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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire
Beziehungsstatus

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Beziehungsstatus
Rundschau-Redakteur Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Früher entstanden Liebesbeziehungen ja noch analog in Kneipen, Discos oder auf Partys. Heute sind dort keine Singles mehr anzutreffen, weil sie alle vorher im Internet jemanden kennen gelernt haben. Dass die Bewerber dort auf den einschlägigen Dating-Portalen gerne Fotos aus der Blütezeit ihres Lebens posten, obwohl sie bereits welken, tut dem Erfolg keinen Abbruch.

Denn wenn beide Seiten in Wirklichkeit aussehen wie eine Schüppe Würmer und beim Körpergewicht eine Eins davor vergessen haben, neutralisiert sich das beim ersten Treffen ja wieder.

Das Entstehen von Beziehungen hätten wir damit also erfolgreich digitalisiert. Sollte einem der Partner langweilig werden, gibt es ebenfalls bereits smarte Internet-Portale wie das im Fernsehen gerne nach Mitternacht auf Privatsendern beworbene "Fremdgehen69", die für Abwechslung sorgen. Die Anwendung "AufsMaul70" für die Gehörnten soll ebenfalls bereits in der Entwicklung sein.

Was aber, wenn man seine Beziehung aufrechterhalten möchte? In diese Marktlücke sind jetzt Programmierer aus Finnland gestoßen. Sie haben eine App entwickelt, mit der Paare wieder Schwung ins Zusammenleben bringen können, wenn da irgendwie die Luft raus ist. Darf ich in diesem Zusammenhang mal fragen, wann Sie Ihrer Frau zum letzten Mal Blumen mitgebracht haben? ... Aha, dann sollten Sie jetzt aufmerksam weiterlesen.

"We did it" heißt das Programm fürs Handy, das mit künstlicher Intelligenz Ihre reale Beziehungskrise in den Griff bekommt. Dazu müssen beide Lebenspartner erstmal ihre Zufriedenheit mit verschiedenen Aspekten ihres Zusammenlebens auf einer Skala von Null bis 100 bewerten. Mit der App befasste Forscher haben ermittelt, dass Männer dabei zu Beginn das Glück in ihrer Beziehung im Schnitt mit 50,2 und die Frauen ihres mit 49,1 bewerten. Dieses Glücksgefühl nahm nach drei Wochen App-Nutzung um 33 Prozent zu. Das ist beachtlich, wie geht das?

Relativ einfach: Das Programm schickt einem nämlich regelmäßig Kommandos aufs Handy, die es aus den eingangs erhobenen Daten ableitet. Wenn Ihre Frau beispielsweise bei Zufriedenheit mit der "Badezimmerreinigung durch den Partner" eine Null eingeben hat, dann schickt das Smartphone den Gatten mehrmals wöchentlich zum Kloputzen. Sollten beide Partner bei der Zufriedenheit mit dem Sexleben allerdings auch eher was Einstelliges eingetippt haben, dann könnte das mit dem Putzen schwierig werden.

"We did it" (Nomen est Omen) legt den Betroffenen in diesem Fall nämlich Beischlaf-Frequenzen auf, die Nebentätigkeiten weitgehend ausschließen. Zumal man ausweislich des Werbevideos davor auch noch Handschellen kaufen, eine bestimmte Anzahl Nackenmassagen abarbeiten und bei jedem aus dem Haus gehen verpflichtend Knuddeln und Knutschen muss.

Möglicherweise ist der Anstieg der Zufriedenheit daher auch auf etwas ganz anderes zurückzuführen: Die App vergleicht nämlich den eigenen Beziehungsstatus mit dem anderer Paare. Wenn da statistisch abzulesen ist, dass die Kottenströters von nebenan mit hoher Wahrscheinlichkeit noch unglücklicher sind als man selbst und nur noch beim Abendessen pfeffern, dann sieht die eigene Welt doch gleich schon ganz anders aus.

Trotzdem überlasse ich es lieber Ihnen, ob Sie das Geld für die natürlich kostenpflichtige "We did it"-App ausgeben wollen. Dafür kriegen Sie schließlich locker auch einen Strauß analoge Blumen ...

Bis die Tage!