Viertel von ihnen verpflichteten sich nach hartem Ringen mit sich selbst, null Frauen im Vorstand zu haben.

Grund genug, weiter engagiert für Frauenrechte zu kämpfen. Deshalb hatten sich die Wuppertaler Grünen für den Weltfrauentag eine aufsehenerregende Aktion ausgedacht: Zwei Aktivistinnen besetzten den Platz am Kasinokreisel, um das dort platzierte Kunstobjekt in Gestalt eines kopfstehenden Geschäftsmanns zum Fanal zu machen. Und zwar durch die Applikation eines Pussy Hats auf dem Kopf der Skulptur.

Pussy Hats kennen Sie vielleicht: Das sind diese pinkfarbenen Strickmützen mit Katzenöhrchen, die sich amerikanische Demonstrantinnen bei den Protestmärschen gegen den notorischen Frauenmissversteher Donald Trump aufgesetzt und damit zum internationalen Symbol gemacht haben. Durch deren flächendeckenden Einsatz sehen feministische Kundgebungen jetzt zwar immer aus wie der Kinderkarneval in Köln-Nippes, aber eine gewisse aufrüttelnde Wirkung haben sie trotzdem.

Neben dem dergestalt bemützten künstlichen Mann, so die Idee der Einsatzgruppe, sei eine Aktivistin zu platzieren, die ein Schild mit der aufrüttelnden Inschrift: "Männer haben Denkmäler, Frauen haben Zukunft!" zeige.

Theoretisch ein guter Plan, auch wenn das dafür erforderliche Stricken einer Mütze durch die Protestlerinnen natürlich gewisse überkommene Rollenklischees bedient. Praktisch tat sich aber vor Ort ein ganz anderes Gender-Problem auf: Wegen der ungünstigen Kombination aus der Geometrie des Kunstwerkes und der Körpergröße der Aktivistinnen kamen Letztere leider gar nicht nah genug an den Kappes des Kopfstehers heran, um das wüllene Häubchen zu montieren.

Ein schwerer Schlag für die Frauenbewegung, der in letzter Sekunde ausgerechnet von einem Mann abgewendet wurde: Aus dem kompletten Nichts zauberte ein Stadtverordneter vom Ölberg eine Leiter herbei und rettete die ganze Aktion sowie das Foto, mit dem Yazgülü Zeybek als frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Ratsfraktion jetzt doch noch ganz Wuppertal aufrütteln kann.

Zusammen bewegen Frauen und Männer offensichtlich doch immer noch am meisten ...

Bis die Tage!