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Nach Toreschluss – die Wochenendsatire
"O le sili ona lalelei o Fott"

Nach Toreschluss – die Wochenendsatire: "O le sili ona lalelei o Fott"
Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Haben Sie das auch gelesen? Demnächst sollen viel weniger ICEs in Wuppertal halten. Dafür muss man Verständnis haben. Wenn ich ein Zug wäre, würde ich auch nur ungern an unserem Hauptbahnhof stehen bleiben. So wie der aussieht, kann man sich da ja sonstwas holen!

Apropos sonstwas holen am Bahnhof: Unsere lokalen Mundartmusiker von den Striekspöen haben dieses Mobilitäts-Hygiene-Thema ja schon in ihrem legendären Lied "Am Ongerbarmer Bahnhof hängt Gedreten am Tuun, wie kömmt dat dann dohen?" thematisiert. Fragen Sie mich jetzt bitte nicht wieso, aber ich habe diese bedeutenden Zeilen neulich in den Google-Translator eingegeben.

Den Google-Translator kennen Sie sicherlich auch. Es handelt sich dabei um dieses nützliche Programm, das alle möglichen Sätze aus allen erdenklichen Sprachen automatisch in alle möglichen anderen Sprachen übersetzt. Zumindest theoretisch. Praktisch kommt dabei zum Beispiel in einer aus der exotischen Sprache Englisch ins Deutsche übersetzten Hotelkritik auf "tripadvisor" folgender Satz über die Schwebebahn heraus: "Die berühmte Tram ist ein muss gängige Praxis der Arbeit der lokalen Gemeinschaft bringt Sie vom Oberbarmen zu Konferenzraum Vohwinkel zu unseren kleinen entlang des Flusses und über die Straßen."

Da darf man doch in der umgekehrten Übersetzungs-Richtung von Deutsch nach Englisch mit dem Ergebnis beim Ongerbarmer Gedreten noch durchaus zufrieden sein: "At Ongerbarmer Bahnhof Gedreten am Tuun hangs, as dat then dohen". Weniger genau beurteilen kann ich die Qualität der automatischen Übersetzung dieser Zeilen in die Sprache Chichewa: "Pa malo osungirako zowonjezereka amamangirira Gedreten ku Tuun, momwe amachitiras". Das hat damit zu tun, dass ich sie gar nicht kenne, weil Chichewa nämlich die zweite Amtssprache im sogar noch deutlich hinter Cronenberg gelegenen Sambia ist.

Insgesamt ist aber festzustellen, dass Google wohl noch nicht genug Daten über Wuppertal und seine Sprache gesammelt hat. Das merken Sie, wenn Sie eine andere prägnante Striekspöen-Liedtextzeile in den Translator eingeben: "De schönste Fott van Elberfeld, jo die hätt use Mina." Diesen Satz erkennt Google automatisch als Luxemburgisch. Das ist falsch. In Luxemburg haben sie gar keine Mina, sondern nur eine Rosa.

Trotzdem kann man mit dem Satz im Translator was Schönes machen. Nämlich ihn auf Samoanisch übersetzen lassen: "O le sili ona lalelei o Fott o Elberfeld, oe o le a faʻaaoga Mina". Möglicherweise ist das genau so ein Schwachsinnssatz wie der mit der Schwebebahn, bei dem jeder Polynesier sofort vor Lachen rückwärts in die nächste Lagune fallen würde. Aber klingt er nicht einfach wunderschön?

Ich stelle mir gerade vor, wie Striekspöen-Sänger Paul Decker im Rahmen der nächsten Welttournee auf den Fidschi-Inseln mit Baströckchen und kreisenden Hüften "O le sili ona lalelei o Fott" singt. Ne, wat toff ...Nicht so schön ist dagegen der Versuch des Translators, die legendären Liedzeilen "Ob Barmen oder Elberfeld dat es egal, Vie send all‘ tosamen Jonges aus'm Tal" für Engländer verständlich zu machen.

Das heißt dann nämlich: "Whether Barmen or Elberfeld dat do not care, You send all the dead Jongs out of the valley." Wir schicken also alle toten Jungs aus dem Tal. Aber wie denn nur? Kommt doch kein Zug mehr.

Bis die Tage!

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