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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire
Lecker Bundesliga zum Sonntagsbraten

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Lecker Bundesliga zum Sonntagsbraten
Rundschau-Redakteur Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Man sich ja auf gar nichts mehr verlassen. Selbst die Eier legt man am besten selbst. Sonst ist da dieses Zeugs drin, das wie eine Spachtelmasse aus dem Baumarkt heißt und ähnlich gesund ist. Und auch mit dem Fußball wird es immer schwieriger: Wenn man wirklich sicher gehen will, welchen live zu sehen, sollte man im Garten zwei Tore aufstellen und die Nachbarskinder einladen. Im Fernsehen kommt nämlich keiner mehr. Von Roderich Trapp

Sie haben das vielleicht auch mitgekriegt: Damit die Bundesligaclubs demnächst auch 200 Millionen Euro für Bulzer ausgeben können, die häufiger ihre neue Frisur auf Instagram posten als ins Tor zu treffen, haben sie die Fernsehrechte an ihren Spielen für ein Schweinsvermögen an alle möglichen Bezahlsender verkauft, die niemand empfangen kann.

Damit die nicht vorhandenen Zuschauer auf diesen Sendern alle Spiele nacheinander sehen können, wurden zudem die Anstoßzeiten geändert. Die Bundesliga spielt jetzt Freitag, Samstag, Sonntag und gerne auch noch Montag, also eigentlich fast immer. Und das manchmal auch als Beilage zum Sonntagsbraten um 13.30 Uhr oder montags um 20.30 Uhr, um die Tourismusbranche anzukurbeln. Fans aus Freiburg müssen dann nämlich zwei Tage Urlaub nehmen, um ein Auswärtsspiel in Hamburg zu gucken.

Psychisch instabile Menschen mit viel Freizeit, die Kracher wie Augsburg gegen Hoffenheim verlässlich live und in Farbe sehen möchten, brauchen deshalb jetzt auch gleich zwei Abos: eins für 266 Spiele auf Sky und eins für die restlichen 40, die nur im Internet übertragen werden.

Fußballübertragungen im Internet sind super: Wenn man keine Breitband-Anbindung wie die NSA hat, dann bewegen sich die Spieler dabei so lustig ruckelig wie Super Mario in den 80er Jahren. Und die Partien sind auch viel spannender, weil der Stream gerne beim Torschuss hängen bleibt und man nicht weiß, ob der Ball rein geht.

Apropos: Kein Ball reingegangen ist ja am Montag, als der WSV in Wattenscheid gespielt hat. Das 0:0 wurde von Sport1 live übertragen. Allerdings etwas widerwillig, weil der Sender in den letzten Jahren um diese Zeit immer das Top-Spiel der 2. Bundesliga gezeigt hat. Das darf er jetzt nicht mehr und muss deshalb Regionalligaspiele bringen. Von denen sieht man aber nicht viel, weil Sport1 das Ergebnis des parallel laufenden Zweitligaspiels durchgehend zusammen mit dem der Regionalliga-Begegnung oben auf dem Bildschirm einblendet und unten auch noch einen Liveticker des Zweitligaspiels laufen lässt. Für das Regionalliga-Fernsehbild bleibt damit nur noch ein schießschartenartiger Schlitz im 100:9-Format, bei dessen angestrengter Betrachtung einem durch das Gewusel drumherum relativ schnell schlecht wird.

Der WSV und Wattenscheid haben nach furiosem Beginn auf Wunsch der Regie darauf Rücksicht genommen und in der 2. Halbzeit von weiteren störenden Angriffsaktionen Abstand genommen, damit sich die Zuschauer ganz auf die nicht im Bild befindliche Zweitligapartie konzentrieren konnten.

Merken Sie sich also folgende Faustregel: Je mehr Fußball im Fernsehen gezeigt wird, desto weniger gibt es zu sehen. Und nächste Woche erkläre ich Ihnen dann, warum Sie sich im Zweiten Programm bei der Champions League auf die Liveübertragung von Brauseball Leipzig gegen Barfuß Wladiwostock freuen dürfen, während Borussia Dortmund ganz ohne öffentlich-rechtelose Zuschauer gegen Real Madrid spielt.

Bis die Tage!