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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire
Der Schwebebahn-Emoji-Skandal

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Der Schwebebahn-Emoji-Skandal
Die iOS-Version. FOTO: Screenshot
Wuppertal. Emoji ist kein kurzfristig vom WSV nachverpflichteter Außenverteidiger aus Japan, sondern ein Bildschriftzeichen, das in SMS-, WhatsApp- oder Twitter-Nachrichten eingefügt wird. Emojis sind auf dem besten Weg, normale Buchstaben weitgehend zu verdrängen.

Früher hätten wir angesichts des Wetters vielleicht noch gesimst: "Leck mich am Bein, wat is dat heiß!". Heute schicken die meisten Leute bloß noch eine 1 x 1 Millimeter große Zeichnung, die ein gelbes Mondgesicht mit Schweißtropfen zeigt und mutmaßlich von einem Roboter im Vorschulalter gestaltet wurde. Geschwätzige Menschen setzen vielleicht noch ein stilisiertes Glas Bier oder einen Bikini ohne Frau drin dazu.

Unter dem Gesichtspunkt der Komplexität der Ausdrucksform betrachtet ist das so, als würden wir uns langsam wieder in die Zeit zurückentwickeln, in der Nachrichten überwiegend mit Tierblut an Höhlenwände gemalt wurden. Deshalb hasse ich Emojis.

Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald

Und das erst Recht, nachdem ich erfahren habe, dass die Schwebebahn zu den unbeliebtesten Emojis auf Twitter gehört. Sie rangiert auf einer Stufe mit den Symbolen für "Passkontrolle" und "Abfall wegwerfen", aber deutlich hinter "Eberkopf" oder "Pudel". Das ist ein Skandal.

Nun muss man allerdings auch einräumen, dass es etwas schwierig ist, eine eher schlanke und lange Schwebebahn in ein stecknadelkopfgroßes Mini-Bildchen zu pressen, das weniger Pixel hat als jeder durchschnittliche Teenager-Pickel. Deshalb sieht das Emoji auch aus, als wäre ein falsch lackierter Schwebebahnzug erst beim Waschen eingelaufen und dann auch noch vom Gartenhäcksler massakriert worden.

Es könnte sich genauso gut um einen Nebendarsteller aus "Transformers 9 – Aufstand der Nahverkehrsmittel" oder den viereckigen Bruder von E.T. handeln. Kein echter Wuppertaler würde diesen kröpeligen Schwebebahn-Verschnitt freiwillig in seinen Tweet einbauen.

Ich empfehle Ihnen deshalb, dem Aufruf meiner Kollegin Hannah Florian in unserem Redaktions-Blog zu folgen. Sie findet nämlich, dass wir lieber schöne Fotos von der echten Schwebebahn posten sollen. Und warnt außerdem noch davor, eine Seilbahn zu bauen.

Deren Emoji liegt nämlich auf dem letzten Platz der Beliebtheitsskala ...

Bis die Tage!

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