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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire
Kannze vergessen

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Kannze vergessen
Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Wuppertaler haben ja diese ganz spezielle Eigenschaft, Dinge generell erst mal nicht gut zu finden, bis man ihnen das Gegenteil beweist. Interessanterweise erstreckt sich das auch auf Sachen, die sie noch gar nicht kennen.

Wenn beispielsweise irgendwo ein neues Restaurant oder ein neues Geschäft aufmacht, werden Sie dazu vom durchschnittlichen Eingeborenen folgende Auskunft bekommen: "Den Laden kannze auch vergessen!" – "Warst du denn schon mal da? – "Nee."

Start-Ups und neue Ideen haben es deshalb in Wuppertal nicht leicht. Manchmal können dabei aber auch ganz banale Dinge zu größeren Komplikationen führen. Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel. An der Nordbahntrasse hat vor einiger Zeit der "Bahnhof Blo" aufgemacht. Das ist ein großartiger Platz in der alten Goldzack-Fabrik an der Wiesenstraße mit einem sehr schicken Café unten und einer Kletterhalle oben drin. Einziger Fehler: Gerade der etwas rustikalere Wuppertaler kommt mit dem Namen nicht zurecht. Das führt zu solchen Dialogen: "Warst du schon mal im Bahnhof Blo? Ist echt toll da!"- "Bahnhof Loh? Kannze vergessen, hat ja nie auf." "Nein, Blo, nicht Loh." "Wo dann am Loh?" "Nein, Blo. In Elberfeld." - "Kenn ich nich, kannze vergessen."

Mit exotischen Gastronomie-Namen, die ja immer mehr um sich greifen, tun sich Wuppertaler übrigens generell schwer. Ich erinnere mich noch gerne an die Rentnerin, die sich bei mir beschwerte, dass wir zu wenig Restaurants mit handfester bergischer Küche hätten. "Stattatt mal einer sowatt aufmacht, gipptet getz ein schwäbisches Restorang mitten inne Stadt. Wat soll dattann?" Ich musste kurz nachdenken und verstand dann: Sie hatte in Elberfeld das "Noi" entdeckt.

"Unter diesem Gesichtspunkt könnte der Ureinwohner auch die Burger-Schmiede "Food Brothers" in den falschen Hals kriegen. "Fottbroters? Kannze vergessen – wer soll dattann essen?" Und letztlich muss man natürlich auch, befürchten, dass sich so ein richtiger oller Elberfelder tatsächlich anfängt zu kratzen, wenn er in der Bankstraße zufällig am Restaurant "Yukisaki" vorbei kommt ...

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