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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire
Ein Wasser-Fall

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Ein Wasser-Fall
Rundschau-Redakteur Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Pfingsten feiern Gläubige ja jedes Jahr die Entsendung des Heiligen Geistes. Manchmal kommt Pfingsten aber auch noch etwas anderes bei den Menschen an. Zum Beispiel ein Grundabgabenbescheid der Stadt Wuppertal.

Selbigen hatte ein an der idyllischen Konradshöhe ansässiges älteres Ehepaar dieses Jahr Pfingstsamstag im Briefkasten. Aus Diskretionsgründen und mit Blick auf den Inhalt des Schreibens wollen wir es Ehepaar Neptun nennen.

Bei dem Schriftstück handelte es sich genau genommen um einen Änderungsbescheid, in dem die Grundabgaben für das Häuschen der Neptuns und ihren Zwei-Personen-Haushalt neu festgesetzt werden. Demnach ergibt sich wegen eines erhöhten Wasserbrauchs eine geringfügige Nachzahlung – und zwar in Höhe von 26.960,78 Euro.

26.960.78 Euro für Wasser sind tendenziell viel und durchaus geeignet, Menschen beim Erhalt eines solchen Bescheides sofort mit Herzinfarkt tot umfallen zu lassen. Das droht insbesondere, wenn der Empfänger wie Herr Neptun schon mal einen gehabt hat und das Schreiben Pfingstsamstag eintrifft, weil man dann ja drei Tage warten muss, bis man sich bei der Stadt erkundigen kann, ob da vielleicht etwas nicht stimmt.

Dafür gab es immerhin gewisse Anhaltspunkte. Um die im Bescheid ausgewiesenen rund 3.000 Kubikmeter Wasser in einem Jahr zu verbrauchen, muss man nämlich zum Beispiel ungefähr 138 Tage rund um die Uhr duschen. Sollte einer der Eheleute Neptun so etwas gemacht haben, wäre es dem Partner mutmaßlich aufgefallen. Oder hat es Frau Neptun vielleicht mit der Reinlichkeit etwas übertrieben und in einem Jahr knapp 67.000 Maschinen Wäsche gewaschen? Das erfordert bei rund sieben Maschinen pro Tag allerdings einen sehr großen Kleiderschrank, weil da sonst dauerhaft nichts mehr drin hängt.

Unsensible Freunde frotzelten, die Neptuns könnten auf eigene Kosten das Freibad Mählersbeck befüllt haben. Da stellt sich angesichts der Menge aber die Frage: Warum gleich zweimal?

Mangels näherer Erkenntnisse verbrachte das Ehepaar Neptun also drei schlaflose Nächte (wenigstens nicht im Wasserbett) und grübelte darüber nach, ob möglicherweise irgendwo Rohre gebrochen sein könnten oder Nachbarn der unmittelbar angrenzenden Konradswüste Wasserleitungen angezapft haben, um sich private Palmenoasen zu schaffen.

Erst dienstags brachte ein Besuch in der Stadtkasse die Erleichterung: Tatsächlich mussten die Neptuns nachzahlen – allerdings nicht 26.960,87, sondern nur 8,83 Euro. "Haben Sie noch nie einen Fehler gemacht?", lautete dazu die Auskunft des zuständigen verbeamteten Kassenwartes.

Doch, möchte man ihm antworten. Aber dann haben wir uns wenigstens entschuldigt. Dafür hat es im Fall der Neptuns leider nicht gereicht. Bis die Stadtverwaltung sowas auch noch kann, fließt wahrscheinlich noch viel mehr Wasser die Wupper runter als das, was die Neptuns gar nicht verbraucht haben ...

Bis die Tage!