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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire
Achtung, Krötenwanderung!

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Achtung, Krötenwanderung!
Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Krötenwanderung? Ja sicher! Ist bei mir das ganze Jahr über. Die Kröten wandern dabei dauernd von meinem Bankkonto auf irgendwelche anderen. Sie brauchen dafür auch keinerlei Hilfe. In der Tierwelt verhält sich die Sache völlig anders: Da ist nur wenige Tage im Jahr - nämlich genau jetzt - Krötenwanderung. Und die kleinen Kerlchen brauchen dabei oft auch unsere Hilfe, um nicht überfahren zu werden. Von Roderich Trapp

Wann Krötenwanderung ist, hängt vom Wetter ab. Wenn es nachts nicht mehr kälter als ungefähr sechs Grad wird, machen sich die Kröten auf den Weg aus ihren Winterverstecken hin zu den angestammten Laichplätzen. Ein ähnliches Verhalten kennen wir von in Mallorca überwinternden Rentnern. Woher die Kröten ohne Zugriff auf Wetter-Apps oder die Tagesschau wissen, dass es wirklich dauerhaft wärmer wird, bleibt letztlich ihr Geheminis.

Kröten gehören übrigens ähnlich wie der CDU-Lautsprecher Jens Spahn zur Gattung der Froschlurche. Weitere Besonderheit: Die Männchen lassen sich bei der Krötenwanderung meist von Weibchen huckepack tragen. Teilweise muss sich eine einzelne Froschlurchdame sogar mehrere Herren auf den runzligen Rücken laden. Ein klarer Fall für die Amphibien-Emma und Froschrechtlerin Alice Warzer!

Die Froschmänner sind allerdings genau genommen keine faulen Paschas, sondern einfach nur lüstern, weil sie immer um diese Jahreszeit dringend kleine Kaulquappen zeugen wollen. Leider ist der Kröterich aber nicht nur paarungsgetrieben, sondern auch scheel auf den Augen. Deshalb umklammert er instinktiv alle Gegenstände in Größe einer Krötendame mit den Vorderbeinen und lässt nur wieder los, wenn er einen Abwehrlaut hört. Selbigen stoßen ausschließlich versehentlich umklammerte Krötenmännchen-Kollegen aus. Erwischt der Krötenkerl eine stumme Cola-Dose oder einen Tennisball, hat er Partnerpech ...

 Wahrscheinlich liegt es an dem komplizierten Gebalze und Geschleppe, dass die Kröten bei ihrer Wanderung nur 600 Meter am Tag schaffen. Damit sind sie zwar immer noch schneller als ein Auto auf der A46, aber langsam genug, um beim Überqueren von Straßen platt gefahren zu werden. Wenn ich richtig gerechnet habe, brauchen die Drömmel-Kröten drei Minuten, um über eine normale Landstraße zu hüpfen. Um trotzdem lebend auf der anderen Seite anzukommen, braucht man entweder eine große Portion Glück oder eine Landstraße im hintersten Mecklenburg-Vorpommern. Der alte Ausruf "Sei kein Frosch!" hat also durchaus auch eine Verkehrssicherheits-Dimension.

Deshalb ist es begrüßenswert, dass in diesen Tagen auch in Wuppertal wieder Kröten eingesammelt und in Sicherheit gebracht werden. Das tut hier der Stadtkämmerer zwar ganzjährig, aktuell bekommt er auf dem Höhepunkt der non-monetären Krötenwanderung aber Verstärkung von vielen freiwilligen Tierfreunden. Falls Sie auch mithelfen möchten: Infos gibt's beim Umweltschutzressort der Stadt unter Telefon 563-53 43. Allerdings geht das nur im Dunkeln, diese Kröte müssen Sie leider schlucken ...

Bis die Tage!

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