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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire
Im Schilderwa(l)ld

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Im Schilderwa(l)ld
Fast schon Straßenkunst ... FOTO: Norbert Bernhard
Wuppertal. Junge, Junge, mit Ihnen kann man arbeiten: Ich danke allen Lesern, die mir nach dem Hilferuf vorige Woche schriftlich und telefonisch bei der Interpretation der rätselhaften Wuppertaler Mundart-Wörter geholfen haben. Ihre Zusendungen habe ich – so weit möglich – auf www.wuppertaler-rundschau.de (hier klicken!) zusammengefasst. Das Internet kann ja zum Glück nie überlaufen. Von Roderich Trapp

Eine Zuschrift diese Woche hatte aber nichts mit Mundart zu tun, obwohl der Verfasser auch platt war: Rundschau-Leser Norbert Bernhardt hat beobachtet, wie viele Autofahrer mit der Umkehrung der Einbahnrichtung auf der Schlossbleiche und dem Durchfahrtverbot am Wall nicht zurechtkommen. In diesem Bereich ist bekanntlich gerade alles ein bisschen anders, weil um die Ecke seitlich der B 7 geteert wird und die Busse andere Wege nehmen müssen. Folge: 25 illegale Einfahrten in den Wall zählte Norbert Bernhardt hier in 20 Minuten.

Wenn man sich allerdings mal den Schilderwald an der Ecke Wall und Schlossbleiche anguckt, den Norbert Bernhardt fotografiert hat (Bild rechts), sind das eigentlich überraschend wenig. Sehen wir uns dieses Wunderwerk der modernen Verkehrslenkung doch mal näher an. Insgesamt zählen wir hier auf wenigen Quadratmetern zwölf Hinweise in Schilderform, deren Lektüre und intellektuelle Verarbeitung die nächsten 80 Zeilen in Anspruch nehmen werden.

Farblich hervorstechend und damit besonders augenfällig ist in diesem Ensemble natürlich das blaue Schild mit dem weißen Pfeil. Es bedeutet dem nahenden Autofahrer, dass er hier nicht abbiegen, sondern nur geradeaus fahren darf. In der Praxis erweist sich das allerdings als tendenziell schwierig. Denn Schilder Nummer zwei, drei, vier und fünf verbieten genau diese Geradeausfahrt. Es sei denn, der Fahrer steuert einen Bus oder ein Taxi oder will ein Paket in die City liefern.

Während man aber noch überlegt, ob man möglicherweise ein gelbes Schild auf dem Dach oder 40 Passagiere hinter sich sitzen hat, dräut schon das nächste Problem. Denn nicht geradeaus fahren darf man höchstens mit 20 Kilometern pro Stunde. Und dann sind die oben noch freigegebenen Taxis auch noch unten wieder gestrichen. Genau wie die Radfahrer, die ihre Durchfahrtsgenehmigung offensichtlich leichtsinnig verspielt haben.

Es spricht für den feinen Humor der Verkehrsplaner, dass sie das Ensemble auch noch um das riesige weiße Geradeaus- und Linksabbiegespurschild im Hintergrund ergänzt haben. "Wenn du links abbiegen dürftest, dann hätten wir eine Spur für dich", ruft es dem Autofahrer zu, dem es auch noch einen speziell für ihn reservierten Weg geradeaus weist, den er keinesfalls benutzen darf. Von rechts wollen wir gar nicht erst reden. Denn da ist ja Fußgängerzone.

Ich fasse bis hierhin mal zusammen: An dieser Stelle Wuppertals darf ich nirgendwohin fahren, und das auch nur in Schrittgeschwindigkeit. Stehen bleiben geht auch nicht, denn das verbietet das Halteverbotsschild rechts. Insgesamt eine missliche Lage, aus der man nach Würdigung aller Möglichkeiten eigentlich nur entkommen kann, indem man sein Auto in die benachbarte Wupper wirft und zu Fuß weiter geht.

Das allerdings ist auch nicht so einfach. Der Durchgang für Fußgänger ist nämlich ausweislich des Schildes Nummer zehn ebenfalls verboten. Es sei denn, man ist eine Frau mit Kind an der Hand (Schild elf), dann darf man auf der gegenüber liegenden Seite weitergehen. Um zu vermeiden, dass Frau und Kind beim Überqueren der Straße von mit weniger als 20 Kilometern pro Stunde weder geradeaus noch links fahrenden Autos überrollt werden, hat man den Hinweis an Autofahrer auf Schild zwölf, hier den Fußgänger-Querverkehr zu beachten, konsequenterweise gestrichen.

Wenn Sie über diesen Satz länger nachdenken, dann werden Sie entweder bekloppt oder ein gewisses Verständnis dafür entwickeln, warum an dieser Stelle so viele Autos einfach knatschdich geradeaus fahren.

Eins muss man der Stadt allerdings lassen: Der Name Wall hat noch nie so gut zu dieser Straße gepasst wie heute ...

Bis die Tage!