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Nach Toreschluss – die Wochenendsatire
Ich bin inne Bredullje

Nach Toreschluss – die Wochenendsatire: Ich bin inne Bredullje
Rundschau-Redakteur Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Mensch, heute ist mir die ganze andere Arbeit aber echt auf die Zeit geschossen. Dabei muss ich ja hier auch noch wacker was hinschreiben, bevor gedruckt wird. Jetzt bin ich echt inne Bedrullje. Über diese Bedrullje wollte ich übrigens auch schon immer mal schreiben. Wo ist die eigentlich? Das weiß keiner, obwohl ja jeder von uns da ziemlich oft reinkommt. So wie ich jetzt, weil mir gerade nichts Lustiges einfällt. Von Roderich Trapp

Für diese Fälle habe ich mir zum Glück kleine Zettel gemacht. Auf einem steht der Titel einer Pressemitteilung, die mich vor zwei Wochen völlig aus der Bahn geworfen hat: "SPD Wuppertal gegen Erhöhung der Militärausgaben". Ich wusste nämlich bis dahin noch gar nicht, dass Wuppertal eine Armee hat. Aber das scheint dann ja wohl so zu sein.

Wofür mag sie eingesetzt werden? Plant der Stadtkämmerer einen Erstschlag gegen die Landesregierung in Düsseldorf, die bei uns immer wieder Leistungen bestellt, die sie dann nicht bezahlen will? Oder wurden kurzfristig Rekruten ausgehoben, damit Wuppertal beim bevorstehenden Pokalspiel zwischen den WSV und Rot-Weiß-Essen wenigstens die Schlacht vor dem Stadion gewinnt? Bedrohen möglicherweise Schwelmer Milizen unsere Ostgrenze oder gibt es Aufstände von Freischärlern, die für ein unabhängiges Cronenberg kämpfen und deren Kotten deshalb geschleift werden sollen?

Keine Sorge, die SPD Wuppertal meint in Wirklichkeit die Militärausgaben der Bundesregierung. Die sollen drastisch erhöht werden, weil die tägliche Herstellung der aufwändigen Föhnfrisur von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen mit dem bisherigen Etat nicht mehr darstellbar ist. Außerdem wünscht sich Donald Trump ja, dass seine Nato-Partner gut ausgerüstet sind, wenn sie demnächst an seiner Seite in Mexiko und China einmarschieren müssen oder Fake News produzierende Pressehäuser besetzen sollen.

Moment, zu Trump hatte ich mir doch auch noch einen Zettel gemacht, weil der sich so über die obersten Richter aufregt, die seine von Betonköpfen mit Spatzenhirnen sorgfältig konzipierten Einwanderungsgesetze einfach kippen. Ah, da ist er ja. Was steht drauf? "US-Präsident hält Justitia wahrscheinlich für eine New Yorker Edel-Prostituierte ..."

Zettel kann also weg. Aber da liegt ja noch einer – mit dem Wort "Quitten-Twist". Dabei handelte es sich um die Tages-Getränkespezialität in einem angesagten Elberfelder Café, die mich nicht nur geschmacklich faszinierte. Denn vielleicht haben Sie noch meine vor einigen Wochen hier ausgebreitete Theorie über den Wuppertaler Guttural-Knacklaut in Erinnerung, den nur Einheimische produzieren können und der zur einzigartigen Aussprache von Worten wie Köttel oder Kottenbutter führt. Da wird dann Kö-öl oder Ko-ön-bu-toh draus. Jetzt stellen Sie sich mal vor, da bestellt vor Ihnen erst so ein Hipster feingliedrig einen buchstabentechnisch komplett vollständigen "Quitten-Twistttt" und fragt dann noch, ob der vegan ist. Und dann kommt ein waschechter Wuppertaler vorgerückten Alters und will wissen: "Kwi-ön Twißt – wat is dattann?" Schöner kann man gar nicht darauf gestoßen werden, wie schön eine eigene Identität ist.

Apropos "wat is dattann?" – da hätte ich noch den letzten Zettel. Der erinnert mich an die immer bescheuerter werdenden Namen für oft durchaus sinnvolle lokale Projekte. Im Angebot wäre heute die Einladung zur Eröffnung von "ARCHIV ZweiNullZwei, das Ladenlokal von ARRIVAL CITY_Fokus Heckinghausen" am 23. März. Da haben wir immerhin noch ein paar Tage Zeit zu überlegen, was das sein könnte. Ich vermute, es geht auch irgendwie um Leute, die inne Bredullje sind ...

Bis die Tage!

 
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