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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire
#bringbackbäuchlein

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: #bringbackbäuchlein
Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen hat diese Woche davor gewarnt, dass die Deutschen zu viel Alkohol trinken. Schuld daran sind vermutlich Pumuckl und Meister Eder. Experten haben schon vor Jahren darauf hingewiesen, dass dieses beliebte Duo ein schlechtes Vorbild sei ... Von Roderich Trapp

Der einsame Schreinermeister und sein Kobold trinken nämlich Bier und auch schon mal einen Kirschschnaps, woraufhin offenbar ganze Generationen von Kindern unmittelbar nach dem Konsum einer Pumuckl-Fernsehfolge oder eines Pumuckl-Hörspiels die elterliche Hausbar geplündert haben müssen. Die Langzeitfolgen sehen wir heute.

Erschwerend kommt hinzu, dass Pumuckl eine gepflegte Plauze hat und damit auch übermotivierten Ernährungsberatern von jeher ein Dorn im Auge ist. 2015 haben ihn die zuständigen Zeichner deshalb vorübergehend in eine Art Almased-Botschafter mit der Figur eines Leichtathleten verwandelt. Den Asketen-Kobold konnten die Fans aber nicht leiden. Sie sorgten mit einer Twitter-Kampagne unter dem wunderschönen Titel #bringbackbäuchlein dafür, dass Pumuckl sehr schnell wieder gut dabei war.

Grundsätzlich sieht man an diesen Vorgängen aber, dass die beliebtesten Kindergeschichten aller Zeiten im Jahrhundert der Helikoptereltern und Ökotrophologen eigentlich gar nicht mehr erzählbar wären. Nehmen Sie nur mal den legendären Karlsson vom Dach: Nach heutigen Maßstäben wäre der Sympathieträger meiner Jugend ein adipöser Egomane mit ausgeprägter Fresssucht und einem exzentrischen Propeller auf dem Rücken, der es bestenfalls gerade noch in eine Inklusionsklasse, aber niemals in ein Kinderbuch schaffen würde. Dass er außerdem ständig Fleischklopse klaut, würde neben den Pädagogen auch noch die Veganer gegen ihn aufbringen. Und ohne Helm fliegen geht natürlich auch gar nicht. Über Pippi Langstrumpf müssen wir unter diesen Gesichtspunkten gar nicht reden. Die käme als verhaltensauffällige Halbwaise mit straffälligem Vater sowieso ruckzuck in eine heilpädagogische Wohngruppe.

"Der kleine Prinz" würde sofort per einstweiliger Verfügung von Greenpeace verboten, weil er auf seinem Asteroiden Affenbrotbäume ausreißt und damit die Zerstörung des Regenwaldes verharmlost. Keine Chance hätte auch der unbegleitete minderjährige Flüchtling Jim, der garantiert nicht bei Lokomotivführer Lukas, sondern im Asylantenheim landen würde. Und Winnetou könnte heutzutage nie Blutsbrüderschaft schließen, weil Old Shatterhand von Donald Trump kein Visum für die USA bekommt. Er war nämlich vorher unter dem verdächtigen Decknamen Kara Ben Nemsi im Irak unterwegs.

Sollten Sie das für absurd halten, weise ich auf Harry Potter hin. Die achtbändige Geschichte über den Schüler des Zauberinternats Hogwarts und seine Welt voller magischer Geschöpfe machte Millionen Fans weltweit glücklich, aber den späteren Papst Benedikt sauer. Er fürchtete, dass die Verherrlichung des Okkulten die christlichen Werte zersetzen könnte. Ich habe alle Harry-Potter-Romane gelesen und halte das für übertrieben. Als ob man bloß wegen Harry Potter an Zauberei glauben würde. So ein ...

Oh, pardon, ich muss jetzt leider Schluss machen. Da ist nämlich gerade ein Besucher mit seinem Besen durchs Redaktionsfenster geflogen gekommen. Er will einen Leserbrief abgeben: Die Kleine Hexe hat scheinbar bei der Walpurgisnacht auf der Hardt wieder so einen Lärm gemacht, dass sich Anwohner gestört fühlen.

Bis die Tage!

Die Rundschau-Radrunde