| 08.00 Uhr

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire
Ein Merz Anfang November

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Ein Merz Anfang November
Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Wenn Anfang November plötzlich der Merz wieder da ist, merkt man, dass in unserem Land große Konfusion herrscht. Die Abkürzung für Große Konfusion kennen Sie sicher: Sie lautet GroKo. Ich weiß: Früher stand das auch mal für Große Koalition, aber haben Sie den Eindruck, dass die in Berlin noch existiert? Von Roderich Trapp

Meiner Meinung nach ist die Große Koalition längst an Morbus Seehofer gestorben und hat aus ihren Mitgliedern Polit-Zombies gemacht, die jede Woche mit leichenblassen Gesichtern die neuesten Landtagswahl-Niederlagen erklären müssen. Und jetzt tritt auch noch Angela Merkel zurück, damit sie nicht irgendwann über ihre immer tiefer herabhängenden Mundwinkel stolpert.

Nein, die Politik ist in keinem guten Zustand, was nach meiner Beobachtung durchaus an den Politikern liegen könnte. Früher hat man die gewählt, damit sie regieren. Heute kommen die gar nicht mehr zum Regieren, weil sie sich nur noch mit dem Gewähltwerden beschäftigen. Wir erinnern uns ja alle noch, dass CDU und SPD nach der Wahl 2017 ein halbes Jahr gebraucht haben, um überhaupt eine Regierung zu bilden.

Leider bot der dabei ausgehandelte Koalitionsvertrag mehr Interpretationsmöglichkeiten als Goethes Faust, weshalb außer einer Diätenerhöhung im Dezember auch noch nichts Wesentliches beschlossen werden konnte. Nach knapp der Hälfte der Legislaturperiode mehren sich jetzt aber Stimmen aus Reihen der Regierung, die besagen, dass man langsam mit der Sacharbeit anfangen muss. Wird auch Zeit, bisher gab es ja eigentlich nur Kracharbeit.

In Wuppertal hatten wir bis vor ein paar Tagen übrigens auch eine GroKo. GroKo stand hier aber nicht für Große Koalition, sondern für Große Kooperation zwischen SPD und CDU im Stadtrat. Diese Kooperation diente 13 Jahre lang in erster Linie dazu, nicht mit anderen Parteien kooperieren zu müssen.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Rund um den neuen Döppersberg ist bis auf Primark, den Bahnhof und das Outlet fast alles fertig, schöne Weihnachtsmärkte kennen Wuppertaler nur noch aus Reiseprospekten, statt Tanztheater haben wir ständig Theater mit dem Tanz, die Forensik kommt jede Woche woanders hin und mit ihrem eigenen Rechtsdezernenten verkehrt die Stadt nur noch per Anwalt, weil ihn die GroKo rausgeworfen hat.

Diese Erfolgsbilanz möchte die CDU jetzt lieber im Alleingang weiter ausbauen, damit sie 2020 bei der Kommunalwahl den SPD-Oberbürgermeister wieder ablösen kann. Dafür fehlt zwar aktuell noch der geeignete Kandidat und mutmaßlich auch die eine oder andere Stimme.

Aber wenn die GroKo in Berlin demnächst platzt, werden ja vielleicht kurzfristig geeignete Politiker frei. Falls das in Berlin mit ihm keinen gippt, kriegen wir Wuppertaler dann vielleicht in zwei Jahren mitten im Herbst einen Merz ...

Bis die Tage!

Die Rundschau-Radrunde