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Nach Toreschluss – die Wochenendsatire
Eine Schraube locker

Nach Toreschluss – die Wochenendsatire: Eine Schraube locker
Rundschau-Redakteur Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Früher hieß es beim Kauf elektronischer Geräte ja gerne: "Soll es funktionieren oder darf es auch was von Siemens sein?" Da könnte natürlich der Verdacht aufkommen, dass die neuen Schwebebahnen auch von Siemens sind. Gebaut wurden sie aber von einer Düsseldorfer Firma im spanischen Valencia, was in dieser Kombination offensichtlich ähnliche Auswirkungen wie die Produktion bei Siemens hat. Von Roderich Trapp

Als erstes gab es Probleme mit den Türen, die zwar gelegentlich auf und zu gingen, aber selten zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Reihenfolge. Der Praxistest zeigt: Wenn sich Türen erst bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof öffnen, ist das für das Besteigen oder Verlassen eines Waggons eher kontraproduktiv.

Immerhin scheint der Fehler jetzt gefunden: In Valencia kennt man Wasser im wesentlichen aus dem Mittelmeer und weniger als tropfenförmigen Niederschlag von oben, landläufig auch Regen genannt. Davon hat Wuppertal im Jahr ungefähr dreimal so viel wie Valencia, was für an mediterranes Klima gewöhnte Ingenieure offenbar eine Menge jenseits der Vorstellungskraft ist. Deshalb sind die Ultraschall-Sensoren, die der Schwebebahn verraten, dass sie in einem Bahnhof ist, bei Regen sozusagen abgesoffen. Jetzt haben die einen hübschen Schutz aus Moosgummi bekommen und es soll wieder funktionieren.

Nun könnte man meinen, dass aufmerksame Schwebebahnfahrer auch selbst merken, wenn die Bahn im Bahnhof angekommen ist und sie die Türen öffnen können. In den letzten 116 Jahren hat das nach meinem Eindruck eigentlich ganz gut geklappt. Aber man traut Menschen im Allgemeinen ja heute immer weniger zu. Deshalb ist wahrscheinlich an den neuen Schwebebahnen auch vorne ein Digital-Display dran, das anzeigt, in welche Richtung die Bahn fährt. Zur Auswahl stehen "60 Oberbarmen" und "60 Vohwinkel". Das ist eine wichtige Orientierungshilfe im verwirrend weit verzweigten Liniennetz der Schwebebahn.

Erfahrene Schwebebahnbenutzer wissen zwar, dass schon durch die Wahl des Aufgangs und damit der Bahnsteigseite eine durchaus richtungsweisende Vorentscheidung fällt. Aber die neue Beschriftung an der Stirnseite gibt einem als Fahrgast dann doch das sehr gute Gefühl, ganz bestimmt nicht versehentlich in der Bahn nach Nächstebreck oder Ronsdorf zu sitzen. Und man muss ja auch mal an Auswärtige denken, die sich dann nur fragen werden, wohin die Linien 59 und 61 eigentlich fahren.

Ich persönlich bin übrigens sehr gerne mit den neuen Schwebebahnen unterwegs, weil man so schön rausgucken kann. Vor allem hinten am Panoramafenster. Am Panorama müsste man zwar manchmal noch etwas arbeiten, aber insgesamt ist das schon ein Highlight. Deshalb bin ich auch sauer, dass einer neuen Schwebebahnzüge jetzt in der Kurve eine Schraube locker hatte. In der Kurve eine Schraube locker haben, kannte man bisher nur von manchen Motorradfahrern bei schönem Wetter sonntags in der Kohlfurt. Die Schwebebahn ist aber gar nicht zu schnell gefahren und trotzdem an ihrem Gerüst langgeschrappt, was zu kleinen Schäden am Bremszylinder geführt hat.

Die Ursache muss jetzt erstmal unter der südlichen Sonne von Valencia genau beleuchtet werden, was dazu führt, dass vorläufig keine neuen Waggons mehr kommen. Da wollen wir mal hoffen, dass die Bremsanlage nicht von Siemens ist, sonst kann das alles noch dauern ...

Bis die Tage!

 
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