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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire
Der Eitelkeits-Test

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Der Eitelkeits-Test
Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Ich frage Sie jetzt mal hier ganz unter uns: Sind Sie eigentlich eitel? Da muss ich gerade dran denken, weil ich eine für mich sehr überraschende Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie gelesen habe: Demnach gibt es immer mehr Schönheitsoperationen, weil Leute sich auf Selfies hässlich finden. Von Roderich Trapp

Nun ist mir persönlich das Problem mit den Handy-Fotos durchaus vertraut: Da ich von Natur aus nicht über ein kantiges Gesicht mit markanten Zügen, sondern über einen ziemlich runden Kappes verfüge, bin ich für Selfies denkbar ungeeignet. Das liegt daran, dass die Smartphone-Kameras bei Selfies ja ziemlich nah am Motiv dran sind und deshalb eine Art Weitwinkel benutzen, der den zu fotografierenden Kopf in alle Richtungen auseinanderzieht. Das führt bei mir dazu, dass ich auf Selfies aussehe, als hätte mir jemand eine Fahrradpumpe ins Ohr gesteckt und meine Runkel auf fünf ATÜ aufgeblasen.

Als ich zum ersten Mal ein Handy in Betrieb nahm, das auch vorne eine Kamera hat und daher quasi auch als Spiegel genutzt werden kann, habe ich das Ding beim ersten Einschalten dieser Kamera vor Schreck fallen lassen, weil ich dachte, da würde ein Zombie drin wohnen. Leider handelte es sich um mich. Lösen ließe sich dieses Problem tatsächlich nur mit einer Operation: Ich müsste mir den rechten Arm um drei Meter verlängern lassen, dann würde sich der Effekt etwas relativieren.

Nun hat mir eine Wuppertaler Fotografenlegende mal einen denkwürdigen Satz gesagt. Er lautet: "Die Linse lügt nicht." Und das motiviert dann offensichtlich viele Menschen dazu, an sich herumbasteln zu lassen. Speziell bei Promis fällt sowas natürlich schnell auf. Fußballtrainer Jürgen Klopp beispielsweise hat schon vor einiger Zeit auf seinen durch zahllose Kopfballduelle in der aktiven Zeit schütter gewordenen Haarbesatz reagiert und sich Nachschub transplantieren lassen. Irgendwie hat der Arzt da aber übertrieben, weil Klopp mit seiner neuen dunkelblonden Mähne plus Bart so aussieht, als hätte man dem Löwen Clarence aus der beliebten 60er-Jahre-Fernsehserie "Daktari" eine Brille angezogen.

Ich bin ja zum Glück nicht so eitel. Das habe ich jetzt sogar schriftlich, weil ich mich einem Selbsttest im Internet unterzogen habe, bei dem man nur zehn Fragen beantworten musste, um ein qualifiziertes Urteil zu bekommen. Mein Ergebnis: "Du bist genau richtig! Eitel bist du eigentlich kaum, aber ein bisschen achtest du schon auf dein Äußeres. Und das ist auch gut so! Bleib einfach so, wie du bist." Da bin ich natürlich hoch zufrieden!

Gut, man sollte vielleicht dazu sagen, dass der Test eigentlich für Frauen gedacht ist und ich deshalb die fünf Fragen nach meinen Schminkgewohnheiten alle mit "Ich schminke mich gar nicht" beantworten konnte ...

So, jetzt muss ich aber Schluss machen, weil ich einen Friseurtermin habe. Und wenn der Figaro mich diesmal schon wieder fragt, ob er alle drei Haare auf einmal schneiden soll, dann muss ich vielleicht doch mal den Kloppo anrufen, wo er das hat machen lassen ...

Jetzt noch was in eigener Sache: Sie haben es ja nicht anders gewollt – wegen vieler Nachfragen gibt es demnächst eine weitere Lesung mit mir und den besten Glossen "Nach Toreschluss" – am 15. Januar 2019 um 19.30 Uhr im "Kontakthof" an der Elberfelder Genügsamkeitsstraße. Der Vorverkauf auf www.wuppertal-live.de ist eröffnet! Von Selfies mit mir bitte ich dabei abzusehen. Sie wissen schon, warum ...

Bis die Tage!

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