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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire
Fernstraßenbeschilderungsasylant

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Fernstraßenbeschilderungsasylant
Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Wer regelmäßig unsere Samstagsausgabe liest, der weiß, dass ich mich im November an dieser Stelle über eine verkehrstechnische Gräueltat erster Güte aufgeregt habe: Damals hatte uns ein aufmerksamer Leser darauf hingewiesen, dass auf der A3 am Autobahnkreuz Leverkusen die Hinweise auf "Wuppertal-West" (weiter über die A3) und "Wuppertal-Ost" (rechts ab auf die A1) ersatzlos von den Hinweisschildern gestrichen worden sind.

Inzwischen haben wir vom Landesbetrieb "Straßen.NRW" auch die Erklärung bekommen, warum das so ist. Und jetzt rege ich mich noch mehr auf. Ich darf mal zitieren, was die uns geschrieben haben: "Die Ziele an Autobahnen werden vom Bundesministerium für Verkehr festgelegt und in einem sogenannten Zielverzeichnis dargestellt. Das Ziel Wuppertal ist bereits im Zielverzeichnis von 2007 nicht mehr enthalten. Es besteht wohl keine verkehrliche Notwendigkeit, dieses Ziel in der Wegweisung zu zeigen. Änderungen des Zielverzeichnisses werden je nach Dringlichkeit vor Ort umgesetzt. Da hier erst jetzt größere Änderungen an der Beschilderung notwendig wurden, ,durfte' das Ziel Wuppertal länger sichtbar bleiben. Üblicherweise werden in Autobahn-Kreuzen (und Dreiecken) nur ein Fernziel und ein Nahziel genannt."

Ich fasse mal zusammen: Wuppertal ist also seit mehr als zehn Jahren aus verkehrstechnischer Sicht nicht mehr erwähnenswert. Und unser Oberbürgermeister müsste dem Bundesverkehrsminister eigentlich die Füße dafür küssen, dass sein kröpeliges Städtchen trotzdem noch weit über 2007 hinaus ohne wirkliche Legitimation auf dessen edlen Wegweisern zu Gast sein durfte.

Wuppertal war also quasi eine Art Fernstraßenbeschilderungsasylant mit Duldungsstatus, der jetzt endgültig abgeschoben wurde. Ein ähnlich tragischer Fall wie manches Flüchtlingsschicksal, weil die Hinweise "Wuppertal-Ost" und "Wuppertal-West" gerade für Auswärtige durchaus nützlich waren. Es ist schließlich von der Anfahrt her ein gewisser Unterschied, ob man nach Vohwinkel oder Langerfeld will. Ganz abgesehen davon wäre auf den riesigen Schildern eigentlich Platz genug gewesen, neben Wuppertal auch noch die gesammelten Memoiren von Helmut Schmidt abzudrucken. Aber wer nicht im Zielverzeichnis steht, der muss eben raus.

Da die letzten vier Bundesverkehrsminister alle von der CSU gestellt wurden, überrascht dieses Vorgehen nicht wirklich. In München sieht man wahrscheinlich grundsätzlich keine verkehrliche Notwendigkeit, Ziele jenseits des Weißwurstäquators in der Wegweisung anzuzeigen. Und Wuppertal hält man dort mit Sicherheit für eine Art Fachwerk-Haufendorf am Flussufer, das auch gebrechliche Rentner locker in zehn Minuten zu Fuß umrunden können.

Sollten Sie zufällig mal den neuen Verkehrsminister Andreas Scheuer (natürlich von der CSU) treffen und ihn auch noch erkennen, was in dieser Kombination eher unwahrscheinlich ist, dann erzählen Sie ihm doch mal, dass Wuppertal ungefähr die gleiche Fläche hat wie die zweitgrößte Stadt Bayerns. Und fragen Sie mal, ob er Nürnberg auch für ein nicht ausschilderungswürdiges Ziel halten würde. Er wird sie dann mitleidig anschauen, weil er sie für geistig verwirrt hält, und seinen Referenten anweisen, Ihnen zum Trost ein Weißbier auszugeben.

Von Wuppertal hatte er zwar irgendwann schon vage gehört. Aber wenn dieses Örtchen auch nur halbwegs von Bedeutung wäre, würde es ja wohl mal irgendwo ausgeschildert sein ...

Bis die Tage!