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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire
"Ich sach mal so ..."

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: "Ich sach mal so ..."
Rundschau-Redakteur Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. "Ich sach mal so ..." - Sätze, die so anfangen, gehen mir auf die Nerven. Möglicherweise ist Ihnen das ja auch schon aufgefallen: Weil heute offensichtlich keiner mehr wirklich etwas zu sagen hat, relativiert man das, was man trotzdem noch zu sagen hätte, durch merkwürdige Zusätze. Eben zum Beispiel durch "Ich sach mal so ..."

"Ich sach mal so ..." zu sagen ist Quatsch, weil ja die anschließende Äußerung als solche nahe legt, dass man sie genau so sagt, wie man sie sagt, und nicht irgendwie anders. Sonst würde man ja sagen: "Ich sach mal anders ..."

"Ich sach mal so ..." ist dabei aber nur die hässliche kleine Schwester des noch viel schlimmeren "Ich würde sagen ...". Wer "ich würde sagen" sagt, sagt das, was er danach sagt, doch wirklich. Er würde es also nicht nur gesagt haben, sondern sagt es tatsächlich, traut dem, was er sagt, aber offensichtlich nicht. Sonst würde er ja nicht würde sagen. "Ich würde sagen ..." ist Konjunktiv, bezeichnet also etwas nicht Reales. Folglich sollte man nach dieser Einleitung streng grammatikalisch betrachtet also genau genommen gar nichts mehr sagen. Das passiert aber leider nie-

Toppen lässt sich das noch mit dem ebenfalls sehr beliebten Satzzusatz "wenn Sie so wollen". Was will uns das eigentlich sagen? Ob ich so will, ist ja meine Sache. Das lasse ich mir ungern vorschreiben. Und wenn ich nicht so wollte, müsste ich dem Redner doch sofort ins Wort fallen, was aber gar nicht geht, weil er ja noch gar nicht gesagt hat, was ich anschließend so wollen würde.

Was ich definitiv nicht will, sind übrigens Sätze mit "ein Stück weit". Diese Königin der Unverbindlichkeitsfloskeln muss es neulich irgendwo so günstig im Sonderangebot gegeben haben, dass Politiker sie bergeweise in ihr Phrasendepot eingelagert haben. Sie werden daher in jedem Kommentar zu den Koalitionsverhandlungen hören, dass man ein Stück weit Kompromisse machen musste, sich bei den Positionen ein Stück weit näher gekommen ist oder ein Stück weit zurückrudern musste.

Da wir in Deutschland entfernungstechnisch normalerweise in Metern und nicht in Stücken rechnen, weiß logischerweise kein Mensch, was das eigentlich bedeuten soll. Ist "ein Stück weit" eher nah dran oder doch 80 Kilometer weg? Und warum kann in diesem Land eigentlich niemand mehr ohne doppelten Boden reden?

Wenn Sie mich fragen (übrigens auch so eine großartige Floskel, denn Sie fragen mich ja in Wirklichkeit gar nicht, kriegen aber trotzdem eine Antwort), dann würde ich sagen, ich sach mal so: Wenn Sie so wollen sollte man vielleicht einfach mal wieder Butter bei de Fische tun und sonst einfach ein Stück weit den Mund halten. Wobei das Stück in diesem Fall ruhig ziemlich weit sein kann.

Bis die Tage!

 
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