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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire
Ein Willy-Brandbrief

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Ein Willy-Brandbrief
Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Das sind doch mal interessante Nachrichten: Wegen des großen Misserfolgs wird der Weihnachtsmarkt in Elberfeld auch die nächsten fünf Jahre von der Agentur ausgerichtet, die ihn immer schon verunstaltet, pardon: veranstaltet hat. Andere Bewerber haben sich leider auf die städtische Ausschreibung hin nicht gemeldet. Von Roderich Trapp

Vielleicht hat das ja daran gelegen, dass sich Agenturen aus fernen Städten diese Ausschreibung angeguckt und festgestellt haben, dass die Wuppertaler Stadtverwaltung nicht mal weiß, wie man Willy Brandt schreibt. Die nach dem Ex-Kanzler benannte Fläche zwischen Elberfelder Rathaus und steht nämlich in der Ausschreibung als "Willy-Brand-Platz" ohne "t" hinten am Nachnamen. Offensichtlich spart unsere Verwaltung nicht nur am Personal, sondern jetzt auch an den Buchstaben. Und für eine Stadt, die sich nicht mal mehr ein kleines t leisten kann, will natürlich keiner arbeiten ...

Das mit den Personalproblemen im Rathaus begegnet einem ja jetzt überall. Bis jemand eine Baugenehmigung bekommt, muss er meistens schon wieder renovieren. Wer im Einwohnermeldeamt einen Kinderausweis beantragen möchte, sollte sich möglichst schon vor der Zeugung online einen Termin besorgen. Die Schwimmbäder werden aus Sicherheitsgründen demnächst nur noch mit entleerten Becken betrieben, weil es keine Bademeister mehr gibt. Und in den Kitas wird dem ältesten Kind ein Schnurrbart angeklebt, wenn kein Erzieher mehr da ist. Es kann dann die Gruppe leiten ...

Wobei es mit der Stadtverwaltung ja paradox ist: Tut sie etwas, sind die Bürger gerne sauer darüber. Tut sie nichts, mosern auch alle. Und früher konnte man wenigstens noch Witze darüber machen, dass im Rathaus niemand arbeitet. Jetzt ist aber kaum noch jemand da, der nicht arbeiten könnte.

Interessant sind auch die Folgen, wenn jetzt das kleine "t" im Rathaus eingespart werden muss. Dann ist man da ja nicht mehr als Beamter, sondern als Beamer tätig. An die würde ich mich dann gerne wenden wollen und einen Antrag darauf stellen, zur Erholung von den Wuppertaler Verhältnissen irgendwo anders hin gebeamt zu werden. Zum Beispiel nach Köln. Da ist auch nicht alles perfekt, aber die haben da immerhin noch einen Weihnachtsmarkt mit richtiger Beleuchtung und sogar einen Willy-Brandt-Platz mit "t" ...

Bis die Tage!

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